Schlagwort: Ernährung

Eine chronische Krankheit ist wie ein Teilzeitjob

Text: Petra Müller, Geschäftsleitung FOOD MOVEMENT
Foto: Katharina Lütscher, Zürich

Es freut mich sehr, dass unsere Partnerin, die EGK Gesundheitskasse, in ihrem Hausmagazin Vivere ein Portrait über mich und meine Kranken- bzw. Gesundungsgeschichte veröffentlicht hat. An einem kalten Tag anfangs Februar habe ich mich mit Tina Widmer getroffen, die mich interviewt hat. Ich bin sehr glücklich über die Geschichte, die sie über mich geschrieben hat.

Hier könnt ihr sie lesen.

Ganz herzlichen Dank, liebe Tina!

Auf unserem Radar #6: Eine App und zwei Artikel zu „gesunder“ Ernährung

Text: Petra Müller, Geschäftsleitung FOOD MOVEMENT


Eine meiner liebsten Quellen für Ernährungsthemen ist die Website nutritionfacts.org des amerikanischen Arztes Dr. Michael Greger. Dr. Greger ist ein leidenschaftlicher Arzt und Forscher, der unermüdlich und kostenfrei allen möglichen Fragen einer gesunden Ernährung auf den Grund geht. Alle Beiträge sind belegt durch zahlreiche Studien, was ihn für mich auch so glaubwürdig macht.

Parallel zu seinem Buch mit dem augenzwinkernden Titel How Not To Die hat Dr. Greger kürzlich eine App lanciert. Sie ist für Android und Apple erhältlich. Dank dieser App wird man täglich an die sogenannten „Daily Dozen“ erinnert, also an die 12 Empfehlungen, die Dr. Greger selbst täglich konsumiert oder ausführt – denn eine Portion Bewegung ist hier mit eingeschlossen.

Aus purer Neugier habe ich die App heruntergeladen, obwohl ich das Gefühl habe, dass ich mich inzwischen ziemlich ausgewogen und gesund ernähre. Denn eigentlich wollte ich bloss wissen, wie die App funktioniert. Ich bin begeistert! Denn einfacher könnte die Benutzeroberfläche nicht sein. Auf einer Liste mit den 12 täglichen Empfehlungen kann ich ankreuzen, wovon ich wieviele Portionen konsumiert habe. Da man so etwas schnell vergisst, erhält man täglich um 20 Uhr eine akustische Erinnerung. Ich kreuze seither fast täglich brav an, ob ich meine täglich empfohlenen Portionen konsumiert habe: Bohnen, Beeren, Obst, Kreuzblütengewächse, Blattgemüse, sonstiges Gemüse, Leinsamen, Nüssen, Gewürze, Vollkorn sowie Getränke und Bewegung. Zu jeder Empfehlung kann man durch einen Antipper ein paar Details abrufen.

Was durch die Benutzung dieser App bei mir passiert ist: Ich denke schon von selbst daran, ob ich heute bereits Nüsse, Vollkorn oder Früchte gegessen habe. Es geht mir auch nicht darum, dass ich dies nun pingelig genau nehmen muss. Aber es zeichnet sich ein Gesamtbild ab, bei dem ich z. B. feststelle, dass ich am ehesten vergesse, genügend Nüsse und Früchte zu essen. Ein Dutzend Empfehlungen kann man sich gerade noch so merken; ansonsten wird man dank der App daran erinnert.

Mein Fazit:
Ich kann nicht nur das Buch How Not To Die sehr empfehlen (wir werden es zu einem späteren Zeitpunkt noch vorstellen), ich kann auch diese App sehr empfehlen für alle, die versuchen möchten, sich gesünder zu ernähren. Denn wenn man täglich die 11 empfohlenen Portionen dieser Lebensmittel isst, hat Ungesundes eigentlich fast keinen Platz mehr (zumindest nicht in meinem Bauch). Die App erscheint auf deinem Smartphone übrigens automatisch auf deutsch bzw. in der Sprache deines Landes.

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Was heisst heute gesunde Ernährung?
Hierzu gibt es soviele Meinungen wie Menschen, Experten, Ärzte und Ernährungsberaterinnen.
Und dennoch gibt es einige Überschneidungen, wo sich auch Expertinnen und Experten verschiedener Ernährungsphilosophien ziemlich einig sind.

Die Amerikaner Mark Bittman und Dr. David L. Katz haben in einem (wohl fingierten) Interview kluge Antworten dazu abgegeben, was man 2018 als gesunde Ernährung bezeichnen könnte. Ein erster Artikel (übrigens in englisch) befasst sich ausführlich mit den brennendsten Fragen, und vor zwei Tagen ist ein Follow Up erschienen, wo die beiden nochmals detaillierter auf ein paar Fragen eingehen. Ich kenne diese Fragen selbst gut, denn sie werden mir oft im Anschluss an meine Vorträge gestellt:

– Wie steht es konkret mit Fleisch?
– Wieviel Käse ist ok, und wenn ja, welcher?
– Ist Reis ok? (oder muss ich jetzt immer Bohnen essen?)
– Ist Frühstücken wirklich so wichtig?
– Chia? Was ist der Hype um Chiasamen?
– Und offenbar immer wichtig: Wie steht es mit KAFFEE???

HEALTHY FRIDAY // Interview mit Jeannette Ruh

Interview: Petra Müller, Gründerin von FOOD MOVEMENT

Heute erfahren wir etwas mehr über den Hintergrund und die Ernährungsgewohnheiten von Jeannette Ruh. Sie auch schon köstliche Rezepte für beispielsweise Kürbis-Schokolade Power Bites oder – jetzt wieder ganz aktuell – einen Smoothie mit Brennnesseln mit uns geteilt. Wer sich täglich von Jeannette inspirieren lassen möchte, kann ihr (wie 21’200 andere Menschen) auf Instagram folgen.

Seit wann und weshalb achtest du auf deine Ernährung?
Seit ich im 2011 am Pfeifferschen Drüsenfieder erkrankt bin und lange mit verschiedenen Entzündungen im Körper gekämpft hatte, wurde mir bewusst, dass ich meine Ernährung komplett umstellen musste. Da mir niemand ausser ich mir selber helfen konnte, startete das Projekt mit viel Gemüse, grünen Smoothies, keinem Zucker mehr, kein Gluten und einer veganen Ernährung. Mittlerweile esse ich wieder ein wenig Milchprodukte, wenn mein Körper danach verlangt. Ansonsten fehlt mir mit dieser Ernährung nichts, und ich fühle mich fitter als zuvor.

Wie hast du dich davor ernährt?
Zuvor stand viel Zucker in jeglicher Form auf dem Programm. Viel weisses Brot, Schokolade, Joghurt – Gemüse suchte man auf meinem Teller vergebens.

Welche körperlichen und/oder geistigen Veränderungen stellst du fest, seit du dich anders ernährst?
Mit der Ernährungsumstellung habe ich auch intensiv begonnen, Yoga zu machen. Deshalb ist die Veränderung auch in diesem Zusammenhang passiert. Bei mir ist es eine Kombination von beidem, was den grösseren Einfluss hat, weiss ich nicht. Körperlich fühle ich mich vitaler, Erkältungen sind nur noch sehr selten und auch die Grippe sucht mich nicht mehr heim. Durch das Yoga und die Ernährung fühle ich mich wacher, klarer und fokussierter.

Kannst du die Philosophie deiner heutigen Ernährung beschreiben?
Grundsätzlich pflanzenbasiert, mit kleinen Ausnahmen. Sagen wir mal zu 85 % vegan und glutenfrei, der Rest kann dann alles sein.

Gibt es Lebensmittel, die du ganz meidest?
Ich achte darauf, dass ich alles in Bioqualiät esse. Ansonsten kein Weizen oder weissen Zucker.

Kannst du uns deine Ernährung für einen normalen Tag in etwa beschreiben?
Ein Smoothie zum Frühstück, später einen Espresso oder zwei…
Zum Mittagessen ein Salat mit pflanzlichen Proteinzusätzen.
Mein Nachtessen ist meist warm mit viel Gemüse, Reis, Linsen-Teigwaren etc. Meist ganz einfach.
Zwischendurch esse ich dunkle Schokolade, Früchte, rohes Gemüse, Kokoswasser.

Was kochst du dir, wenn du fast keine Zeit hast?
Ich esse oft auswärts und koche auch nicht sehr regelmässig. Wenn es also mal schnell gehen muss, mache ich mir einen Salat mit Sprossen, Saisongemüse und Pilzen.

Was sind deine bevorzugten Getränke?
Wasser, Tee und Kaffee (ja, Kaffee trinke ich noch zu oft)

Gibt es Lebensmittel, die du so gerne hast, dass du sie ausnahmsweise doch isst?
Manchmal etwas Milchschokolade. Das erklärt dann auch meine Antwort zur Philosophie Frage.

Wie gehst du mit privaten Einladungen zum Essen um?
Ich kommuniziere, was ich esse und was nicht. Ansonsten bin ich auch nicht kleinlich.

Wie organisierst du dich in Sachen Ernährung in den Ferien?
In den meisten Restaurants kann man mittlerweile vegan essen. Da hatte ich noch nie Probleme. Weizenfrei geht jedoch nicht überall, da muss man dann Abstriche machen.

Welche KöchInnen, Kochbücher, Blogs oder Magazine inspirieren dich?
Ich folge verschiedenen Bloggern auf Instagram. Da das immer wieder mal ändert, kann ich hier keine Namen nennen.

Was tust du in Sachen Bewegung und Entspannung?
Yoga und viel nach draussen gehen und spazieren, joggen oder Velo fahren.

Ganz lieben Dank für dieses Interview, liebe Jeannette!

Somatische Intelligenz: Der beste Ernährungsberater bist du selbst

Text: Graziella Anouchka Bättig, Speiseplan
Foto: Marco Sieber [Fotografie]

Der beste Ernährungsberater bist du selbst
An diesem Wintereinbuchsonntag habe ich mich wieder mal hinter die neuesten Dokumentation von Arte, 3Sat und Co. zum Thema Ernährung & Gesundheit gesetzt. Viel Altbekanntes, einige neue Bestätigungen und einen Input, den ich schon lange mal auf Pixel bringen wollte. Ich bin der festen Überzeugung, dass es nur eine Expertin gibt, die Dir sagen kann, was du essen sollst und was nicht: Du selbst.

Braucht es also gar keine Ernährungsberater? Mehr denn je. Denn die somatische Intelligenz – also das eigene Körpergefühl – haben wir weitgehend verloren bzw. wird es durch industriell verarbeitete Lebensmittel seit unserer Geburt getäuscht. Wenn man es genau nimmt, konnte unsere Generation die somatische Intelligenz gar nicht wirklich entwickeln. Ausser wir sind bei Hippie- oder Körnlipickereltern aufgewachsen. Der Weg zurück zu unserem Urkörpergefühl ist ein sehr langer, intensiver und vielschichtiger.

Bei mir besteht er aus jahrelangem Yoga, Achtsamkeitsübungen und einer ausgeprägten Beobachtungsgabe. Und doch habe ich nach über 10 Jahren auf diesem Weg meinen Körper noch nicht vollständig erreicht. Irgendwie beängstigend, wenn man das so formuliert. Daran, dass praktizieren, beobachten und achtsam sein nicht reicht – daran ist unsere Lebensmittelindustrie schuld. Und nein, hier geht es nicht um Verschwörung, Antikapitalismus und Schuldabschiebung. Ich bin ein Mensch, der Verantwortung übernimmt. Vor allem für mich selbst. Ich will anhand eines Beispieles versuchen zu erklären, warum die Lebensmittelindustrie es fast verunmöglicht, dass wir an die Wurzel unserer somatischen Intelligenz kommen und so ihr immenses Potential voll ausschöpfen können.

Beispiel: Glutamat
Aromat hat in einer gesunden Ernährung nichts verloren. Das ist inzwischen weitgehend bekannt. Doch wie sieht es mit Hefeextrakt aus? Geh doch mal zu deinem Vorratsschrank und schau dir deine Produkte an – ja, auch die Bio. Gefunden? Die Chance ist sehr gross. Das ist allerdings kein Grund zur Panik. Hefeextrakt ist tatsächlich oft natürlich hergestellt. Der bedeutendste Bestandteil ist allerdings die Glutaminsäure. Es hat eine stark geschmacksverstärkende Wirkung. Soweit so gut. Geschmacksverstärkung kann man auch natürlich haben. Ist übrigens der fünfte Geschmack: Umami (es würde den Rahmen jetzt sprengen, darauf auch noch näher einzugehen.)

Was hat die Verstärkung eines Geschmackes für eine Auswirkung auf unsere somatische Intelligenz?

Es verwirrt sie. Glutaminsäure an sich hat nichts Falsches. Sie kommt in natürlichen Lebensmitteln vor. Sie ist für unseren Körper nicht essentiell, schadet ihm grundsätzlich auch nicht. Die Verwirrung, wenn Glutaminsäuren Lebensmitteln zugesetzt wird, hat auf Dauer allerdings weitreichende Folgen. Die somatische Intelligenz bezeichnet die körpereigene Intelligenz zu wissen, wann man was braucht und was einem nicht gut tut.

Viellicht kennt Ihr die unbändige Lust auf irgendein Lebensmittel? Ich habe das zum Beispiel im Moment mit getrockneten Tomaten. Ich könnte darin baden und werde nervös, wenn sie an einem Samstagabend ausgehen. Einen Blick in mein schlaues Buch hat geklärt warum. Mein Vitamin A-Level ist zu tief. Das zeigt sich natürlich noch an anderen Symptomen und ist nicht im gefährlichen Bereich.

Mein Darm meldet also meinem Hirn „Wir brauchen Vitamin A.“ Mein Hirn sucht mein ganz individuell angelegtes Lexikon nach Lebensmitteln ab, die es kategorisiert hat mit einem hohen Vitamin A Gehalt. Und schon renne ich zum Biohändler des Vertrauens und besorge mit getrocknete Tomaten.

Ein weiteres Bespiel, welches den meisten betroffenen Frauen – und wohl auch den zuliefernden Männern – bekannt sein dürfte, ist die unbändige Lust auf Schokolade oder nach rotem Fleisch vor oder während der Menstruation. Nimmt das ein unvernünftiges Ausmass an, empfehle ich eine Prüfung des Eisengehaltes.

Wenn wir nah bei uns selbst sind, spüren wir, was unser Körper braucht. Je natürlicher die Gelüste, desto höher unsere Körperintelligenz. Man weiss heute noch nicht, wie oder mit welchem Organ unser Körper das ganz persönliche Nachschlagewerk anlegt. Es scheint mir allerdings logisch, dass die Geschmacksrichtungen und die Tastzellen auf der Zunge hier mitspielen. Und genau diese verwirren wir, wenn zum Beispiel Tofu mit Hefeextrakt angereichert ist und wird uns zum Verhängnis, bei Mangel an irgendetwas in unserem Organismus.

Ein abstrakter und stark vereinfachter Erklärungsversuch
Parmesan enthält viel natürliche Glutaminsäure, ist aber auch von Natur aus reich an Folsäure. Es ist also möglich, dass der Körper speichert: Glutaminsäure = folsäurehaltig. Wenn nun aber dieser Mensch wöchentlich Tofu isst, der mit Hefeextrakt angereichert ist und nur selten Parmesan, dann kann es sein, dass sein Körper bei einem Folsäureabfall* gelüste nach Tofu meldet – obwohl dieser gar keine Folsäure enthält. Natürlich sind diese Täuschungen schlimmer, je mehr hochverarbeitete Lebensmittel ein Mensch zu sich nimmt. Und man weiss heute noch nicht was es braucht, wie lange es dauert oder nach welchem Impuls unser Körper bereits gespeicherte Erfahrungen neu überschreibt.

Hochverarbeitete Lebensmittel sind oft auch mit künstlichen Vitaminen angereichert oder sie enthalten weitere, schädliche Zusatzstoffe. Damit unser Körper wieder seine ganz persönliche Intelligenz entwickeln kann, braucht es mehrere langjährige Komponenten.

1. Ein ausgeprägtes Körpergefühl
Yoga, Meditation oder autogenes Training sind einige Möglichkeiten

2. Entwöhnung
Der Körper muss erst wieder lernen, wie unverarbeitete Lebensmittel – frei von Geschmacksverstärkern, Zusatzstoffen und künstlichem Zucker -schmecken. Dazu ist Basenfasten ein gutes Werkzeug. Wobei einmal in den allermeisten Fällen nicht ausreicht.

3. Mundgesundheit
Der Mund, so unappetitlich das klingt, ist der Beginn des Darms und die Heimat von Tastzellen. Handelsübliche Zahncremes beinhalten oft sehr „scharfe“ Geschmacksstoffe, welche unsere Schleimhaut im negativen Sinn abhärten.

4. Anlegen eines persönlichen Lexikons
Der Konsum von naturbelassenen Lebensmitteln sollte die Regel sein. Keine Zusatzstoffe wie zum Beispiel Schwefel in getrockneten Früchten oder Lebensmittel, die mit künstlichem Zucker angereichert sind.

Das ist ein langer, steiniger Weg mit vielen Fallen und Rückschlägen. Hat man die somatische Intelligenz jedoch erstmal geschärft, erkennt man schnell selbst das unglaubliche Potential das in ihr steckt.

Weiterführende Informationen:

Doku von 3Sat „Gift aus dem Supermarkt“
Lesenswertes Buch von Thomas Frankenbach
Videobeitrag von Thomas Frankenbach

* in der Schweiz werden Lebensmittel aus gutem Grund mit Folsäure angereichert. https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/suche.html#Fols%C3%A4ure

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Graziella hat bereits einen interessanten Erfahrungsbericht für uns geschrieben – sie lebt mir der Diagnose Multiple Sklerose.

HEALTHY FRIDAY // FOOD: Tatar mit Meeresalgen

Foto & Rezept: Madlen Witzig, Ernährungsberaterin Integrative TCM-Ernährung und 5-Elemente-Ernährung von Cook & More und simply seagreens

Tatar mit Meeresalgen

Zutaten für 4 Personen
je 15 g Algen: Dillisk, Wakame, Nori
1 mittlere Zwiebel oder Schalotte
2 EL Kapern
2 mittlere Essiggurken
1 EL glatte Petersilie
1 Stück Knoblauchzehe
1 EL Apfelessig
nach Belieben Zitronenzeste
1 EL Zitronensaft
1 EL Tamari (Sojasauce)
2 – 3 EL Olivenöl
nach Belieben Pfeffer
1 TL weisser Sesam geröstet

Zubereitung
1. Algen in kleine Stücke schneiden und ca. 10 Minuten in kaltem Wasser einweichen. Gut abtropfen lassen, fein hacken und in eine Schüssel geben.
2. Zitronenzeste, Zwiebel, Kapern, Essiggurken, Petersilie und Knoblauch fein hacken und zu den Algen geben.
3. Mit Apfelessig, Zitronensaft, Pfeffer, Tamari und Olivenöl abschmecken und mischen.
4. Vor dem Servieren mit etwas weissem Sesam und frischer Petersilie garnieren.

Tipp
Das Tatar kann beliebig variert werden mit verschiedenen Kräutern, getrockneten Tomaten, gerösteten Kürbiskernen, Ingwer, Sesamöl, Limette oder Reisessig.

Das Tatar schmeckt auch als Brotaufstrich, zu Apéro-Crackern, zu Pasta oder mit Gemüsesticks.

M.: Schilddrüsen-Überfunktion (Morbus Basedow)

Einführungstext & Interview: Petra Müller, Geschäftsleitung FOOD MOVEMENT

Dieser Erfahrungsbericht ist insofern speziell, als es sich um einen Mann handelt, der hier erzählt. Diesem Beitrag ist ein längeres Telefongespräch zwischen M. und mir vorausgegangen. M. möchte anonym bleiben, da er es zurzeit vorzieht, dass sein Arbeitgeber seine detaillierte Krankheitsgeschichte nicht kennt.

Ich war und bin sehr beeindruckt von dieser Geschichte und vom reflektierten und disziplinierten Umgang von M. mit seiner Krankheit. Vielleicht täusche ich mich, aber ich kenne deutlich mehr Frauen, die einerseits einen „alternativen“ Weg einschlagen und andererseits darüber sprechen.

Es wäre wunderbar, wenn auch M.’s Erfahrungen und Erkenntnisse möglichst viele Menschen inspirieren würden, skeptisch und kritisch zu werden und/oder zu bleiben und ihren persönlichen Weg zu gehen.

Ganz lieben Dank an dich, M., dass du uns so offen von deinem Umgang mit deiner Schilddrüsen-Überfunktion erzählst!

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Lieber M., Du hast – wie viele Mitleidensgenossinnen und -genossen – eine lange Odyssee hinter dir, bis du 2016 endlich die Diagnose Schilddrüsen-Überfunktion bekommen hast. Wie du mir erzählt hast, hattest du aber bereits vor 7 – 8 Jahren erste Beschwerden mit Blähungen und Durchfall. Damals hat dein Hausarzt einen Reizdarm diagnostiziert. Wie wurde dieser Reizdarm behandelt?
Wenn ich ehrlich bin, begleiteten mich diese Symptome damals schon viel länger. Aber ich redete mir einfach ein, mit einer schwachen Verdauung versehen zu ein.

Der Arzt hat mir damals für einige Wochen Duspatalin Retard verschrieben, ein Arzneimittel, das die Krampfzustände des Magen-Darmtraktes beseitigt. Er meinte auch, er selber leide schon länger unter dem Reizdarm Syndrom, vor allem wenn er Stress habe, und er nehme dann immer wieder Duspatalin. Ich solle doch auch darauf achten, weniger in Stresssituationen zu kommen. Ich war fürs erste beruhigt, da die Symptome nun einerseits etwas allgemein Bekanntes und in der Darstellung des Arztes nichts Schlimmes darstellten.

Damals hatte ich keine Ahnung, wie man mit Stress richtig umgeht und so war meine Antwort auf Stress Party mit Alkoholkonsum am Wochenende. Und nach einer anstrengenden Aufgabe im Büro belohnte ich mich sehr gerne mit einem Cappuccino oder einem Kaffee Crème (4 – 6 mal am Tag). Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich damals keine Verbindung zwischen durchzechten Nächten, Alkoholkonsum, Kaffee und Stress machte und so kamen die Schübe von Blähungen und Durchfall mal schwächer mal stärker immer wieder und ich reagierte, wie vom Arzt verordnet, mit der mehrwöchigen Einnahme von Duspatalin Retard.

Dennoch warst und bist du fit und hast sehr intensives Intervalltraining (Crossfit) betrieben. Wann und weshalb hast du damit aufgehört? Wie sieht dein Sportprogramm heute aus?
Ich war schon immer eher sportlich. Grundsätzlich bin ich mehr oder weniger regelmässig ins Gym gegangen. Wenn ich nicht gerade Lust hatte, in ein Gym zu gehen, habe ich mehrere Intervalle mit Liegestützen, Sit-ups und kurzen Hantelübungen zu Hause gemacht.

Anfang 2015 wollte ich jedoch wissen, wie man die Ausdauer und Kraft steigern kann und ich besuchte während 5 Monaten 2 – 3 Mal pro Woche geführte Crossfit-Workouts. Bereits nach 2 Monaten war ein beachtlicher Fortschritt spür- und sichtbar und nach den 5 Monaten sah ich mit meinen damals 39 Jahren so fit aus wie nie zuvor in meinem Leben. Ende Sommer begann jedoch eine anstrengende Phase in meinem Job – mein Job ist ohnehin mental fordernd. Plötzlich fingen meine Muskeln an, dahin zu schmelzen und ich nahm stark ab, obwohl ich gleichviel zu essen pflegte. Ich fühlte mich ständig müde und ausgelaugt.

Da es ja beim ersten Mal mit der Fitness und dem Muskelaufbau so gut geklappt hat, startete ich im Januar 2016 erneut einen Versuch mit Crossfit. Doch ich kam dieses Mal überhaupt nicht vom Fleck. Weder die Muskeln noch die Ausdauer wollten zunehmen, sodass ich nach 6 Wochen die Übung abbrach.

Retrospektiv erachte ich ein solch hartes Intervalltraining als ungesund. Bereits nach zwei Wochen Pause (z.B. Ferien) muss man wieder weit hinten anfangen und sich mühsam vorarbeiten. Generell ist man nach einem solch harten Training richtiggehend KO und man braucht jeweils 2 – 3 Tage, um den Muskelkater zu überstehen. Dies ist übrigens bei Crossfit Absicht.

Auch das Training in einer gewöhnlichen «Muckibude» ist auf die Dauer langweilig, und man braucht immer viel Motivation, um den Weg dorthin und zurück auf sich zu nehmen ‒ dies an nassen, kalten Tagen, aber auch an Tagen, an denen man lieber ins Strandbad gehen würde. Und so kommt man vor lauter Ausreden und Ferien dazwischen nie in eine Regelmässigkeit rein, die einerseits motivierend und andererseits gesund ist.

Ich versuche heute, meine Übungen in den Alltag zu integrieren, sodass ich den inneren Schweinehund nicht mehr besiegen muss, ich keine Zeit fürs Training verliere und diese Tätigkeiten auch in den Ferien problemlos ausführen kann. Das sieht so aus:

15 Stockwerke jeden Tag (Treppen laufen)
60 Liegestütze alle 2 Tage
12 Klimmzüge alle 2 Tage

Mehr braucht es meiner Meinung nach nicht, wenn man sich gut ernährt und genügend Schlaf bekommt.

Was hat dir der Arzt nach der Diagnose Schilddrüsenüberfunktion (Morbus Basedow) verschrieben und empfohlen?
Zu Beginn musste ich Betablocker gegen das Herzrasen und Carbimazol (Neo-Mercazole®) gegen die hohen Schilddrüsen-Hormonwerte einnehmen. Ich sollte das Carbimazol vorerst mal 6 Monate einnehmen, und mit dem Arzt sollte dann situativ entschieden werden, wieviel länger ich das Carbimazol einnehmen sollte, da man schauen müsse, ob sich die Schilddrüse bis dann beruhigt hat. Dabei ist zu sagen, dass man das Carbimazol bis maximal 2 Jahre lang einnehmen darf und falls die Schilddrüse sich bis dann nicht beruhigt, muss man die Schilddrüse mit grosser Wahrscheinlichkeit mit radioaktivem Iod behandeln, damit sie schrumpft. Auf die meiner Meinung nach unzureichend untersuchten Langzeitauswirkungen von radioaktiven Substanzen auf den Körper will ich hier nicht eingehen.

Irgendwann kam bei dir der Punkt, wo du dich nicht mehr nur schulmedizinisch hast behandeln lassen. Was gab dafür den Ausschlag?
Da ich bereits 2015 erste Erfahrung mit Craniosacraltherapie und Kinesiologie hatte, hat sofort begleitend mit diesen Therapien die Genesung begonnen. Zudem waren die Nebenwirkungen des Carbimazol so zermürbend, vor allem Darmprobleme, sodass ich mich im Internet und in Büchern selber nach Alternativen umschaute. Und ich wurde fündig.

Welche natürlichen Medikamente und Methoden haben dir in Bezug auf die Schilddrüsenüberfunktion geholfen?
Um die Hormonüberproduktion und die damit verbundene Nervosität in den Griff zu bekommen, habe ich auf die Wolfstrapp-Tinktur von Ceres gesetzt. Was meiner Meinung nach die grösste Wirkung hatte, war die konsequente Meidung diverser Lebensmittel und die grundsätzliche Sanierung des Darmes.

Welche Lebensmittel und Getränke versuchst du denn zu vermeiden?
Seit 12 Monaten sind Alkohol, Kaffee, Milch/Rahm ein absolutes Tabu für mich. Andere Milchprodukte und Eier sind nur Ausnahmeerscheinungen auf meinem Speiseplan.

Weizen habe ich während der Hauptphase der Krankheit auch komplett gemieden und durch Dinkel, Reis, Quinoa etc. ersetzt. Ich vertrage mittlerweile wieder kleine Mengen an Weizen, meide ihn aber, wo ich nur kann. Nachtschattengewächse, und da speziell Auberginen und Paprika, meide ich, wo es nur geht. Kartoffeln wurden durch Süsskartoffeln ersetzt. Manchmal gönne ich mir aber Pommes Frites 😉.

Spürst du es, wenn du ausnahmsweise Milchprodukte oder Weizen konsumierst?
JAAA, bei Weizen ist es jedoch nicht so deutlich wie bei Milchprodukten mit einem hohen Laktosegehalt. Nach dem Verzehr von Weizenprodukten (z.B. Pasta), verspüre ich erst nach einigen Stunden ein komisches nervöses Gefühl und ein Ziehen im Körper, und deswegen war es am Anfang auch schwierig, die Symptome einem Nahrungsmittel zuzuordnen. Nach laktosehaltigen Nahrungsmitteln habe ich bereits kurz nach der Einnahme starke Blähungen, begleitet von schlechtem Wohlbefinden.

Du hast mir erzählt, dass du auch in Sachen Entspannung einiges dazugelernt hast. Wie entspannst du dich heute?
Ich habe meditieren gelernt, und obschon ich nicht jeden Tag meditiere, kann ich an stressigen Tagen am Abend 30 – 60 Minuten meditieren und richtig runterkommen. Zudem habe ich mittlerweile meine Karriereambitionen ein wenig «feinjustiert» und bin deshalb nicht mehr so verbissen im professionellen Alltag.

Dies hat auch dazu geführt, dass ich mich endlich dazu durchringen konnte, mein Arbeitspensum auf 80 % zu reduzieren. Diese zusätzliche Freizeit hat massgeblich zur Entspannung und dadurch natürlich auch zu meiner Genesung beigetragen.

Was man dabei nicht vergessen darf ist der Schlaf. Ich gehe heute früher ins Bett und störe den Rhythmus so wenig wie möglich durch späte Abendanlässe etc..

Was sind deine wichtigsten Erkenntnisse, wenn du die letzten 8 Jahre Revue passieren lässt?
Ich hatte immer wieder unerklärliche körperliche und psychische Tiefs. Ich habe nun endlich gelernt, eben diese einzuordnen, die Ursachen zu verstehen und das gesamte Befinden zu optimieren, zu lenken und diese Tiefs möglichst zu verhindern. Auch das Nein sagen habe ich gelernt. Dies im Bezug zu gewissen Nahrungsmitteln, aber z.B. auch zu privaten und professionellen Aktivitäten, die ich für mich als energieraubend ermittelt habe.

Wie geht es dir heute? Hast du weitere Pläne?
In der Gesamtbetrachtung kann ich heute sagen, dass ich mich wohler und energetischer fühle, als dies in den letzten 8 Jahren der Fall war. Meine Schilddrüsenwerte sind seit Juni 2016 wieder ganz normal.

Ich werde in den kommenden Monaten weiter an meinem Darm arbeiten und meinen Ernährungsplan weiter feintunen.

To be continued….

 

 

 

 

 

 

 

Interview mit Dr. med. Giorgio Tamborrini, Rheumatologe

Text & Interview: Petra Müller, Geschäftsleitung FOOD MOVEMENT

Im Frühling dieses Jahres wurde ich von der Rheumaliga beider Basel angefragt für einen Vortrag zum Thema „Entzündungshemmende Ernährung“. Ich habe erfreut zugesagt. Letzte Woche habe ich erfahren dass mein Vortrag vom 15. November 2017 bereits ausgebucht ist und sicher stattfinden wird. Toll!

Im Rahmen dieser Vortragsreihe machte ich eine Entdeckung: Auch ein Herr Tamborrini war für einen Vortrag vorgesehen, ein praktizierender Rheumatologe. Wer meine Geschichte nicht kennt: Ich bin seit meinen Erkrankung an rheumatoider Arthritis vor 6 Jahren auf der Suche nach einem Rheumatologen, der die positive Wirkung einer klugen Ernährung anerkennt. Bisher erfolglos. Ich machte mir Hoffnungen: Es gibt ihn offenbar doch!

Noch am selben Tag habe ich Dr. Tamborrini ein Mail geschrieben und ihn gefragt, ob er bereit wäre, sich kurz mit mir zu unterhalten und allenfalls für FOOD MOVEMENT ein Interview zu geben. Innerhalb von wenigen Tagen hatten wir miteinander telefoniert – es war ein hoch erfreuliches Gespräch. Ausserdem hatten wir vereinbart, dass ich ihm einen Fragebogen zukommen lassen kann.

Es freut mich deshalb ausserordentlich, dass wir euch heute dieses wichtige Interview mit einem Facharzt für Rheumatologie zeigen dürfen. Wir hoffen, dass es viele von euch inspiriert und Menschen mit sowohl rheumatischen wie auch anderen Erkrankungen ermutigt, die Ernährung Teil des Genesungsprozesses werden zu lassen.

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Dr. med. Giorgio Tamborrini-Schütz

Lieber Herr Tamborrini, Sie sind Facharzt für Rheumatologie und sind der Meinung, dass die Ernährung bei Rheumaerkrankungen eine Rolle spielen kann. Wie sind Sie dazu gekommen?
Zum einen berichten viele Patientinnen und Patienten von positiven oder negativen Effekten gewisser Speisen oder Ernährungsgewohnheiten in Bezug auf ihre Gelenksbeschwerden. Als Beispiel nenne ich den positiven entzündungshemmenden Effekt fettreicher Fische und den Verzicht auf übermässigem Fleischkonsum. Zum anderen gibt es unterdessen wissenschaftliche Untersuchungen, die den Zusammenhang zwischen Entzündung und Ernährung beweisen. Es gibt etliche Studien, die beispielsweise den negativen Einfluss von zu viel Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch auf Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-System oder Krebs zeigen. Hierzu verweise ich auf den Bericht der Eidgenössischen Ernährungskommission zu den gesundheitlichen Aspekten des Fleischkonsums (https://tinyurl.com/yav7cz3u)

Was empfehlen Sie Patientinnen und Patienten, die offen sind, sich auf eine Ernährungsumstellung einzulassen? Gibt es spezifische Lebensmittel, die Sie Rheumapatienten empfehlen zu meiden?
Ich bespreche mit den Patientinnen und Patienten ihre Ernährungsgewohnheiten und gebe in der Regel Ernährungstipps und Richtlinien mit. Die Ernährung kann einen Einfluss auf die Krankheitsaktivität haben, ersetzt aber nicht eine präzise und auf den einzelnen Menschen abgestimmte medikamentöse oder nicht-medikamentöse Therapie.

Ich bin überzeugt, dass eine gesunde Ernährung den rheumatischen Entzündungsprozess beeinflusst.

Ich bin überzeugt, dass eine gesunde Ernährung den rheumatischen Entzündungsprozess beeinflusst (https://tinyurl.com/yc9uw8wk). Ich befürworte eine Ernährung mit wenig tierischen Fetten, ausgenommen gelegentlicher (fettreicher) Fischkonsum. Zudem empfehle ich täglichen Konsum von frischen Früchten und Gemüsen, idealerweise aus der Region und wenn möglich bio.

Bei entzündlichen Krankheiten sollte die Arachidonsäure in den Lebensmitteln vermindert werden, dies durch Reduktion von verarbeitetem (gepökeltem) Fleisch, Innereien oder Wurstwaren, Reduktion des Eikonsums oder anderer tierischer Fettquellen («fette» Fische ausgenommen). Zu empfehlen ist eine vorwiegend lacto-vegetabile Ernährung mit Fischkonsum unter Beachtung individueller Unverträglichkeiten und unter Vermeidung einer Mangelerscheinung (Vitamine etc.). Beim Kaufen von Fischprodukten sollte auf deren Herkunft geachtet werden. Biologische Fische oder Fische aus Wildfang enthalten mehr Omega-3-Fettsäuren.

Neben der Reduktion entzündungsfördernder Lebensmittel ist die reichliche Zufuhr von entzündungshemmenden Lebensmitteln anzustreben, u. a. mit Omega-3-Fett-säuren, Gamma-Linolensäure und Antioxidantien wie z. B. Vitamin E. Pflanzliche Omega-3-Fettsäuren sind sehr zu empfehlen, welche wir z. B. im Rapsöl, in Walnüssen, Leinsamen oder Chia-Samen finden.

Was machen Sie für Erfahrungen, wenn Patienten auf bestimmte Lebensmittel verzichten oder sie reduzieren? Können Sie von einer (oder mehreren) Erfolgsgeschichte(n) berichten?
Ich betreue einige Menschen, die durch die Anpassung der Ernährungsgewohnheiten die Entzündung positiv beeinflussen konnten. Dies spiegelt sich im Alltag darin, dass weniger Schmerzmittel benötigt werden oder die spezifischen Rheumamedikamente in tieferen Dosierungen ausreichend wirken. Es gibt ganz wenige Ausnahmen, wo die Ernährungsanpassung soweit geführt hat, dass die Medikamente ganz abgesetzt werden konnten. Man kann diese Erfolgsgeschichte nicht auf andere Menschen übertragen, da es so viele verschiedene rheumatische Erkrankungen gibt und auf jeden Fall jede Patientin, respektive jeder Patient individuell beraten und behandelt werden soll. Dies ist ein Grundsatz moderner und personalisierter Präzisionsmedizin, wo nebst der Erkrankung selbst auch Umwelteinfluss oder der Lebensstil im Behandlungskonzept mitberücksichtigt wird.

Sie fördern gesunde Ernährung, indem Sie Ihre Patientinnen und Patienten Rezepte austauschen lassen. Können Sie uns etwas über dieses Projekt erzählen?
Das mit dem Rezeptaustauschen hat leider nicht so gut geklappt, wie ich mir erhofft hatte. In einem halben Jahr erhielt ich weniger als ein halbes Dutzend Rezepte von Patientinnen und Patienten. Der Hintergrund zur Idee mit den Rezepten ist, dass ich für diverse Patientenzeitschriften Artikel über die Ernährung schreiben durfte und auch schon mit Patienten an einem Kochevent teilgenommen habe. So kam ich auf die Idee, ein kleines Kochbuch zu schreiben und auch Rezepte von Patientinnen und Patienten zu integrieren. Vielleicht klappt es ja noch, ich bin da ganz zuversichtlich.

Gibt es natürliche Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel, die Sie bei Rheumaerkrankungen empfehlen können?
Hierzu muss ich gestehen, dass ich mich mit diesen Produkten nicht genügend auskenne. Ich bin der Meinung, dass der natürliche Weg über gesunde und frische Lebensmittel bevorzugt werden soll. Eine Anpassung der Ernährung unter Beachtung oben genannter Punkte kann eine Änderung des Quotienten zwischen Arachidonsäure (löst eine Entzündung aus) und mehrfach ungesättigten Fettsäuren verändern. Der Effekt von Fischölkonsum wurde in diversen Studien untersucht. Sowohl bei Arthrosen wie auch bei rheumatoider Arthritis konnte gezeigt werden, dass Fischölkonsum in Bezug auf Schmerzen und rasches Erreichen einer Remission eine positive Wirkung hat.

Welche sonstigen Faktoren, abgesehen von der Ernährung, erachten Sie als wichtig für Gesundheit und Wohlbefinden?
Ich versuche die Patientinnen und Patienten zu motivieren, sich regelmäßig zu bewegen, beziehungsweise sich sportlich zu betätigen. Zudem sollte der Alkoholkonsum minimiert werden. Mit Rauchen sollte auf jeden Fall aufgehört werden.

Haben Sie persönlich positive Erfahrungen mit einer bestimmten Ernährungsweise gemacht?
Meine Familie pflegt eine klassische mediterrane Ernährungsweise, die gut schmeckt und eine reichliche Variation anbietet. Diese umfasst viele frische und minimal verarbeitete Produkte, u.a. Gemüse, weisses Fleisch, Fische, Vollkornprodukte, Nüsse und Früchte.

Verraten Sie uns noch Ihr Lieblingsessen?
Ich persönlich liebe rohes oder gegrilltes Gemüse wie Fenchel und ich mag ausgesprochen gern Nüsse und Hülsenfrüchte. Ein eigentliches Lieblingsessen habe ich nicht, aber nichts geht über eine Pizza mit Gemüse, Oliven und Kapern… natürlich mit Vollkorn-Teig!

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Institut für Ultraschall und des Bewegungsapparates und Rheumatologie UZR, Basel

HEALTHY FRIDAY // FOOD, MOVE & RELAX: Die Dr. Feil Strategie

Einführungstext: Petra Müller, Geschäftsleitung FOOD MOVEMENT
Text & Lebensmittelpyramide: Forschungsgruppe Dr. Feil

Es freut mich sehr, dass wir euch heute die Strategie der Forschungsgruppe Dr. Feil zeigen dürfen. Ganz zu Beginn von meinem Gesundungsweg bin ich vor vier Jahren auf die Bücher von Dr. Feil gestossen. Im deutschsprachigen Bereich war damals nicht viel über entzündungshemmende Ernährung zu finden, ich stürzte mich regelrecht auf dieses Wissen. In diesem Beitrag habe ich letztes Jahr bereits das Buch „Arthrose und Gelenkschmerzen überwinden“ vorgestellt.

Auch heute noch empfehle ich allen, die mir von Arthrosebeschwerden erzählen, unbedingt dieses Buch zu lesen und die Lebensmittel-Pyramide von Dr. Feil anzuschauen. Oft habe ich das Buch auch schon verschenkt.

Mir gefällt einerseits der ganzheitliche Ansatz mit Ernährung, Bewegung und Gelassenheit, andererseits sind die Empfehlungen relativ einfach umzusetzen – sofern man sich denn überhaupt auf Veränderungen einlassen mag. Mit einer gesunden Portion Neugierde und Offenheit kann sich die Lebensqualität deutlich steigern lassen. Am besten klickt ihr euch vorerst mal durch die Lebensmittelpyramide durch (sie folgt unten im Text). Einfach auf „Kurz Version“ klicken und mit dem Cursor über die einzelnen Lebensmittelgruppen fahren, dann erscheinen spannende Informationen, die euer Leben verändern könnten.

Für alle Läuferinnen und Läufer unter euch: Die Forschungsgruppe Dr. Feil betreibt eine Facebook-Gruppe, wo ihr euch untereinander austauschen könnt.

Ich hoffe nun, dass euch dieser Beitrag inspiriert. Wichtig ist, für euch selbst herauszufinden, was sich gut anfühlt und was ihr umsetzen möchtet. Es gibt soviele Wege wie Menschen. Ich wünsche viel Mut, Energie & Glück!

Und bei allen Feils & Co. möchte ich mich für diese wirklich lebensverändernden Empfehlungen bedanken. Ich würde ohne euch nicht dort stehen, wo ich mich heute befinde.

Herzlich,
Petra

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Möchten Sie Ihr Leben aktiver und gesünder gestalten? Krankheiten überwinden? Dann ist die Dr. Feil Strategie ideal für Sie. Diese Strategie ist ein ganzheitliches Konzept und beruht auf naturbelassenen, hochwertigen Lebensmitteln, regelmäßiger Bewegung, einem stressfreiem Lebensstil und einer ausreichenden Nährstoffversorgung.

Sie werden merken: Wenn Sie nach der Dr. Feil Strategie leben, dann:
– schützen Sie sich vor Krankheiten und können diese leichter überwinden
– sind Sie fitter im Alltag
– leistungsfähiger bei der Arbeit
– verbessern Sie Ihre Konzentrationsfähigkeit
– können Sie besser mit Stress umgehen
– haben Sie einen aktiven Fettstoffwechsel und erreichen dadurch mühelos Ihr Idealgewicht
– können Sie Ihr volles sportliches Potenzial entfalten

Die Strategie eignet sich für jeden, der gesund leben und seinen Körper optimal versorgen will. Sie werden feststellen, dass Sie sich mit unserer wohler und fitter fühlen.

Die Dr. Feil Pyramide vereint die Bausteine der Dr. Feil Strategie – Bewegung – Gelassenheit – Ernährung – Nährstoffe – in einer übersichtlichen Darstellung. Sie hilft bei der täglich Umsetzung der Strategie. Wird ein Baustein der Pyramide vernachlässigt, kommt diese aus dem Gleichgewicht. Ähnlich verhält es sich mit Ihrem Körper. Daher sollten Sie möglichst alle Lebensbausteine berücksichtigen.

Die Ernährungs-Philosophie
Die Dr. Feil Ernährung senkt Entzündungen im Körper, stärkt das Immunsystem und sorgt dafür, dass der Körper nicht übersäuert. Die Grundlage der gesunden Ernährung nach Dr. Feil sind:

– Gemüse, Beeren, Obst in Maßen, viel Gewürze, viel frische Kräuter
– Hochwertige Eiweißquellen: Tierprodukte aus artgerechter Haltung (Fleisch, Fisch, Rohmilchprodukte)
– „Fettschlaue Ernährung“: Fette und Öle, die die richtigen Fettsäuren enthalten
– Wenig Kohlenhydrate (Zucker, Getreide)
– Verzicht auf industriell verarbeitete Lebensmittel

Neben den Hauptgruppen Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett finden Sie in der Dr. Feil Pyramide auch die Rubriken „Süßungsmittel“, „Süßigkeiten“ sowie „Getränke“. Bei den Süßungsmitteln geben wir Stevia den Vorzug, bei den Süßigkeiten der dunklen Schokolade. Als Getränke empfehlen wir Wasser, Kaffee, Tee (vor allem grünen Tee). Setzen Sie sich bei Ihren Essgewohnheiten jedoch nicht zu stark unter Druck, sondern achten Sie einfach darauf, dass die Lebensmittel von der Basis der Pyramide dominieren und dass nicht zu viele Lebensmittel aus dem oberen Teil der Pyramide auf Ihren Tisch kommen.

Hochwertige Eiweißquellen
Bei Eiweißquellen unterscheiden wir zwischen pflanzlichen und tierischen Eiweißquellen. Dabei spielt besonders bei tierischen Eiweißquellen die Herkunft eine große Rolle. So enthält das Fleisch von Masttieren einen hohen Anteil an Arachidonsäure, die wiederum zu Entzündungen in unserem Körper führt. Ebenso ist das Fleisch von gemästeten Tieren stark mit Antibiotika belastet. Tiere aus Freilandhaltung dagegen entwickeln weniger Arachidonsäure und werden nicht mit Antibiotika versorgt. Achten Sie daher darauf, dass Ihr Fleisch aus artgerechter Haltung stammt. Hochwertige Eiweißquellen sind: Fleisch von Weidetieren (auch bei Pute, Huhn oder Schwein), Fisch, Eier und Milchprodukte.

Milchprodukte
Auch Milchprodukte sollten so naturbelassen wie möglich sein. Bei Milchprodukten aus dem Supermarkt gehen nämlich durch starke Verarbeitung viele wertvolle Inhaltsstoffe verloren. So zerstört die Pasteurisierung zahlreiche entzündungssenkende Enzyme und Bakterien, die die Verdauung unterstützen. Ebenso wird durch die Pasteurisierung der Milch die Eiweißstruktur verändert, und dadurch wird sie schlechter verdaulich. Noch weniger zu empfehlen sind homogenisierte Milchprodukte, da bei der Homogenisierung die Fetttröpfchen in feinste Partikel zerschlagen werden und dann für den Darm unnatürlich klein sind. Allein die Homogenisierung erhöht die Allergenität von Milch um den Faktor 20. Die beste Milch ist daher Rohmilch direkt vom Bauern. Gesäuerte Milchprodukte sind zudem besser verträglich als ungesäuerte. Achten Sie auch beim Käse auf Rohmilchprodukte.

Fettschlau
Eine „fettschlaue“ Ernährung ist reich an Omega 3-Fettsäuren und arm an Omega 6-Fettsäuren. Omega 3-Fettsäuren brauchen wir, um unsere Organe vor Schädigungen schützen, die Hormonproduktion anzukurbeln und unser Immunsystem zu kräftigen. Omega-6 Fettsäuren im Übermaß dagegen schwächen das Herz und stören die Verwertung der „guten“ Omega 3-Fettsäuren.

In der kalten Küche empfehlen wir daher Olivenöl, Speiseleinöl, Butter, Sahne und Hanfnussöl zu verwenden, zum Kochen und Braten dagegen Bio-Kokosöl, Butterschmalz und Ghee. Omega 3-Fettsäuren sind außerdem enthalten in Fisch, Fleisch von Weidetieren, Nüssen und in dunkler Schokolade mit einem Kakaogehalt über 70 %.

Gegenüber früherer Meinung ist Milchfett gesund und kann in größeren Mengen verwendet werden. Sowohl die gesättigten als auch die ungesättigten Fettsäuren aus Milchprodukten sind gut für uns. Kaufen Sie deshalb am besten Käse, Joghurt, Quark und Milch der Vollfettstufe und verwenden Sie keine Milchprodukte der Magerstufe.

Die Bewegungs-Philosophie
Die natürliche Lebensform des Menschen ist die Bewegung. Bauen Sie deshalb mehr Bewegung in Ihren Alltag ein. Fahren Sie kurze Strecken mit dem Fahrrad, nehmen Sie die Treppe anstatt dem Aufzug und nutzen Sie Ihre Freizeit aktiv für Spaziergänge, Rad- und Wandertouren und andere Bewegungsarten.
Durch Bewegung wird die Durchblutung verbessert, das Immunsystem, Ihre Muskulatur und andere Strukturen werden gekräftigt. Mit der richtigen Bewegungsform gewinnen Sie Kraft, Beweglichkeit, Ausdauer und Koordination. Sie fühlen sich fitter, überwinden Müdigkeit und Lethargie und gewinnen Lebensfreude. Regelmäßige Bewegung bringt Veränderungen für den Körper, beugt zahlreichen Zivilisationskrankheiten vor und hilft Ihnen, bestehende Beschwerden zu überwinden.

Die Gelassenheits-Philosophie
Neue Erkenntnisse der Wissenschaft zeigen, dass gute Gedanken Gene auf Genesung programmieren. Nutzen Sie die Kraft der Gedanken für sich. Denn wer sich ständig mit Negativem beschäftigt, wird auf Dauer davon runtergezogen. Positive Gedanken und Visionen hingegen bringen uns weiter. Nur was wir als positive Vision vor uns sehen, hat gute Chancen, zur Wirklichkeit zu werden. Ebenso schaden Stress sowie zu wenig Schlaf unserem Körper. Nehmen Sie sich daher täglich Zeit für sich und betrachten Sie auftretende Probleme mit etwas Distanz. Erledigen Sie immer nur eine Sache nach der anderen und gönnen Sie sich Ihre Schlafpausen.

Die Nährstoff-Philosophie
Nährstoffe erhält unser Körper in erster Linie durch das, was wir essen. Sind aber bereits Mängel, Beschwerden oder Krankheiten aufgetreten, dann reicht die Umstellung der Ernährung nicht aus, um spürbare Verbesserungen zu erreichen. Auch wenn der Körper großen Beanspruchungen ausgesetzt ist, etwa im Sport, brauchen Sie zusätzliche Nährstoffe, um Sie vor Verletzungen und Infektionen zu schützen.

Da unser Körper die Nährstoffe Vitamin D (besonders im Winter), Kieselsäure, Zink und Magnesium nur in geringem Maße selbst produzieren oder aus Lebensmitteln aufnehmen kann, liegen diese Nährstoffe selbst bei einer ausgewogenen Ernährung häufig im Mangelbereich. Um gut versorgt zu sein, sollten Sie deshalb besonders auf diese Nährstoffe achten. Welche Nährstoffe Sie sonst benötigen, ist individuell und abhängig davon, welches Ziel Sie mit der Nährstoffaufnahme verfolgen.

 

 

Interview mit Laura Koch von GORILLA

Interview: Petra Müller, Geschäftsleitung FOOD MOVEMENT

Seit Herbst 2016 gehört GORILLA zu den ideellen Unterstützern von FOOD MOVEMENT. Die Idee dahinter ist, dass die Jugendlichen, die aus dem GORILLA-Alter herauswachsen, mit FOOD MOVEMENT einen Ort finden, wo sie weiterhin Inspiration zu Ernährung, Bewegung und Entspannung finden können.

Der Zufall will es, dass die Ernährungsberaterin Laura Koch nicht nur beim Institut für integrative Naturheilkunde NHK (ebenfalls idelle Unterstützerin), sondern auch für GORILLA tätig ist. Laura mag deshalb der einen oder dem anderen dank ihrem Patientenbericht über Osteoporose bekannt vorkommen. Weiterlesen

Susanna: Hashimoto

Text & Foto: Susanna Bingemer, eat sleep green

Wie ich meinem Stoffwechsel Beine mache…

Vor mehr als 25 Jahren wurde bei mir Hashimoto diagnostiziert, eine Erkrankung der Schilddrüse, die die Funktion des Stoffwechsels stark beeinträchtigt.

Bei mir hat sie inzwischen dieses Organ ganz stillgelegt. Ich hatte Glück, dass ich damals an einen Arzt geraten bin, der schon auf Schilddrüsenkrankheiten spezialisiert war und relativ schnell die richtige Diagnose stellte. Ich weiß, dass das nicht üblich ist, Hashimoto ist erst seit einiger Zeit ins Bewusstsein der Ärzte gerückt – auch, weil die Zahl der Erkrankten inzwischen stark zugenommen hat. Weiterlesen