Eine chronische Krankheit ist wie ein Teilzeitjob

Text: Petra Müller, Geschäftsleitung FOOD MOVEMENT
Foto: Katharina Lütscher, Zürich

Es freut mich sehr, dass unsere Partnerin, die EGK Gesundheitskasse, in ihrem Hausmagazin Vivere ein Portrait über mich und meine Kranken- bzw. Gesundungsgeschichte veröffentlicht hat. An einem kalten Tag anfangs Februar habe ich mich mit Tina Widmer getroffen, die mich interviewt hat. Ich bin sehr glücklich über die Geschichte, die sie über mich geschrieben hat.

Hier könnt ihr sie lesen.

Ganz herzlichen Dank, liebe Tina!

HEALTHY FRIDAY // FOOD: Quinoa Curry


Rezept & Foto: Fiorina Springhetti, mamalltag

Quinoa Curry

Zutaten für 1 Person
100 g Süsskartoffeln in kleine Würfel geschnitten
100 g Kichererbsen aus dem Glas / aus der Dose
80 g Quinoa (ich habe rotes Quinoa verwendet, Tricolore passt natürlich auch)
1 TL Tomatenmark
1 dl Kokosmilch
80 g frischen Blattspinat (zur Not dient auch tiefgekühlter Blattspinat, auftauen und abtropfen vor Gebrauch)
1 TL Currypulver
1/2 TL Kurkuma
1/2 TL gemahlener Ingwer
1/2 TL gemahlener Koriander
1 Knoblauchzehe, gehackt
1 kleine Zwiebel, gehackt
Himalayasalz und Pfeffer

Zubereitung
Das Quinoa in eine weite Pfanne geben (am besten klappt dieses Gericht in einer weiten Bratpfanne), eine Messerspitze Himalayasalz beifügen und 2 dl Wasser dazugeben. Das Quinoa sollte gut bedeckt sein und nun für 30 Minuten auf mittlerer Stufe köcheln.

Nach 10 Minuten die in kleine Würfel geschnittenen Süsskartoffeln, die Kichererbsen, die gehackte Zwiebel und den gehackten Knoblauch hinzugeben und die Pfanne mit dem Deckel abdecken. Falls nötig, etwas Wasser hinzugeben, es sollte nie komplett verdampfen während des Kochvorgangs.

Wenn noch 5 Minuten der gesamten Kochzeit (30 Minuten) übrig bleiben, das Tomatenmark, die Kokosmilch, das Currypulver, den gemahlenen Kurkuma, den gemahlenen Ingwer und den gemahlenen Koriander beigeben, gut vermengen und auf kleinster Stufe für 5 Minuten köcheln lassen.

Ganz zum Schluss den frischen Spinat unterrühren, alles mit Himalayasalz und Pfeffer nach Gusto abschmecken und servieren.

Voilà – ein einfaches aber satt machendes Quinoa Curry, das im Handumdrehen gelingt.

Neue ideelle Unterstützung durch Dr. med. Tamborrini-Schuetz

Text: Petra Müller, Geschäftsleitung FOOD MOVEMENT

Wir freuen uns sehr über die neue, wertvolle ideelle Unterstützung durch den Rheumatologen Dr. med. Giorgio Tamborrini-Schuetz. Wir haben bereits vor einiger Zeit ein Interview mit Dr. Tamborrini gezeigt. Er ist wie wir davon überzeugt, dass Erkrankungen durch eine kluge Ernährung gelindert werden können.

Dr. Tamborrini ist Rheumatologe und Experte für Ultraschall sowie Dozent an der Medizinischen Fakultät des Universitätsspitals Zürich und Mitglied verschiedener Kommissionen und Verbände.

Wir haben das Glück, Dr. Tamborrini persönlich zu kennen. Wir schätzen ihn nicht nur als Fachperson, sondern auch als Menschen.

Herzlich willkommen, lieber Herr Tamborrini!

Auf unserem Radar #6: Eine App und zwei Artikel zu „gesunder“ Ernährung

Text: Petra Müller, Geschäftsleitung FOOD MOVEMENT


Eine meiner liebsten Quellen für Ernährungsthemen ist die Website nutritionfacts.org des amerikanischen Arztes Dr. Michael Greger. Dr. Greger ist ein leidenschaftlicher Arzt und Forscher, der unermüdlich und kostenfrei allen möglichen Fragen einer gesunden Ernährung auf den Grund geht. Alle Beiträge sind belegt durch zahlreiche Studien, was ihn für mich auch so glaubwürdig macht.

Parallel zu seinem Buch mit dem augenzwinkernden Titel How Not To Die hat Dr. Greger kürzlich eine App lanciert. Sie ist für Android und Apple erhältlich. Dank dieser App wird man täglich an die sogenannten „Daily Dozen“ erinnert, also an die 12 Empfehlungen, die Dr. Greger selbst täglich konsumiert oder ausführt – denn eine Portion Bewegung ist hier mit eingeschlossen.

Aus purer Neugier habe ich die App heruntergeladen, obwohl ich das Gefühl habe, dass ich mich inzwischen ziemlich ausgewogen und gesund ernähre. Denn eigentlich wollte ich bloss wissen, wie die App funktioniert. Ich bin begeistert! Denn einfacher könnte die Benutzeroberfläche nicht sein. Auf einer Liste mit den 12 täglichen Empfehlungen kann ich ankreuzen, wovon ich wieviele Portionen konsumiert habe. Da man so etwas schnell vergisst, erhält man täglich um 20 Uhr eine akustische Erinnerung. Ich kreuze seither fast täglich brav an, ob ich meine täglich empfohlenen Portionen konsumiert habe: Bohnen, Beeren, Obst, Kreuzblütengewächse, Blattgemüse, sonstiges Gemüse, Leinsamen, Nüssen, Gewürze, Vollkorn sowie Getränke und Bewegung. Zu jeder Empfehlung kann man durch einen Antipper ein paar Details abrufen.

Was durch die Benutzung dieser App bei mir passiert ist: Ich denke schon von selbst daran, ob ich heute bereits Nüsse, Vollkorn oder Früchte gegessen habe. Es geht mir auch nicht darum, dass ich dies nun pingelig genau nehmen muss. Aber es zeichnet sich ein Gesamtbild ab, bei dem ich z. B. feststelle, dass ich am ehesten vergesse, genügend Nüsse und Früchte zu essen. Ein Dutzend Empfehlungen kann man sich gerade noch so merken; ansonsten wird man dank der App daran erinnert.

Mein Fazit:
Ich kann nicht nur das Buch How Not To Die sehr empfehlen (wir werden es zu einem späteren Zeitpunkt noch vorstellen), ich kann auch diese App sehr empfehlen für alle, die versuchen möchten, sich gesünder zu ernähren. Denn wenn man täglich die 11 empfohlenen Portionen dieser Lebensmittel isst, hat Ungesundes eigentlich fast keinen Platz mehr (zumindest nicht in meinem Bauch). Die App erscheint auf deinem Smartphone übrigens automatisch auf deutsch bzw. in der Sprache deines Landes.

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Was heisst heute gesunde Ernährung?
Hierzu gibt es soviele Meinungen wie Menschen, Experten, Ärzte und Ernährungsberaterinnen.
Und dennoch gibt es einige Überschneidungen, wo sich auch Expertinnen und Experten verschiedener Ernährungsphilosophien ziemlich einig sind.

Die Amerikaner Mark Bittman und Dr. David L. Katz haben in einem (wohl fingierten) Interview kluge Antworten dazu abgegeben, was man 2018 als gesunde Ernährung bezeichnen könnte. Ein erster Artikel (übrigens in englisch) befasst sich ausführlich mit den brennendsten Fragen, und vor zwei Tagen ist ein Follow Up erschienen, wo die beiden nochmals detaillierter auf ein paar Fragen eingehen. Ich kenne diese Fragen selbst gut, denn sie werden mir oft im Anschluss an meine Vorträge gestellt:

– Wie steht es konkret mit Fleisch?
– Wieviel Käse ist ok, und wenn ja, welcher?
– Ist Reis ok? (oder muss ich jetzt immer Bohnen essen?)
– Ist Frühstücken wirklich so wichtig?
– Chia? Was ist der Hype um Chiasamen?
– Und offenbar immer wichtig: Wie steht es mit KAFFEE???

Marieluise: Sklerodermie (rheumatische Erkrankung)

Erfahrungsbericht & Foto: Marieluise Römer

Im Jahr 2013 veränderte eine Autoimmunerkrankung mein Leben: Das war damals ein harter Schlag für mich, denn ich dachte. mir passiert so was nicht, ich habe doch schon so einen gesunden Lebensstil… Heute sehe ich das ganz anders. Ich bin sehr dankbar für diese Chance, die ich bekommen habe: Ich habe jetzt mehr Gesundheit und Wohlbefinden als je zuvor und das möchte ich gerne weitergeben.

Wie alles anfing
Nun aber von Anfang an: Mein Name ist Dr. Marieluise Römer und ich bin Ernährungswissenschaftlerin und Mutter von zwei Kindern. Schon seit meiner Kindheit interessiere ich mich für gesunde Ernährung. Dabei achtete ich auf Gemüse und Obst, Frischkostmüsli, Vollkorn sowie wenig Fleisch. Natürlich waren auch jede Menge Milch, Buttermilch, Joghurt, Quark und Käse für mich wichtig.

Mir war ziemlich bald klar, dass ich das Thema gesunde Ernährung auch beruflich vertiefen möchte, denn mir lag schon immer die Prävention und Therapie von Erkrankungen durch natürliche Methoden am Herzen. So studierte und promovierte ich im Bereich Ernährungswissenschaften. Sowohl privat als auch beruflich hat das Thema gesunde Ernährung für mich immer schon einen hohen Stellenwert.

Wie ich von einer Autoimmunerkrankung überrascht wurde
Bis zum Jahr 2013 ging es mir gesundheitlich ziemlich gut. Dann merkte ich immer mehr, dass ich Probleme mit den Händen und Füßen bekam. Kalte Füße und Hände kannte ich schon seit meiner Kindheit, allerdings nicht so extrem: Immer öfter wurden Zehen und Finger weiß und kurzzeitig gefühllos, um sich dann später wieder rot und bläulich zu färben. Heute weiss ich, dass es sich um das Raynaud Syndrom handelt. Das erschreckte mich schon etwas.

Viel schlimmer waren allerdings die geschwollen Finger und Zehen, rot und entzündet, viele offene Stellen. Es tat höllisch weh bei der kleinsten Bewegung und Berührung, oft auch schon in Ruhe. Ich war total eingeschränkt bei simplem Tätigkeiten wie Gemüse schneiden oder schälen, Brot schneiden, Salat waschen, spülen, Betten beziehen, schreiben per Hand oder am PC, im Garten arbeiten, walken usw. Dies alles ging – wenn überhaupt – dann nur unter Schmerzen. Und natürlich konnte ich auch weder mit meinen Kindern spielen, noch sie in den Arm nehmen.

Sowohl fetthaltige Cremes, als auch Kortisoncremes an den Händen halfen gar nicht.
Der Hausarzt tippte dann, genau wie ich selbst, auf eine rheumatische Erkrankung und überwies mich zum Rheumatologen.

Dieser stellte dann Ende 2013 eine Kollagenose, genauer eine systemische Sklerodermie, also eine Art Bindegewebsrheuma, fest, anhand von Kapillarmikroskopie und Blutwerten. Dies trat bei mir speziell an den Händen und Füßen auf und war noch in einer sehr frühen Phase. Im weiteren Verlauf der Erkrankung werden üblicherweise diverse Organe befallen wie Lunge, Speiseröhre, Leber, Nieren, Darm, Herz, Augen usw. Diese wurden alle geprüft und waren zum Glück ohne Auffälligkeiten.

Was mich total schockte war, dass es sich hier um eine Autoimmunerkrankung handelte. Also nach allgemeiner Meinung nicht heilbar und auch nicht wirklich therapierbar. Man kann lediglich die Symptome unterdrücken, üblicherweise durch Medikamente. So verschrieb der Arzt mir auch sofort Kortison und Quensyl: Gegen die Entzündung, die Schmerzen und zur Verbesserung der Durchblutung. Aufgrund des starken Leidensdrucks nahm ich diese auch anfangs.

Allerdings war die Vorstellung, lebenslang diverse Medikamente (gegen die Entzündung und die Schmerzen) nehmen zu müssen, total abschreckend. Ich spürte sehr deutlich, dass das nicht mein Weg sein konnte. Deshalb suchte ich nach alternativen Möglichkeiten.

Wie ich zurück zu meinen „Wurzeln“ fand
Relativ schnell kam ich da wieder auf meine „Ernährungswurzeln“ zurück. Ich erinnerte mich daran, dass es bei Ernährung und Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises einen deutlichen Zusammenhang gibt. Vielleicht könnte ja die Ernährung ein Weg für mich sein? Mein Ziel war es, meine Problematik hiermit bestmöglich in den Griff zu bekommen und Medikamente – wenn überhaupt – auf ein Minimum zu beschränken.

Wie ich weg von den Medikamenten kam
Zu dem was ich schon wusste kam nochmals ein intensives Studium: Dazu habe ich viele wissenschaftliche Studien, Fachinformationen und Bücher rund um die Thematik studiert und bezogen auf meine Krankheit die entsprechenden Schlüsse daraus gezogen. Auf dieser Basis habe ich über die letzten 3 Jahre mein eigenes Programm entwickelt und ständig verbessert.
Also änderte ich meine Ernährung und Lebensweise nochmals deutlich: Mir begegneten erstmals selbst hergestellte Säfte auf Basis von Gemüse (nicht Obst!) und grüne Smoothies (grünes Blattgemüse wie Salat/Spinat mit süßem Obst im Mixer ganz fein und cremig zerkleinert). Nach einer gewissen Gewöhnungsphase begann ich meine Ernährung erst zu schätzen und dann zu lieben. Und heute könnte ich mir ein Leben ohne meinen geliebten Mixer gar nicht mehr vorstellen.

Während der Ernährungsumstellung reduzierte ich meine Medikation immer mehr. Ich merkte schon nach wenigen Wochen, wie gut mir diese Art der Ernährung tut. Ich hatte plötzlich wieder den ganzen Tag Energie (ohne Coffein), ein top Immunsystem, Schwindelgefühle und Kopfschmerzen waren verschwunden. Und ich hatte sogar mehr Genuß und Freude bei der Zubereitung und dem Verzehr meiner Nahrung! Auch meine Hauptprobleme wurden deutlich besser. Zunächst an den Füßen und danach auch an den Händen: Die Schwellungen, Entzündungen und die Schmerzen sind weg, und ich kann wieder alles tun was ich möchte und so liebe!

Wie ich auch meinen Arzt begeistern konnte
Mein Arzt ist übrigens total begeistert, was ich durch meine mittlerweile fast vegane Ernährung erreicht habe: Wie sich meine Blutwerte verbessert haben und dass keine Entzündung mehr nachweisbar ist.

„Machen Sie weiter so mit ihrer Ernährung und die Medikamente können wir jetzt komplett weglassen und es reicht, wenn Sie 1 mal pro Jahr kommen statt vierteljährlich.“ Das hat mich nochmals bestätigt auf meinem Weg, dies sogar von einem „klassischen Schulmediziner“ zu hören. Wobei ich mir heute sicher bin: Wenn mein Rheumatologe nicht zumindest offen für meine Ernährungsumstellung gewesen wäre, hätte ich ihn sicher gewechselt.

Wie meine Ernährung heute aussieht: Ich genieße täglich 2 große grüne Smoothies, viel gutes Wasser (oft mit Ingwer und Zitrone), viel Salat und Gemüse sowie gute Fette wie Kokosöl, Olivenöl, Nüsse und Saaten. Auch auf hochwertige pflanzliche Eiweißquellen wie Hülsenfruchte, Sprossen, Hanf und Chia achte ich. Sehr selten esse ich etwas fetten Fisch, wie z.B. Wildlachs. Natürlich gibt es auch mal Naschereien – ohne Zucker: köstlich und einfach selbstgemacht. Habe ich schon erwähnt, dass ich meine neue Ernährungsweise sehr liebe und nicht mehr eintauschen möchte?

Allerdings ist es nicht ganz so simpel, sondern u.a. auch sehr wichtig sicherzustellen, dass wirklich alle Mikronährstoffe, also Vitamine und Spurenelemente in ausreichender Menge und Qualität aufgenommen werden. Hier kommt mir besonders auch mein Studium sehr zugute.
Wie ich mich entspanne

Ernährung ist in meinen Augen so wichtig in der Prävention und Therapie von Erkrankungen. Doch natürlich ist Ernährung nicht alles. Auch andere Themen wie Bewegung, Entspannung oder Entgiftung habe ich in mein Konzept integriert. Für mich persönlich bedeutend ist meine Möglichkeit zum Stressabbau, zum Entspannen. Hier genieße ich wieder, dass ich alles tun kann: Nordic Walken mit unserem Hund, Yoga, Trampolin springen und im Garten arbeiten. Und natürlich köstliche gesunde Nahrung zuzubereiten, denn auch das kann so entspannend sein!
Ich bin sehr glücklich und dankbar für meinen Gewinn an Gesundheit und Wohlbefinden. Auch mein Mann und meine Kinder freuen sich riesig und genießen das meiste mit mir – was auch ihrer Gesundheit zugutekommt.

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Marieluise hilft anderen mit ähnlichen gesundheitlichen Problemen inzwischen weiter.
Hier geht es zu ihrer Website.

NEWS bei FOOD MOVEMENT: Weniger = mehr

Text: Petra Müller, Gründerin von FOOD MOVEMENT

Vor zwei Jahren haben wir den HEALTHY FRIDAY lanciert, und wir haben euch seither jeden Freitag ein Rezept oder einen Beitrag zu Bewegung oder Entspannung gezeigt. Das sind genau 100 Beiträge mit Inspirationen, Impulsen und neuen Ideen.

Ohne die vielen Menschen aus der HEALTHY FRIDAY-Community wäre dies nicht möglich gewesen, darum gilt unser grosser Dank euch allen!

Wir schaffen den HEALTHY FRIDAY jedoch nicht ab. Wir werden euch immer noch sporadisch an einem Freitag ein Rezept oder einen Beitrag zu den Kategorien MOVE oder RELAX zeigen. In Zukunft möchten wir unsere Zeit und Energie jedoch noch mehr in Interviews, Buchrezensionen und das Aufspüren von Erfahrungsberichten stecken. Das Königsziel wäre auch mehr Projekte in der analogen Welt – gerade diese benötigen jedoch sehr viel mehr Ressourcen.

Ich freue mich sehr auf diese fokussiertere Ausrichtung und hoffe, euch damit noch spannendere Inhalte zeigen zu können. Sodass ihr weiterhin Inspirationen findet, um neue Ideen auszuprobieren und euren eigenen, selbstbestimmten Weg zu gehen.

Über Wünsche und Inputs freue ich mich übrigens sehr!

Ganz herzlichen Dank für euer Interesse an FOOD MOVEMENT ♥.

HEALTHY FRIDAY // Interview mit Jeannette Ruh

Interview: Petra Müller, Gründerin von FOOD MOVEMENT

Heute erfahren wir etwas mehr über den Hintergrund und die Ernährungsgewohnheiten von Jeannette Ruh. Sie auch schon köstliche Rezepte für beispielsweise Kürbis-Schokolade Power Bites oder – jetzt wieder ganz aktuell – einen Smoothie mit Brennnesseln mit uns geteilt. Wer sich täglich von Jeannette inspirieren lassen möchte, kann ihr (wie 21’200 andere Menschen) auf Instagram folgen.

Seit wann und weshalb achtest du auf deine Ernährung?
Seit ich im 2011 am Pfeifferschen Drüsenfieder erkrankt bin und lange mit verschiedenen Entzündungen im Körper gekämpft hatte, wurde mir bewusst, dass ich meine Ernährung komplett umstellen musste. Da mir niemand ausser ich mir selber helfen konnte, startete das Projekt mit viel Gemüse, grünen Smoothies, keinem Zucker mehr, kein Gluten und einer veganen Ernährung. Mittlerweile esse ich wieder ein wenig Milchprodukte, wenn mein Körper danach verlangt. Ansonsten fehlt mir mit dieser Ernährung nichts, und ich fühle mich fitter als zuvor.

Wie hast du dich davor ernährt?
Zuvor stand viel Zucker in jeglicher Form auf dem Programm. Viel weisses Brot, Schokolade, Joghurt – Gemüse suchte man auf meinem Teller vergebens.

Welche körperlichen und/oder geistigen Veränderungen stellst du fest, seit du dich anders ernährst?
Mit der Ernährungsumstellung habe ich auch intensiv begonnen, Yoga zu machen. Deshalb ist die Veränderung auch in diesem Zusammenhang passiert. Bei mir ist es eine Kombination von beidem, was den grösseren Einfluss hat, weiss ich nicht. Körperlich fühle ich mich vitaler, Erkältungen sind nur noch sehr selten und auch die Grippe sucht mich nicht mehr heim. Durch das Yoga und die Ernährung fühle ich mich wacher, klarer und fokussierter.

Kannst du die Philosophie deiner heutigen Ernährung beschreiben?
Grundsätzlich pflanzenbasiert, mit kleinen Ausnahmen. Sagen wir mal zu 85 % vegan und glutenfrei, der Rest kann dann alles sein.

Gibt es Lebensmittel, die du ganz meidest?
Ich achte darauf, dass ich alles in Bioqualiät esse. Ansonsten kein Weizen oder weissen Zucker.

Kannst du uns deine Ernährung für einen normalen Tag in etwa beschreiben?
Ein Smoothie zum Frühstück, später einen Espresso oder zwei…
Zum Mittagessen ein Salat mit pflanzlichen Proteinzusätzen.
Mein Nachtessen ist meist warm mit viel Gemüse, Reis, Linsen-Teigwaren etc. Meist ganz einfach.
Zwischendurch esse ich dunkle Schokolade, Früchte, rohes Gemüse, Kokoswasser.

Was kochst du dir, wenn du fast keine Zeit hast?
Ich esse oft auswärts und koche auch nicht sehr regelmässig. Wenn es also mal schnell gehen muss, mache ich mir einen Salat mit Sprossen, Saisongemüse und Pilzen.

Was sind deine bevorzugten Getränke?
Wasser, Tee und Kaffee (ja, Kaffee trinke ich noch zu oft)

Gibt es Lebensmittel, die du so gerne hast, dass du sie ausnahmsweise doch isst?
Manchmal etwas Milchschokolade. Das erklärt dann auch meine Antwort zur Philosophie Frage.

Wie gehst du mit privaten Einladungen zum Essen um?
Ich kommuniziere, was ich esse und was nicht. Ansonsten bin ich auch nicht kleinlich.

Wie organisierst du dich in Sachen Ernährung in den Ferien?
In den meisten Restaurants kann man mittlerweile vegan essen. Da hatte ich noch nie Probleme. Weizenfrei geht jedoch nicht überall, da muss man dann Abstriche machen.

Welche KöchInnen, Kochbücher, Blogs oder Magazine inspirieren dich?
Ich folge verschiedenen Bloggern auf Instagram. Da das immer wieder mal ändert, kann ich hier keine Namen nennen.

Was tust du in Sachen Bewegung und Entspannung?
Yoga und viel nach draussen gehen und spazieren, joggen oder Velo fahren.

Ganz lieben Dank für dieses Interview, liebe Jeannette!

HEALTHY FRIDAY // FOOD: Königinnen-Schmarrn


Text, Rezept & Fotos: Pascale Neuens, TCM-Ernährungsberaterin, neuensausderküche

Kennst du das hier?
Falls deine Verdauung nicht die Beste ist und du dann dennoch öfters mal so isst, wie es dir nicht gut tut, dann kennst du vermutlich Situationen wie diese hier:

• du fühlst dich irgendwie wie verkatert, leicht unwohl, hast etwas Kopfschmerzen und das, obwohl du am Tag vorher gar nichts getrunken hast

• deine Nase ist öfters verstopft, es fühlt sich eventuell so an, als ob eine Verkühlung im Anmarsch wäre, bzw. hast du vielleicht das Gefühl, schon länger nicht mehr richtig gesund gewesen zu sein

• du bist schlapp und müde, obwohl du gar nicht so schlecht schläfst und kommst du einfach nicht in die Gänge

• und das Schlimmste: es ist, als ob dein Verstand in Watte gepackt wäre oder im Nebel schwimmen würde…so sehr du dich auch bemühst, du kriegst keinen klaren Gedanken zu fassen! Du bist planlos und fühlst dich hilflos, Frust über dein eigenes Unvermögen macht sich breit…

Na, kommt dir das bekannt vor?
Ich weiß, wovon ich schreibe. Ich habe meine Ernährung allgemein wirklich gut im Griff, aber der Urlaub steht bevor und da wird es immer kritisch. Die österreichischen Klassiker der Mehlspeisküche mit den Zutaten Milch, Weizen und Zucker lösen genau dieses Chaos in meinem Kopf und meinen Emotionen aus.

Und das hat einen Grund:
Diese Kombinationen bilden chinesisch gesehen Feuchtigkeit. Feuchtigkeit erstickt dein Verdauungsfeuer. Es steigen keine klaren Dämpfe mehr auf, die zu klaren Gedanken führen.

Denk einmal darüber nach: Wie oft hattest du in der Vergangenheit bereits Situationen, wo du auf die Schnelle etwas verdrückt hast, wohl wissend, dass dir das nicht wirklich Energie bringen wird?

Du musst dieses Problem mit den vernebelten Gedanken durch verschleimende Ernährung lösen, wenn du wirklich langfristig zu deiner Höchstform auflaufen willst und in deinem Leben in allen Bereichen für Klarheit sorgen möchtest.

Warum ist das so wichtig? 
Hier ist das Problem: Je schwächer dein Verdauungsfeuer, desto schlapper wirst du. Je müder du bist, desto mehr schreit dein Kopf nach Zucker. Dein Körper kennt nur das, was vorherrscht und du wirst geradezu süchtig nach Kuchen, Brot, Käse usw. Daraus bildet sich immer mehr Feuchtigkeit und diese blockiert die Energie in deinen Leitbahnen.

Im heurigen Erde-Hund-Jahr wirkt sich das speziell auf das Herz aus: Druckgefühl, Herzrasen, Herzstolpern können auftreten. Schleim kann die Herzkanäle verlegen und depressive Verstimmungen, psychosomatische Auswirkungen, geistige Verwirrungen und manische Tendenzen nach sich ziehen. Der Geist Shen wohnt chinesisch gesehen im Herzen. Wenn die Herzkanäle verlegt sind, ist dein Geist nicht mehr klar!

Die Kombination von Weizen, Zucker und Milchprodukten in täglich großen Mengen führt langfristig zu Qi (Energie) Stagnationen, Anstauungen von Schleim, blockieren das Herz und dämpfen den Geist, das verursacht Verwirrung.

Deshalb ist es für dich von entscheidender Bedeutung, ausgewogene Mahlzeiten zu dir zu nehmen, um stagnierende Energie in Bewegung zu bringen und die Feuchtigkeit und Schleim auszuscheiden. So lässt du Missmut, trübe, depressiv Stimmung, Schlappheit, Atembeschwerden, Muskelschlaffheit, Nervosität, Ärger, Zorn, Frust hinter dir und schaffst Raum für Klarheit (weit über die Ebene der Ernährung hinaus).

Hier ist die Lösung:

5 Tipps für weniger Blockaden und mehr Klarheit auf allen Ebenen:

1. Bewege dich ausreichend
Körperliche Bewegung im Sinne von Yoga, Pilates, Joggen, Wandern, Radfahren, Schwimmen, Inline-Skaten, Qi Gong stärken deine Muskeln und fördern die Qi Bewegung in den Organen und den Leitbahnen. Auch die Beweglichkeit wird verbessert und so mancher feststeckende Gedanke löst sich bei einem ausgiebigen Waldspaziergang in Luft auf…

Achte darauf, täglich mindestens 30 Minuten in Bewegung zu sein, am besten an der frischen Luft und idealerweise im Grünem.

2. Iss regelmäßig einfache und frisch gekochte Gemüsegerichte
Das mit der Regelmäßigkeit ist ja so eine Sache. Aber unser Magen funktioniert wie eine innere Uhr. Er ist am glücklichsten, wenn es fixe Essenszeiten gibt. Er mag – so langweilig es klingen mag – Gewohnheiten. Frisches, saisonales Gemüse sorgt dabei für ausreichend Ballaststoffe. Diese nähren dein Mikrobiom (Bakterienwelt im Darm) und sorgen für eine gute Verdauung.

Dir schmeckt kein Gemüse? Dann hast du es vielleicht einfach noch nicht richtig gut zubereitet, stöbere in meinen Rezepten.

3. Lass alles weg, von dem du weißt, dass es dir nicht bekommt
Wenn du weißt, dass dir gewisse Dinge einfach nicht gut tun, dann lass sie weg. Es ist egal, was du gelesen hast, wie gesund Quinoa, Chiasamen, Aroniabeeren oder was auch immer für ein Superfood es sein soll. Wenn es dir nicht gut tut, dann lass es weg. Es bringt nichts, etwas „Gesundes“ zu essen, von dem Durchfall oder Bauchschmerzen bekommst. Gesund ist, was verdaut werden kann!

Achte darauf, womit du dich am wohlsten fühlst und mach mehr davon. Was deinen Geschmack anbelangt, sei gewarnt: er ändert sich ganz von alleine in die richtige Richtung und ehe du dich versiehst, ist Zucker dir zu süß…

4. Verwende ausreichend (frische mediterrane) Kräuter
Gewürze und Kräuter haben eine wichtige Funktion in der Küche, bzw. später im Verdauungstrakt: sie unterstützen unsere Verdauung, regen diese an und fördern die Verdaulichkeit des Speisebreis. Je besser die Umwandlung/Aufspaltung, desto besser die Nährstoff-Aufnahme. Die Aromen der Kräuter trocknen Nässe (aus den Speisen), unterbinden die Entstehung von Feuchtigkeit, wirken beruhigend und entblähend und unterstützen die Ausscheidung.

Majoran, Oregano, Muskat, Kardamom, Zitrusschalen, Koriander, Thymian usw. sind z. B. elementar bei überbackenen Speisen, Pizza, Käsegerichten, Getreidebreis, Pürées, …

5. Verzichte auf (zu häufige) verschleimende Kombinationen
Süß-scharf wie z. B. Kokos-Currys, Käsefondue mit Schnaps, Mon Chéri, Rumkugeln, Tiramisu, Pina Colada, …Gebackenes, fettes Fleisch und Schweinefleisch allgemein, Milchprodukte allgemein und speziell in Kombination mit Weizen und Dinkel, Brotmahlzeiten allgemein und speziell mit Käse, Marmelade, Nutella, …

Das ist schon fast alles – mehr musst du nicht tun, um dein Leben weg von der nebulösen Feuchtigkeit hin zur Klarheit zu führen.

Darum löst es dein Problem:
Es liegt eigentlich auf der Hand: Sobald du ordentlich isst und die Ursache beseitigst, passiert es dir nicht mehr, dass dein Körper sich weiterhin vermüllt. Das wird automatisch dazu führen, dass du dich klarer und fitter fühlst. Unterstützen kannst du optimalerweise mit den richtigen Kräutern.

Und um dir zu zeigen, wie bunt und köstlich dein Leben in Klarheit sein kann, habe ich heute ein besonderes Rezept für dich:

Königinnen-Schmarrn (3 – 4 Portionen)

1 Tasse Hirse E
3 Tassen Wasser W
30 g Mandeln E
20 g Sonnenblumenkerne E
1-2 saure Äpfel H
1-2 EL Gojibeeren, ungeschwefelt
2 große Eier E
1 EL Butter oder Ghee oder Kokosöl E
1 Prise Salz W
Zimt, Vanille E
1 Prise Kardamom oder etwas Ingwer M
1 Prise Kakao F

Am Vortag die Hirse in 3 Tassen Wasser mit einer Prise Salz kochen bis das Wasser vollständig aufgesogen ist. Kaltstellen.

Über Nacht die Mandeln und Sonnenblumenkerne in Wasser einweichen.

Am darauffolgenden Tag den „Hirsekuchen“ aus dem Kühlschrank nehmen und diesen mit der Gabel in mundgroße Stücke zerpflücken. Mandeln und Kerne im Hacker zerkleinern.

In einem Teller die beiden Eier aufschlagen, Gewürze zu geben. Die Hirsestückchen mit einer Gabel im Ei wenden. Gojibeeren dazu geben.

Die Äpfel schälen oder die Schale dran lassen – das ist Geschmackssache. In Spalten oder Stückchen schneiden. Das Fett in einer Pfanne erhitzen und die Apfelstückchen anbraten. Die Hirsestücke dazugeben und braten bis das Ei fest ist und der Schmarrn Farbe annimmt.

Mit den geriebenen Nüssen anrichten und mit Zimt bestreuen.

Der Apfel kann auch zum Schluss gerieben werden und roh darüber angerichtet werden. Auch das ist Geschmackssache, bzw. ich richte mich da ein bisschen nach der äußeren Temperatur: im Winter warm, im Sommer frisch.

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Aus der Sicht der TCM:
Warum Königinnenschmarrn? Der Kaiserschmarrn war bei der Hochzeit von Elisabeth mit Franz Josef ursprünglich Sissi gewidmet: Kaiserinschmarrn. Da die Süßspeise dem Kaiser besser mundete, wurde der Name dann auf Kaiserschmarrn geändert – zumindest behauptet das so jemand auf Wikipedia…

Ich bin für Königinnenschmarrn, weil Hirse als das Getreide der Schönheit gilt.

Sie trägt zur Schönheit von Haut, Haare und Nägel bei, wirkt aufbauend, verjüngend, Nerven stärkend, entwässernd, entgiftend und entzündungshemmend.

Zu ihren Anwendungsbereichen zählen:

– Bindegewebsschwäche
– Haarausfall
– rissige Nägel
– Gefäßerkrankungen
– Gelenksbeschwerden
– Krampfadern
– Hämorrhoiden
– Verdauungsbeschwerden
– Vergesslichkeit
– Müdigkeit
– Erkältung

Im Gegensatz zu Weizen und Dinkel wirkt Hirse nicht schleimbildend, was sich vor allem auch bei Atemwegserkrankungen positiv auswirkt. Weiters soll Hirse bei jahreszeitlich bedingten Depressionen helfen, bereits im Mittelalter bezeichnete man sie als das „fröhliche Getreide“.

Für mich ist sie jedenfalls mein absoluter Favorit am Frühstückstisch!

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Und wer mag, kann sich hier zu einem gratis Online Workshop mit Pascale anmelden:
Meine 7 Geheimnisse zur erfolgreichen Ernährungsumstellung! Wie du mit wenig Zeit zu deiner Wohlfühl-Ernährung kommst, ohne zu scheitern!

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Die Ernährung nach TCM dient der Gesunderhaltung und der Harmonisierung der körpereigenen Heilungskräfte. Meine Rezepte sind kein Ersatz für eine ärztliche Diagnose und Behandlung, sie erfüllen keine medizinischen Zwecke.

Einladung zur Mitgliederversammlung 2018

Mitgliederversammlung Verein FOOD MOVEMENT

Dienstag, 8. Mai 2018
18.00 – 20.00 Uhr

im NHK Institut für integrative Naturheilkunde
2. Stock, Raum Arnika

Militärstrasse 90, 8004 Zürich

schönerweise in Anwesenheit des gesamten FOOD MOVEMENT-Vorstands:
Beatrice Savoldi, Dr. med. Django Russo und Petra Müller

Traktanden
‒ Begrüssung
‒ Jahresrückblick durch Petra Müller
‒ Verabschiedung Jahresrechnung 2017 + Budget 2018
‒ Kurze Vorstellung des NHK durch Sybille Binder, Ernährungsberaterin + Geschäftsführerin NHK
‒ Einführung in die Welt der essbaren Algen durch Madlen Witzig, Ernährungsberaterin 5-Elemente sowie TCM, Inhaberin von simply seagreens
‒ Apéro mit Algen + Gedankenaustausch

Wir halten den formellen Teil wie immer kurz und freuen uns auf die Inputs von Madlen und Sybille sowie natürlich auf den anschliessenden Gedanken-, Ideen- und Erfahrungsaustausch!

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Wer spontan Mitglied bzw. Komplizin/Komplize von FOOD MOVEMENT werden möchte, kann sich hier anmelden.

HEALTHY FRIDAY // RELAX: 1-Minuten-Meditation

Text: Petra Müller, Gründerin FOOD MOVEMENT
Foto: Katharina Lütscher

Ich hätte nie gedacht, dass dieses dünne Büchlein meine Wahrnehmung so stark verändern würde: one moment meditation von Martin Boroson. Meistens notiere ich zuvorderst in einem Buch, wann ich es gekauft habe. Bei diesem Buch hätte ich mich verschätzt – ich hatte es schon länger, als ich geschätzt hätte. Es steht: Oktober 2013.

Seit über vier Jahren praktiziere ich also bereits die 1-Minuten-Meditation. Sie ist mir ein liebgewonnenes Ritual geworden. Und sie hat mich grundlegend verändert. Sie hat mich von einem sehr ungeduldigen Menschen in einen fast schon geduldigen und oft gelassenen Menschen verwandelt. Tag für Tag, ohne dass es mir richtig bewusst war.

Habt ihr euch auch schon mal vorgestellt, zu den Menschen zu gehören, die täglich 20 oder gar 30 Minuten meditieren? Ich war so jemand. Aus Studien weiss man, dass Meditation unsere Stimmung verbessern und Anspannungen lindern kann, dass sie den Blutdruck senkt und das Immunsystem stärkt. Wer will das nicht?

Ich habe das aber nicht geschafft bisher. Ich lebe seit sieben Jahren mit wandernden Schmerzen und seit fünf Jahren mit der Diagnose rheumatoide Arthritis. Mein Linderungsprogramm ist dicht: Antientzündliche Ernährung zubereiten (= zum Teil ein Zeitfresser, da ich praktisch nicht auswärts essen kann und immer alles zuhause vorbereiten muss), verschiedene Medikamente einnehmen (seit 2016 nur noch natürliche), möglichst täglich 30 Minuten Bewegung und Entspannungsübungen. Und dann noch 20 Minuten meditieren? Auch wenn ich dafür «einfach» etwas früher aufstehen könnte – ich schaffe es nicht.

Aber eine 1-Minuten-Meditation schaffe ich, oft sogar mehrmals täglich. Und diese einminütigen Pausen machen einen himmelweiten Unterschied. Ich habe die Übungen aus dem Buch genau so erlebt, wie Boroson sie beschreibt: Oft fokussieren wir darauf, friedlich (peaceful) zu WERDEN, anstatt friedlich zu SEIN. Er sagt, das sei, als ob man einen Ball vor sich herwerfen würde, um ihn anschliessend fangen zu wollen (und uns darüber zu beklagen, dass wir den Ball nie haben).

Ich habe durch dieses Buch gelernt, Momente im Leben aufmerksam wahrzunehmen, Momente zu geniessen und zu schätzen – denn im Moment steckt ein enormes Potential. In einem Moment können wichtige Dinge geschehen, gute wie schlechte: Ein Brief trifft ein, eine Freundin ruft an, eine Lawine stürzt ins Tal, ein Problem wird gelöst, man wird geküsst.

Meine Wahrnehmung hat sich grundlegend verändert. Es gelingt mir inzwischen oft, auch schwierige Momente anzunehmen, ohne sie zu bewerten. Ich bin sogar überzeugt, dass meine Resilienz dank dieser Wahrnehmung gestärkt wurde in den letzten Jahren. Die 1-Minuten-Meditation hat mich gelehrt, in kürzester Zeit zu mir zurückzufinden. Das Schöne ist, dass ich mich immer dabei habe. Die 1-Minuten-Meditation ist für mich ein Rettungsanker, ein Reset-Knopf, ein Auftanken und Refreshen zugeich.

Das zeigt sich so bei mir: Langes Warten in der Post? Kein Ärger mehr. Falsche Schlange in der Migros erwischt? Egal. Zug verpasst? Jänu. Etwas vergessen? Kein Weltuntergang. Einen Fehler gemacht? Erst recht kein Weltuntergang. Es ist wirklich so. Früher wurde ich fast ohnmächtig, wenn mir (oder jemand anderem!) ein Patzer passiert ist, inzwischen bin ich oft unglaublich gelassen mit mir und meinen Mitmenschen. Natürlich gelingt mir das nicht ganz immer, aber das unangenehme Gefühl bei einem Fehler/etwas Vergessen/Unerwartetem hat sich drastisch verringert. Und das fühlt sich sehr angenehm an.

Wie geht das denn nun mit dieser 1-Minuten-Meditation?

Man beginnt mit einer Basis-Minute. Man suche sich einen ruhigen Ort, wo man ungestört ist. Dort setze man sich hin (auf einen Stuhl, auf ein Kissen, auf den Boden – was einem am liebsten ist). Man sitzt aufrecht, mit entspannten Beinen und setze einen Alarm auf 1 Minute. Man lege die Hände entspannt z. B. auf die Oberschenkel und schliesse die Augen. Nun konzentriere man sich auf den Atem – und macht das, bis die Minute um ist.

Wenn man dies einige Tage geübt hat, kann man die Minute um ein «Warm Up» davor ergänzen: sich strecken, gähnen, hüpfen, die Hände waschen, eine Kerze anzünden – egal (ich strecke mich oder bewundere mein Geschirr, denn ich meditiere in der Küche). Und wenn man das einige Tage geübt hat, kann ein «Cool Down» hinzugefügt werden, wenn die Minute fertig ist: mit den Zehen wackeln, aus dem Fenster schauen, sich fragen: «War das angenehm?» (ich schaue aus dem Fenster und betrachte den Garten vis-à-vis).

Und dann kann man die Atemzüge zählen, die man während 1 Minute atmet. Nachdem man ungefähr weiss, wieviele tiefe Atemzüge eine Minute dauert, kann man sich vom Alarm befreien. Und dann kann man damit beginnen, die 1-Minuten-Meditation irgendwo zu machen, nicht bloss zuhause. Im Zug, beim Anstehen auf der Post, unter der Dusche, in der Bibliothek, oder im Bett vor dem Einschlafen.

Sobald man den Alarm nicht mehr braucht und bloss Atemzüge zu zählen braucht für eine Minute, kann man sie auch in verschiedenen Notfallsituationen einsetzen. Bei Panik, Frust, Ärger, Druck, Verwirrung oder Schock. Wenn immer die Situation es zulässt, dass man nicht sofort reagieren muss, kann man eine 1-Minuten-Meditation machen. Und wenn man sie wirklich regelmässig täglich macht, einmal oder mehrmals, dann fühlt man sich sofort «zuhause» in diesem Ritual, selbst in schwierigen Situationen.

Was Boroson erklärt und ich tatsächlich erlebe: Die 1-Minuten-Meditation geht mit positiven Nebeneffekten einher. Man erlebt Glück und Mitgefühl, manchmal ziemlich unerwartet. Irgendwann fühlte ich mich mehr verbunden mit mir wildfremden Menschen, ich spüre, dass wir überhaupt alle miteinander verbunden sind (auch mit Tieren und Pflanzen und allen Lebewesen). Ich stelle fest, dass ich nicht mehr so schnell urteile und mehr Verständnis aufbringe. Die 1-Minuten-Meditation macht mich friedlicher.

Es ist auch gut möglich, dass euer Umfeld merkt, dass ihr euch verändert habt, ruhiger seid, gelassener, friedlicher, geduldiger.

Man kann diese einminütige Meditation natürlich einfach mal so ausprobieren. Ich kann die Lektüre des Büchleins jedoch sehr empfehlen. Martin Boroson schreibt schön, lustig, poetisch und eloquent, es wäre schade, sich seine Gedanken entgehen zu lassen. Das Buch ist im englischen Original, aber auch auf Deutsch erhältlich.

Hier ein paar meiner Lieblingsstellen – allerdings auf Englisch, da ich es in der englischen Ausgabe besitze:

«The Basic Minute is not just about stopping doing, it’s about stopping youing

«If you practice the Minute regularly, you might find yourself thinking more positively and liking yourself more. You might find that you are indeed getting what you want – or at least liking what you have.»

«In fact, the Basic Minute isn’t anything at all. It’s just nothing. Just one whole minute of nothing. That’s why it’s such a relief».