Kategorie: Essen

Kochbuch: ESSEN GENIESSEN GESUND BLEIBEN von Laura Koch

Text & Foto des Buchcovers: Petra Müller, Initiantin von FOOD MOVEMENT

Ernährung als Medizin

Gleich vorneweg: Das ist wohl eines der zugänglichsten Kochbücher über gesunde Ernährung, das mir in den letzten Jahren in die Finger geraten ist. Das kleine Wunder dabei: Es kommt aus der Schweiz! Darum wundert es mich auch nicht, dass mir Menschen aus meinem Bekanntenkreis begeistert von diesem Buch erzählen, die sich bisher nur am Rande um gesunde Ernährung gekümmert haben.

Dieses Kochbuch ist ein Glücksfall.
Und zwar gleich aus mehreren Gründen:

Es ist zugänglich
Wer mag, «darf» weiterhin Milchprodukte, Eier, Fisch und Fleisch essen. Wie überall kommt es auf die Qualität und die Menge an. Weit verbreitet ist nämlich die Annahme, dass gesunde Ernährung langweilig und extrem einschränkend ist. Dabei können bereits kleine Veränderungen eine grosse Wirkung haben.

Es erklärt über den Tellerrand hinaus
Wir leben seit Jahrzehnten nicht mehr artgerecht. Wer für eine artgerechte Haltung von Tieren ist, sollte auch seinen eigenen Lebensstil kritisch betrachten: Wie bewege ich mich, wie schlafe ich, aber auch: wann und was esse ich?

Der zirkadiane Rhythmus hat seit der Entstehung des Lebens auf unserer Erde einen sehr grossen Einfluss auf alle Lebewesen. Dieser Rhythmus entspricht den ungefähr 24 Stunden, die die Erde braucht, um sich einmal um die eigene Achse zu drehen. In dieser Zeit verändern sich die Licht- und Temperaturverhältnisse, und bis vor ein paar Hundert Jahren auch die Verfügbarkeit auf Nahrung.

Über Millionen von Jahren hat sich unser Organismus entwickelt, und entsprechend tickt auch unsere Verdauungs- und Regenerationsuhr immer noch nach diesen alten Mustern. Es spielt zwar eine grosse Rolle, WAS wir essen, aber genau so wichtig ist auch, WANN wir essen.  Dabei kann und soll auf die individuellen Bedürfnisse Rücksicht genommen werden. Wer sich zum Beispiel wenig bewegt und morgens oder abends keinen Hunger verspürt, kann das Frühstück respektive Abendessen auch mal weglassen. Wichtig dabei ist, dass dafür die restlichen Mahlzeiten vollwertig sind.

Kurz und bündig wird in diesem Buch erklärt, welche fünf Effekte auf die Gene und den Stoffwechsel zu berücksichtigen sind und weshalb Ess-Pausen so wertvoll für uns sind. Unter dem Strich kann gesagt werden, dass gezielte und längere Pausen zwischen den Mahlzeiten helfen können, sogenannten Zivilisationskrankheiten vorzubeugen. Unser Organismus verhält sich auch heute noch grösstenteils wie in der Steinzeit – er konnte sich längst nicht an unser modernes Leben mit permanenter Nahrungsmittelzufuhr und zumeist wenig Bewegung anpassen.

Es zeigt, dass gesunde Ernährung einfach (und lecker) ist
Gesunde Ernährung geht ganz einfach:
– genügend trinken (vorzugsweise Wasser und ungesüssten Tee)
– 2 – 3 Portionen (möglichst saisonales) Gemüse täglich
– täglich etwas Früchte und Beeren
– täglich gesunde Fette wie Nüsse, Samen, Olivenöl, Ghee, Bio-Kokosöl, Hanföl etc.
– täglich Eiweiss wie Fisch, Poulet, Eier, Schafskäse, Bohnen sowie eiweissreiche Nüsse
– täglich eine Stärkebeilage wie Amarant, Dinkel, Hafer, Hirse, Marroni oder Süsskartoffeln

Es erklärt die Wirkung von Kräutern & Gewürze
Es ist ein wenig in Vergessenheit geraten, dass Kräuter und Gewürze unsere Mahlzeiten nicht nur schmackhafter machen, sondern dass sie auch eine heilende Wirkung haben. Von Galgant über Ingwer, Muskatnuss bis Zimt erfahren wir die gesundheitsfördernde Wirkung und können unseren Blick auf die vielen aromatischen Samen, Knospen und Wurzeln positiv verändern. Auch ordinäre Küchenkräuter wie Basilikum, Oregano und Schnittlauch sollten grosszügig verwendet werden. Wusstest du, dass Rosmarin nicht nur gut für die Verdauung ist, sondern sich auch positiv auf den Herz-Kreislauf und die Durchblutung auswirkt und die Nerven beruhigen kann?

Es ist übersichtlich
Der Theorieteil beschränkt sich auf übersichtliche und gut verständliche 30 Seiten. Was folgt, sind über 150 Seiten mit Rezepten, schön bebildert, sodass man sich gar nicht entscheiden kann, ob man mit den Amarant Hafer Pancakes, dem Karotten Ingwer Aufstrich, dem Nussbraten oder mit den salzigen Muffins beginnen soll. Nicht-Vegetarier/-Veganer finden aber auch gefüllte Trutenschnitzel oder Ofenfisch mit Spargel. Ich bin mir sicher, dass jede und jeder mehrere neue Lieblingsrezepte in diesem Kochbuch finden wird, die erst noch einfach in den Alltag einzubauen sind.

Wer seine Angst vor «Ernährung als Medizin» abbauen oder sich zumindest an eine solche herantasten möchte:

Wir verlosen 3 Exemplare von ESSEN GENIESSEN GESUND BLEIBEN.

Schicke uns bis am Montag, den 20. Mai 2019 eine Mail mit deinem Namen und deiner Postadresse an welcome@food-movement.ch, und du nimmst an der Verlosung teil (beschränkt auf in der Schweiz lebende Personen).

Update 21. Mai 2019:
Die Buchverlosung wurde durchgeführt.
Die glücklichen Gewinnerinnen heissen Ramona Schürch, Nicole Huber und Ulrike Mitter – sie wurden bereits über ihr Glück informiert.
Herzlichen Dank an alle, die mitgemacht haben!


ESSEN GENIESSEN GESUND BLEIBEN ist übrigens in Zusammenarbeit mit dem NHK Institut für integrative Naturheilkunde im AT Verlag erschienen, beide gehören zu den ideellen Unterstützern von FOOD MOVEMENT.

Und zum gluschtig machen hier noch zwei Bilder aus dem Buch:

Fotografie © Veronika Studer, AT Verlag / www.at-verlag.ch

Haferburger aus Haferflocken, Leinsamen, Eiern und Gemüse
Karotten Ingwer Aufstrich aus Karotten, Sauerrahm, Walnüssen, Ingwer und Gewürzen

HEALTHY FRIDAY // FOOD: Linsen-Dhal mit Basmatireis

Rezept: Stefanie Reeb, wellcuisine
Foto: Thomas Leininger


Zutaten für 2 Personen:

Für den Reis:

150 g Basmatireis
300 ml Wasser
1/3 TL Salz
1 EL Rosinen (optional)

Für das Dhal:

100 g rote Linsen
1 EL natives Kokosöl
2 TL Currypulver
1 TL Kreuzkümmelpulver
1 TL Korianderpulver
1 kleine rote Zwiebel, geschält und fein gehackt
1 Knoblauchzehe, geschält und fein gehackt
1 EL fein geschnittener frischer Ingwer
300 g Tomaten, gewürfelt
400 ml Kokosmilch
200 Wasser plus mehr nach Bedarf
abgeriebene Schale von 1 unbehandelten Zitrone
2 EL Zitronensaft
1 EL Tomatenmark
1/2 EL Ahornsirup
1 TL Salz plus mehr zum Abschmecken
50 g Blattspinat
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
frische Korianderblätter zum Servieren (optional)

Zuallererst die roten Linsen für das Dhal in eine Schüssel geben und mit kaltem Wasser übergießen und einweichen lassen, bis alle Zutaten für das Dhal zubereitet und geschnitten sind. So werden die Linsen besser verträglich. Wenn Du rechtzeitig daran denkst, ist es noch besser, wenn du die Linsen einige Stunden oder über Nacht einweichen lässt.

Den Basmatireis in einem Sieb waschen, in einen Topf mit passendem Deckel geben und Wasser, Rosinen und Salz hinzufügen. Das Ganze bei geschlossenem Deckel zum Kochen bringen. Sobald das Wasser kocht, die Hitze auf die niedrigste Temperatur einstellen und den Reis ca. 15 Minuten ziehen lassen, bis er gar ist. Die Herdplatte gegebenenfalls ganz ausschalten, damit nichts anbrennt. Den Reis bei geschlossenem Deckel
warm halten, bis das Dhal fertig ist.

Die eingeweichten Linsen in ein Sieb geben und abwaschen.

In einer großen und tiefen Pfanne oder in einem Topf Kokosöl erhitzen und Currypulver, Kreuzkümmel und Koriander kurz unter Rühren anbraten. Rote Zwiebel und Knoblauch hinzufügen und unter Rühren ca. 2 Minuten leicht anbraten. Ingwer, Tomaten und Linsen dazugeben und mit Kokosmilch und Wasser ablöschen. Zitronenschale, Zitronensaft, Tomatenmark, Ahornsirup und Salz hinzufügen und bei mittlerer Hitze und bei geschlossenem Deckel ca. 15–20 Minuten köcheln lassen, bis die Linsen weich sind. Gegebenenfalls nach und nach noch mehr Wasser hinzufügen, wenn die Konsistenz des Dhals zu trocken wird. Es sollte am Ende eine geschmeidige Konsistenz wie ein Curry haben.

Das Dhal vom Herd nehmen und den Spinat untermischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Mit Reis und frisch gehackten Korianderblättern servieren.

Zeitaufwand:
ca. 45 Minuten

Interview mit Antonius Conte von NaturKraftWerke

Text & Interview: Petra Müller, Geschäftsleitung FOOD MOVEMENT
Foto: Camille Pivac


Irgendwann letztes Jahr habe ich aus Neugier mit Antonius Conte Kontakt aufgenommen. Ich kannte die Produkte seiner Firma NaturKraftWerke schon lange, zu der Zeit war ich grad wild auf seinen Löwenzahnwurzel- und Chicorée Kaffee. Durch meine Tätigkeiten mit FOOD MOVEMENT und Freakfood wollte ich den Mann hinter dieser Firma und dem leckeren Kaffee endlich mal kennenlernen.

Schon nach wenigen Minuten unseeres Telefongespräches merkte ich: Das wird spannend. Antonius ist ein alter Hase, was spezielle, biologische Nahrungsmittel und den Handel mit Lebensmitteln angeht. Er machte schon „Superfoods“, als es den Begriff noch gar nicht gab. Schon 1979 hat er sich ohne tierische Produkte ernährt – ziemlich ungewöhnlich!

Aber ich möchte hier lieber Antonius das Wort übergeben. Klar ist, dass wir sicher weiterhin in Kontakt bleiben werden, und das nicht bloss, weil er FOOD MOVEMENT mit seiner Firma als Mitglied unterstützt.

Und jetzt wünschen wir viel Vergnügen und – wer weiss, vielleicht sogar neue Einsichten – mit diesem spannenden Interview.

Lieber Antonius, vor vielen Jahren hast du eine Ausbildung zum Heilpraktiker absolviert. Was hat dich damals dazu bewogen, diesen Weg einzuschlagen?
1979 beschloss ich von heute auf morgen, keine tierischen Produkte mehr zu konsumieren. Ich war damals von Zen Buddhismus fasziniert und wollte spirituell vorwärtskommen. Dabei entdeckte ich ganz nebenbei die medizinische Kraft der Lebensmittel. Wobei ich ja nicht körperlich krank, sondern von kulturellen Motiven bewegt war. Aber ich hatte seit Jahren Angst, Existenzangst, Platzangst, Panik, anfallsartig und chronisch. Kurz nach der Ernährungsumstellung war dieser ganze Spuk weg. 1982 landete ich nach einem Trip über Amerika in Berlin und blieb dort 15 Jahre. Am Ende dieser Zeit, nach viel Trial and Error, Irrungen und Wirrungen, machte ich da den deutschen Heilpraktiker. Für mich war es eine Antwort auf das ermüdende Grossstadtleben und eine Rückbesinnung auf die anfänglichen Erfahrungen mit Ernährung.

Was hat sich seit deiner Ausbildung in Sachen Ernährung verändert, und wo stehst du in Sachen Ernährung, Gesundheit und Wohlbefinden heute?
Ich fahre einen kontroversen und paradoxen Kurs. Nach über 25 Jahren veganer und vegetarischer Ernährung bin ich heute genussorientierter und kreativer Flexitarier mit reduziertem Anteil tierischer Produkte und wenig bis null Zucker. Manchmal esse ich tagelang vegan. Aber ich probiere gerne alles Mögliche aus. Essen ist auch Kulturgeschichte und das fasziniert mich.

Ich habe Phasen und Epochen, wo etwas in den Vordergrund kommt und dann wieder verschwindet. Es ist wie eine Entdeckungsreise, unterhaltsam und unbeschwert mit wundersamen Offenbarungen, aber auch Ernüchterungen und Enttäuschungen. Orientiert bin ich durch Instinkt in Kombination mit Wissen und Vorlieben. Wenn ich in einen grossen Laden gehe, weiss ich gleich, was ich will und was nicht. Manchmal werde ich auch zu etwas verführt und mache eine Dummheit. Wichtig ist mir, mich frei zu fühlen, ohne Diktat einer Ernährungslehre oder eines Glaubens über Richtig und Falsch oder dass am Ende als Lohn Gesundheit, gar Erlösung und ewiges Leben winkt.

Meine Ausbildung hat in erster Linie das Staunen vergrössert über unser Leben. Und es waren vor allem die Naturwissenschaften und die Medizingeschichte, die mich inspirierten. Ich bin dadurch von Schwurbel und Leichtgläubigkeit freigekommen, denen man leider in naturheilkundlich orientierten Szenen oft begegnet. Essenziell ist für mich, mich von etwas Lebendigem zu ernähren. Zum Beispiel kann ein tierisches Produkt sehr lebendig sein und ein veganes Produkt sehr tot. Ich vermeide starre oder religionsartige Konzepte und ich vermeide schluckfertige Nahrung.

Kennst du Menschen, bei denen dank spezifischer Ernährung eine Linderung erreicht werden konnte?
Ich habe 10 Jahre als Heilpraktiker praktiziert. Mein Ziel war immer, nach einer symptomorientierten Behandlung, die den Krankheitsdruck abmildern sollte, mit Ernährung an die Basis zu kommen. Das ist zu etwa 50 % gelungen, d. h. viele Klienten konnten ihre Gesundheit neu aufbauen und erhalten. Aber zu 50 % hat es nicht geklappt. Ernährung ist intimer als Sex. Da lassen sich viele einfach nicht ein. Und Gewohnheiten zu ändern oder Süchte zu überwinden ist die eigentliche Krux. Wenn man das schafft, muss man auch nicht zum Arzt, auch nicht zum Heilpraktiker. Souveränität und volle Selbstverantwortung ist das Ziel und ich glaube der wichtigste Teil unserer Gesundheit. Gesundheit ist nicht konsumierbar, sie setzt Kreativität voraus.

Gibt es deiner Ansicht nach spezifische Ernährungs-„Regeln“, die du als besonders wichtig und/oder wirksam empfindest?
Abwechslung, Vielfalt, Bio, frisch, jahreszeitengerecht, selbergemacht, keine Massen- und Convenienceprodukte, nicht knabbern/snacken, nicht zu viel essen, langsam essen, geniessen, auf die Verdauung achten und alles, was nicht funktioniert, weglassen.

Für mich gibt es 5 Punkte: Durchblutung/Gefässe, Knochen/ Bewegungsapparat, Entzündungen, Stimmung/Psyche, Gedächtnis. Wenn da etwas nicht stimmt, sollte man aktiv werden. Diese Regelkreise erreicht man alle mit Ernährung. Natürlich gibt es noch viel mehr, aber diese 5 Themen erscheinen mir als wirkmächtig, fast alles andere folgt daraus. Ich würde übrigens ni,e jemandem sagen mach das oder dies. Gesundheit hat auch etwas mit Bildung und – wie gesagt – Kreativität zu tun. Man muss selber Bücher lesen, aber nicht nur oberflächliche Ratgeberliteratur, mit denen viele Verlage einen Haufen Geld verdienen, sondern möglichst Originalliteratur. Man muss sich in einer gewissen Tiefe auseinandersetzen und dadurch selber Herr der Lage sein. Es ist wichtig, sich kontrovers zu informieren und den Stoff selber zu sortieren und eine eigene Kompetenz aufzubauen. Nicht einfach etwas glauben!

Was auch unterschätzt wird: Hypochondrie ist eine dauernde Selbsthypnose. Lieber dem Körper vertrauen! Nicht ständig über Gesundheit nachdenken. Gesundheit ist wie Geld, gib es aus und es kommt zurück. Gesundheit sollte nicht gespart, sondern für etwas eingesetzt werden.

Hast du persönlich positive Erfahrungen mit einer bestimmten Ernährungsweise gemacht?
Mit Makrobiotik habe ich sehr befreiende Erfahrungen gemacht, wegen der Reduziertheit, obwohl das System paternalistisch und kulturell überheblich ist. Ayurveda mag ich auch. In der traditionellen italienischen Küche sind ebenso viele Schätze versteckt. Damit meine ich nicht die weltweite Ultradominanz von Pizza und Pasta. Aber über Parmesan könnte man sich schon mal Gedanken machen oder über die italienische Gemüseküche oder die herrlichen Kräuter wie Thymian, Oregano, Basilikum, Salbei, Rosmarin, die in vielen Gerichten vorkommen. Ich habe vor ein paar Jahren die Weltküche (www.weltkueche.bio) gegründet. Die Idee dahinter ist, die genialen und bewährten Praktiken verschiedener Landes- und Volksküchen wertschätzend zu kombinieren. Die Weltküche ist eine charmante Opposition gegen Kampf und Krieg der Kulturen, Religionen, Ideologien. Ich lebe von der Idee, dass sich eines Tages alle Menschen und alle Lebensarten auf gleicher Augenhöhe begegnen und viele Menschen öfters mal was zusammen kochen.

Welche sonstigen Faktoren, abgesehen von der Ernährung, erachtest du als wichtig für Gesundheit und Wohlbefinden?
Herausfinden, was man wirklich will und es tun.

Du hast bereits 1996 die Firma NaturKraftWerke gegründet. Was war damals deine Vision, und wie sieht sie heute aus?
Durch das Do-it-your-self Prinzip für Haus und Bau, das Mitte der 70iger Jahre aufkam, schwebte mir schon lange eine Art Do-it-your-self -Konzept für die Gesundheit und Körperpflege, eine moderne Art von Hausapotheke, vor. Ein Sortiment an Basisprodukten, mit denen man effektiv Einfluss nehmen kann auf das Wohlbefinden. Unser erster Claim war etwas mit «Volksgesundheit» und «Ethnomedizin». Ich wollte einen Bausatz kreieren mit hilfreichen Mitteln aus aller Welt. Da bekam ich aber schnell Ärger mit den Behörden. Alternative Pharmazie hat mich lange fasziniert, aber es wurde mir rechtlich zu kompliziert und ich wollte nicht subversiv arbeiten. Ich ruderte zurück auf Lebensmittel. Lebensmittel haben ein pharmazeutisches Potenzial. Man darf bei uns nur keine Werbung darüber machen.

Was möchtest du FOOD MOVEMENT auf den Weg mitgeben?
Unsere Geschichte nicht vergessen: Christen ermordeten mehr Christen als seinerzeit die Römer oder später die Osmanen. Das Bedürfnis zu einer überlegenen Elite zu gehören, kann man am Calvinismus ablesen. Es macht mich traurig und enttäuscht, dass viele Menschen immer noch so konditioniert sind und meinen, dass sie etwas Besseres sind, wenn sie sich in ein vielversprechendes Regelkonzept einordnen. Das ist wohl eine Art negatives mentales Erbe. Bei Calvin war es vorbestimmt, ob man zu den Erwählten oder den Verworfenen gehört. Dementsprechend haben sich viele Menschen verhalten und erzeugten die entsprechenden äusserlichen Anzeichen, dazu gehörte Reichtum und Wohlstand. Nach dem Soziologen Max Weber soll das eine der wesentlichen Grundlagen des Kapitalismus und des Gewinnstrebens sein. Wenn Leute heutzutage predigen und glauben, dass Rohkost, Paläo, Keto, Veganismus oder weiss was das einzig Wahre ist, kommen mir die Glaubenskonflikte der Vergangenheit in den Sinn. Der Toleranzerlass, bzw. die Religionsfreiheit wurde zuerst in England realisiert, weil sich dort die evangelikalen Sekten dauernd die Köpfe einschlugen. Bei der Weltküche laden wir bewusst alle Ernährungsstile ein und stiften Pluralismus und Toleranz.

Verrätst du uns noch dein Lieblingsessen?
Das ist jetzt sentimental und keine Gesundheitsempfehlung, obwohl dieses Essen in gewisser Weise psychoaktiv ist und damit Wohlbefinden erzeugen kann. Ich hatte eine italienische Grossmutter, meine geliebte Nonna. Momentan ist mein Lieblingsessen eine klassische, gut gemachte Bolognese mit Spaghetti.

Ganz herzlichen Dank für dieses Interview, lieber Antonius!




Doku-Serie von FOOD MATTERS

Text: Petra Müller, Geschäftsleitung FOOD MOVEMENT

Wer genügend englisch versteht, dem können wir diese Filmreihe von FOOD MATTERS TV empfehlen. In 48 Minuten wird in der ersten Episode aufgezeigt, welche gesundheitlichen Folgen unsere Ernährungsweise für uns haben kann.

Mit dabei auch die beeindruckende Geschichte des Tennisspielers Novak Djokovic. Mit Beiträgen von Dr. Mark Hyman, Dr. William Davis, Dr. Libby Weaver, Dr. Josh Axe und Vani Hari aka Food Babe.

Den Film kann man sich noch bis Sonntagabend, den 11. November 2018 gratis und ohne Maileinschreibung anschauen.

Für Schleckmäuler: Süssen, aber gesund

Text & Foto: Petra Müller, Initiantin FOOD MOVEMENT und Betreiberin des Blogs Freakfood

Dieser Beitrag erschien erstmals im Mai 2018 auf dem Vituro-Blog der EGK Gesundheitskasse

Süssen, aber gesund

Sie überkommt uns wohl fast alle manchmal: Die Lust auf etwas Süsses.

Süsses gibt Energie, Süsses tröstet, Süsses macht uns glücklich. Das kommt wohl nicht von ungefähr, denn alle, die das Glück hatten, von ihrer Mutter gestillt zu werden, haben mit der süsslichen Muttermilch auch all diese angenehmen Gefühle erlebt. Das ist zumindest mein persönlicher Erklärungsversuch.

Vor meiner Diagnose «rheumatoide Arthritis» vor 7 Jahren war es für mich ganz normal, regelmässig Süssigkeiten wie Milchschokolade, Guetzli, Schokoladenjoghurt oder Aprikosenwähe zu essen. Als ich mich dann mit entzündungshemmender Ernährung auseinandersetzte, fiel normaler, raffinierter Zucker und all seine vermeintlich gesünderen Alternativen (brauner Zucker, Agavensirup, Reissirup etc.) von meinem Speiseplan. Zucker fördert Entzündungen, darüber sind sich inzwischen alle ernstzunehmenden Experten und Ärztinnen einig, denn zahlreiche Studien belegen dies.

Auch wer nicht an einer chronischen Krankheit leidet, tut gut daran, seinen/ihren Zuckerkonsum zu reduzieren. Das heisst aber nicht, dass wir gar nichts Süsses mehr essen können. Es kommt wie immer auf die Menge an, sehr viel mehr jedoch auch auf die Zuckerart.

Von künstlichem Zucker sollte man übrigens am besten gänzlich die Finger lassen, denn unser Körper kann schlecht mit künstlichem Süssstoffen umgehen. Der ganze Light-Hype ist nicht harmlos, weil künstlicher Zucker zwar keine Kalorien hat, aber zahlreiche Abläufe in unserem Organismus durcheinanderbringt. Studien kommen zum Ergebnis, dass künstliche Süssstoffe auf lange Zeit zu einer Gewichtszunahme führen könnten und das Risiko für Adipositas, Diabetes Typ 2, Bluthochdruck oder Herzerkrankungen steigen könnte. Denn Zuckerersatzstoffe stehen unter Verdacht, den Stoffwechsel, die Zusammensetzung der Darmbakterien und den Appetit zu beeinflussen.

Wer es also süss mag, aber seine Gesundheit nicht schädigen möchte, hat dennoch Alternativen. Allerdings möchte ich grad zu Beginn festhalten: Gekaufte Süssigkeiten sind selten diejenigen, die ich empfehlen würde. Mit wenigen Ausnahmen enthalten gekaufte Guetzli, Schokoladen (empfehlenswert ist ein Kakaoanteil von mind. 80 %), Kuchen und Glacé zu viel Zucker. Egal ob traditionell, bio oder vegan.

Ok, ich nenne sie nun endlich, die süssen Produkte, die ich empfehlen kann:

Datteln, Dattelsirup + Dattelsüsse (getrocknete und zu einem Mehl gemahlene Datteln)
Datteln eignen sich zum Backen, für Crèmes, rohe Brownies, «Bliss Balls» oder mein «Löffel-Dessert». Datteln haben einen verhältnismässig niedrigen glykämischen Index, das heisst, dass sie den Blutzuckerspiegel nicht so schnell hochschnellen lassen wie üblicher Zucker – das ist gut. Ausserdem enthalten Datteln im Gegensatz zu normalem Zucker zahlreiche Mineralstoffe, Kalium und Ballaststoffe. Selbstverständlich sollte man Datteln aber auch nicht kiloweise essen.

Birkenzucker
Auch Xylit genannt. Birkenzucker ist ein natürliches Süssungsmittel, das den Blutzuckerspiegel ebenfalls nur langsam ansteigen lässt. Studien belegen, dass der alternative Zucker die Anzahl der zahnfeindlichen Bakterien im Speichel und die schädliche Säurebildung in der Plaque reduziert.

Birkenzucker eignet sich zwar zum Backen, aber nicht mit Hefe – er bietet den Hefebakterien zu wenig Nahrung. Zudem löst sich Birkenzucker nur in warmen Flüssigkeiten richtig auf. In rohköstlichen «Back»waren ist ein deutlicher «Crunch» bemerkbar, den ich jedoch als attraktiv empfinde. Mit Birkenzucker können Sie zum Beispiel ein köstliches Soft Ice zubereiten.

Birkenzucker kann bei zu grossen Mengen jedoch abführend wirken – grosse Mengen sind aber sowieso zu vermeiden. Zudem: HundebesitzerInnen sollten ihren Vierbeinern keine Süssigkeiten mit Birkenzucker geben, da er für Tiere schädlich ist.

Vanille
Erst nach meiner Ernährungsumstellung wurde mir bewusst, dass ich Vanille auch als eine Art Süssungsmittel einsetzen kann, denn Vanille erinnert meine Geschmacksknospen automatisch an Süssigkeiten. Man kann Vanille also gut mal in Kaffee, Tee oder Smoothies ausprobieren. Aber es kommt noch besser: Vanille wirkt entzündungshemmend. Vielleicht sind Sie mutig und süssen Ihren Kurkuma-Ingwer-Tee das nächste Mal mit einer Prise Vanille? Das schmeckt vorzüglich!

Auf unserem Radar #7: Vortrag von Prof. Dr. Frank Madeo

Text: Petra Müller, Initiantin FOOD MOVEMENT

Kürzlich wurde ich dank Bas Kast auf einen Herrn Madeo aufmerksam, der mit dem schlichten Namen Madeo/ Ernährung und Gesundheit auf Facebook präsent ist. Da mir Herrn Madeos Beiträge auf Facebook gefallen, habe ich ihn gegoogelt und festgestellt, dass es sich um einen Prof. Dr. Frank Madeo vom Institut für Molekulare Biowissenschaften an der Universität Graz handelt.

Bei der Suche bin ich auf ein Youtube-Video gestossen, das qualitativ zwar etwas zu wünschen übrig lässt, inhaltlich ist dieser Vortrag jedoch höchst interessant.

Dr. Madeo spricht in seinem Vortrag darüber, wie man gesund alt werden kann, aber auch über Diät-Mythen, seine Meinung zum Milchkonsum sowie über Pausen zwischen den Mahlzeiten. „Nichts ist mithin falscher, als die in Zeitschriften postulierte Ernährungsform, jedes Hüngerchen mit 20 kleinen Portiönchen pro Tag zu bekämpfen. Im Gegenteil. Begrüssen Sie Ihren Hunger wie einen Freund.“ Zudem können sich Menschen freuen, die meinen, die hätten einen dicken Po – Herr Madeo kann auch zu den Stellen, WO man Fett ansetzt, einiges berichten.

Höchst informationsreiche und spannende 52 Minuten, die sich lohnen.

Wir wünschen viele möglichst neue Erkenntnisse!

https://youtu.be/CZt22e2RbmQ

Ein Geschenk für uns und euch: Randen Carpaccio-Video!

Text: Petra Müller, Geschäftsleitung FOOD MOVEMENT

Am 2. Februar 2018 erhielt ich eine Message von Cathrin Michael: „Hoi Liebi, wie geht’s dir? Bist du nächste Woche mal in Züri oder können wir uns sonst treffen? Hab ein Geschenk für dich :).“
Oh! Was für eine Überraschung! Ich war gespannt wie ein Flitzbogen.

Cathrin kenne ich schon ein paar Jahre via Facebook und Instagram. Letztes Jahr im Herbst waren wir uns einig: Wir möchten uns endlich in echt kennenlernen. Im Oktober 2017 war es soweit. Cathrin kam an den Vortrag über entzündungshemmende Ernährung, den ich zusammen mit Laura Koch vom Institut für integrative Naturheilkunde NHK in Zürich hielt. Wir vereinbarten, uns vor dem Vortrag zum Tee zu treffen. Es fühlte sich an, als hätten wir uns schon lange gekannt.

Seither sind Cathrin und ich in regem Kontakt. Wir beide lieben Kochen und Essen, und wir beide schreiben auch regelmässig darüber. Cathrin ist ausserdem sehr interessiert an gesunder Ernährung. Ich freue mich immer, wenn sie mir Löcher in den Bauch fragt oder mir tolle, neue Rezepte schickt – was gibt es Schöneres als ein offener und neugieriger Mensch? In wenigen Monaten ist eine feine, vertrauenswürdige Freundschaft entstanden, die auch über das Kochen hinausreicht.

Ich wusste, dass Cathrin schon länger Koch-Videos für verschiedene Kunden produziert. Dass sie mich aber aus blauem Himmel mit einem Video eines HEALTHY FRIDAY-Rezeptes überraschen wird, hätte ich mir nie träumen lassen!

Zusammen mit Nina Fäh von FAEH + FAEH film und Nadine Danuser von PURA PALEO hat Cathrin einen wunderschönen Film über die Zubereitung des Randen Carpaccio mit Ziegenkäse produziert. Cathrin selbst hat übrigens soeben ihren eigenen Blog lanciert: Schaut rein bei gnuesse.ch.

Wir möchten uns ganz herzlich für dieses wunderbare Geschenk bei Cathrin, Nina und Nadine bedanken ♥ ♥ ♥. Was für eine Bereicherung für FOOD MOVEMENT!

Nun seid ihr alle eingeladen, dieses Prachtstück zu geniessen.
Und dieses feine Randen-Carpaccio von Béatrice Chiari schon bald selbst nachzukochen.

HEALTHY CHRISTMAS: Tipps für die Weihnachtszeit

Für alle, die sich selbst vor bevorstehenden Team-Apéros, Weihnachts-Gelage und verführerischen Guetzli-Teller schützen möchten, haben unsere lieben Freunde am Kochen (neu operierend unter dem Namen My Coach) ein paar hilfreiche Tipps für die Weihnachtszeit zusammengestellt.

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Weihnachtszeit ist die Zeit der vielen Festessen und Apéros. Geschäftsessen, Familienfeier, Team-Apéro, Chlausen-Apéro, Sylvesterparty. Nicht zuletzt trudeln im Geschäft noch die ganzen Weihnachtsgeschenke ein, so stehen bei der Kaffeemaschine stets Kuchen, Kekse und Schokolade bereit. Und wo man hinkommt dieser Tage, Süssigkeiten und Snacks sind omnipräsent. Kommt dir das bekannt vor? Nicht ganz einfach, in dieser Zeit seinen Vorsätzen treu zu bleiben.

Gesund und fit durch die Weihnachtszeit, das ist das Thema unseres Monatsspecials im Dezember.

1. Setze deinen Fokus für die Weihnachtszeit neu: nicht das Essen, sondern die gemeinsame Zeit mit Freunden und Familie ist das, was zählt und glücklich macht! Freue dich auf die feierliche Stimmung, die schön geschmückten Tische, den Weihnachtsbaum, und vor allem: auf die besinnliche, lustige, bereichernde Zeit mit Familie und Freunden! Mache dir Gedanken, was du während den Feiertagen gemeinsam mit deinen Liebsten unternehmen möchtest. Plane auch Aktivitäten draussen wie spazieren gehen, schlittschuhlaufen oder schlitteln ein.

2. Halte dich an deinen Menüplan. Das Frühstück auszulassen um Abends mehr essen zu können, ist keine gute Idee. Mit Heisshunger stürzen wir uns auf alles und essen dann insgesamt weit mehr, als wenn wir uns an die regelmässigen Essenszeiten halten.

3. Im Office stehen täglich Süssigkeiten herum? Setze dir ein klares Limit: 3 kleine Süssigkeiten pro Woche oder 1 Nachtisch sind erlaubt. Sonst kann es helfen, ein paar gesunde Snacks dabei zu haben: rohes Gemüse, eine Frucht, ein paar Nüsse.

4. Plane als Ausgleich mehr Bewegungseinheiten ein, idealerweise an der frischen Luft.

5. Ein klares Limit auch für Getränke und Alkohol: halte dich an Wasser oder Sprudelwasser mit Zitrone, Orange, Kräutern. Beim Wein max. 1 Glas pro Festessen / Apero. Mach dir doch deinen eigenen gesunden, alkoholfreien Punsch (süssen mit Stevia), Gewürztees haben keine Kalorien, oder heisser, frischer Ingwertee mit etwas Zitrone schmeckt auch sehr gut und wärmt.

Vorbereitung & klare Limits, die du vorgängig mit dir selber ausmachst, sind alles!
Gehe nie hungrig an die Party: esse vorher einen gesunden Snack, z.B.

– kleines Vollkorn- oder Knäckebrot-Brötchen mit Kresse und Frischkäse
– eine Portion Gemüsesticks mit 2 EL Magerquark-Curry-Dip
– ein gekochtes Ei mit Bündnerfleisch und Cocktailtomätchen, oder
– 1/2 Avocado mit Tomaten und Curry-Salz

Deinen gesunden Snack kannst du auch ins Office mitnehmen und ca. 45 Min. vor dem Apéro essen.

Am Event: Was trinken?
Trinke 2 Gläser ungesüssten Tee oder Wasser bevor du hingehst

Mache mit dir ganz klar aus: 1 Glas Wein /Prosecco ist erlaubt, sonst einfach Wasser / Sprudelwasser mit Zitrone.

Am Event: Was essen?
Beim Apéro kannst du dich zurück halten, du bist ja nicht hungrig, da du vorher schon deinen gesunden Snack gegessen hast. Suppen, Gemüsesticks oder Trockenfleisch sind die beste Wahl.

Beim Hauptgang konzentrierst du dich auf Gemüse, Salate und gesunde Proteine (Fisch, helles Fleisch, Ei). Halte dich bei Brot, Saucen und Sättigungsbeilagen zurück. Dazwischen immer viel Wasser trinken.

Beim Dessert gilt das Limit von 1 Dessert pro Woche oder 2 – 3 kleine Süssigkeiten pro Woche, diese Joker kannst du einsetzen wie du magst.

Konzentriere dich auf die Gespräche und sehe den Hauptzweck nicht im Essen und Trinken – mache das zum Mantra für den Abend!

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Hier geht es zur Adventschallenge von My Coach.

Selbstgespräch: Kochimprovisation

Text & Foto: Petra Müller, Gründerin FOOD MOVEMENT

In einer neuen, losen Serie zeige ich euch exklusiven Eintritt in meine Gedanken. Natürlich geht es meistens ums Essen, ums Kochen oder um Ernährungsfragen. Aber auch um meinen Umgang mit meiner unheilbaren Krankheit und meine Gedanken zu neuen Trends.

Heute erzähle ich euch, was in meinem Kopf vorging, als ich heute mein Mittagessen kochte. Aber die Geschichte beginnt schon am Vorabend.

Ich bin auf dem Heimweg von Bern nach Thun und befinde mich bereits am Bahnhof.

Mir fällt ein, dass ja gar kein Gemüse mehr zuhause hat für mein Mittagessen morgen. Dann besorge ich besser heute noch etwas, sonst muss ich schon am Morgen raus in die Kälte. Es reicht wohl gerade noch, der Zug fährt erst in 10 Minuten. Ich also rein in den Laden. Ich scanne das Regal mit den Bio-Gemüsen. Ausser Rüebli und Pastinaken finde ich kein Schweizer Produkt. Also rüber zum konventionell angebauten Gemüse. Rosenkohl! Aus der Region. Perfekt. Mir geht noch durch den Kopf, dass ich die Kombination Rosenkohl und Marroni sehr mag. Ich weiss: Es hat noch Marroni im Kühlfach.

Zuhause angekommen, habe ich die Mittagessen-Pläne schon wieder vergessen und weiche kurz vor dem Ins-Bett-gehen schwarze Bohnen in einer Schale mit Wasser ein.

Nächster Tag. Nach dem Frühstück denke ich tatsächlich daran, dass ich ein paar Marroni auftauen möchte. Ich bin ganz stolz, dass ich es nicht vergessen habe. Gegen 11.45 Uhr braut sich ein Hüngerchen zusammen. Während dem Arbeiten am Compi schweife ich immer wieder kurz ab und denke darüber nach, was ich kochen könnte. Rosenkohl und Marroni sind gesetzt. Aber: Schwarze Bohnen dazu? Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Quinoa? Den mag ich lieber, wenn er eingeweicht ist. Also Hirse.

Ich setze eine Handvoll Hirse auf und lasse sie köcheln. Schnell eine kleine Zwiebel gehackt, den Rosenkohl geputzt und halbiert, dann Zwiebeln in etwas Kokosöl anbraten, Rosenkohl dazu. Nach ein paar Minuten gebe ich die aufgetauten Marroni zum Rosenkohl, etwas heisses Wasser dazu, salzen und pfeffern. Im Kühlschrank liegen noch 3 Blätter Palmkohl und schauen mich traurig an. Die kommen auch mit rein, aber erst am Schluss. Dann lasse die Chose zugedeckt köcheln.

In meinem inneren Auge stelle ich mir den fertigen Teller vor: Helle Hirse mit grünem Rosenkohl und braunen Marroni. Das könnte ich farblich wie geschmacklich aufpeppen. Der Vitamix steht noch da von der Macadamiamilch, die ich mir heute morgen gemacht habe. Eine Crème! Also die Hirse pürieren? Das dünkt mich etwas langweilig. Ich finde noch Resten von gelben Linsen und gekochte Randen im Kühlschrank. Zusammen mit der Hirse gibt das eine wunderschöne, rote Crème. Aber die braucht noch Pfiff. Was würde Moreno, der Koch vom Restaurant las alps machen? (ich arbeite 2 Tage die Woche im Alpinen Museum in Bern, dem das las alps angehört). Morenos Essen kann ich aus gesundheitlichen Gründen meistens nicht essen, ich bewundere aber seine ungewöhnlichen Kombinationen. Gestern hat er ein Zimtrisotto gekocht. Vielleicht Zimt in die Crème? Das passt noch nicht ganz, aber ein anderes, wärmendes Gewürz wäre fein: Kardamom.

So kommt es also, dass ich am Ende eine mit Kardamom gewürzte Hirse-Linsen-Randen-Crème mit Rosenkohl & Marroni esse, dekoriert mit ein paar Granatapfelkernen. Das könnte aussehen wie ein von langer Hand geplantes Rezept. Ist es aber nicht. Das ist typische Improvisationsküche à la Petra. Nicht immer kommt es gut. Aber heute war es wiederholungswürdig lecker.

PS: Die schwarzen Bohnen gibt es zum Znacht mit Flower Sprouts und Süsskartoffeln.

Blattgespräche

Text & Foto: Petra Müller, Gründerin FOOD MOVEMENT

Heute möchte ich euch einen Vorschlag machen, der sich für mich schon drei Jahre bewährt:
Geht und fragt jemanden, die/der einen Gemüsegarten besitzt, ob ihr ab und zu Blätter von Broccoli, Kohlrabi oder Zucchetti haben könnt.

Die Blätter unserer Gemüse sind meist nährstoffreicher als die „Gemüse“ selbst! Als ich vor ein paar Jahren für ein Rezept grüner Smoothies recherchierte, habe ich das erst entdeckt. Es ist mir nachhaltig im Kopf stecken geblieben, dass es himmeltraurig ist, wenn all die wertvollen Blätter auf dem Kompost landen – wenn schon, dann immerhin bei den Meerschweinchen…

Hier exemplarisch die Nährstoffe von Randen (Rote Beete) der Knolle (1. Zahl) und der Blätter (2. Zahl):

Kalzium:             16 mg         117 mg
Eisen:                 0,8 mg       2,57 mg
Magnesium:       23 mg            70 mg
Kalium.             325 mg         762 mg
Natrium.              78 mg        226 mg
Vitamin C:          4,9 mg          30 mg
Vitamin A:           33 IE        6’326 IE
Vitamin E:        0,04 μg           1,5 μg
Vitamin K:          0,2 μg          400 μg
Thiamin:          0,03 mg          0,1 mg
Riboflavin:       0,04 mg        0,22 mg

(Quelle: Grüne Smoothies, Dr. med. Christian Guth/Burkhard Hikisch, GU Ratgeber Gesundheit)

Beeindruckend, oder?

Wenn ihr selbst einen Garten habt, umso besser. Ansonsten geht und fragt jemanden, meistens sind die Leute sehr interessiert, und es ergeben sich schöne Gespräche.