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Mirjam: Morbus Crohn

Interview: Petra Müller, Initiantin von FOOD MOVEMENT
Foto: Mirjam Hill

Kein Erfahrungsbericht hat mich bisher so bewegt wie derjenige von Mirjam. Nach einem über einstündigen Telefongespräch konnte ich kaum glauben, was ich da soeben für eine haarsträubende Geschichte gehört hatte. Konnte das wirklich stimmen? Kann es sein, dass jemand in der Schweiz so behandelt wird?

Mirjam und ich verblieben so, dass wir ihren Erfahrungsbericht in Form eines Interviews gestalten würden. Als der beantwortete Fragebogen dann bei mir eintraf, musste ich erneut leer schlucken. Diese Geschichte ist so ungeheuerlich, dass ich nicht wusste, ob sie wirklich wahr sein kann. Viele Tage trug ich dieses Gefühl mit mir herum und wusste nicht, wie und ob ich die „Richtigkeit“ überprüfen könnte.

Irgendwann war ich mutig und griff zum Telefonhörer. Ich erklärte Mirjam, dass ich ihre Geschichte immer noch so unglaublich finde und ehrlich gesagt einen Hauch an deren Echtheit zweifle. Mirjam reagierte wunderbar. Sie meinte, dass sie das gut verstehen könne. Unser Gespräch dauerte erneut eine Stunde. Ich äusserte auch meine Bedenken an Anthony Williams, dessen Empfehlungen sie in den Antworten erwähnt. Auch diese Zweifel konnte Mirjam sehr gut verstehen – weil sie diese Zweifel anfänglich auch hatte.

Dieser Erfahrungsbericht ist nichts für schwache Nerven. Mirjam und ich verzichten auch explizit auf „Beweisfotos“ von ihr im Spital, von denen wenige existieren – die meisten Spitalaufenthalte fanden vor der Zeit der Smartphones statt, wo man auf die Schnelle ein Foto hätte machen können. Zudem wollen wir hier auf FOOD MOVEMENT nicht „Sensationsjournalismus“ betreiben. Aber dennoch finde ich es wichtig, dass solche Geschichten ebenfalls in die Welt hinausgetragen werden.

Hier geht es zu unserem Interview.
Ganz herzlichen Dank für deine Offenheit, liebe Mirjam!

Liebe Mirjam,
Du hast – wie viele Menschen mit einer chronischen Erkrankung – eine lange Odyssee hinter dir, bis du die Diagnose Morbus Crohn erhalten hast. Wie du mir erzählt hast, hat das bereits in der Kindheit begonnen. Wie hat sich das geäussert, und was hat man dagegen unternommen und ausprobiert?

Eigentlich bin ich bereits mit Beschwerden zur Welt gekommen, wollte nichts essen und habe nur geweint. Meine Mutter rannte mit mir von Arzt zu Arzt aber keiner nahm sie ernst, es hiess nur: „Kein Kind verhungert freiwillig, sie wird schon essen, wenn sie genug Hunger hat!“ Aber ich nahm weiterhin nur ab statt zu und meine arme Mutter hatte einen riesen Stress, mich nur schon am Leben zu erhalten.

Seit ich denken kann, habe ich auf Stress mit Bauchschmerzen und Durchfall reagiert, essen fand ich Zeitverschwendung und so ass ich oft nur 1 Mandarine und 1 Schinkensandwich – pro Woche! Aber die Ärzte fanden in all den Jahren nichts.

Mit knapp 20 habe ich dann eine Kur gegen Akne mit dem Medikament Roaccutan gemacht. Nach den 3 Monaten ging es dann richtig los mit den Symptomen und erst als meine Speiseröhre so schmerzte, dass ich nicht mal mehr Wasser schlucken konnte, wurde ich erstmals zu einem Gastro-Enterologen überwiesen, der dann sah, dass die Speiseröhre voller Geschwüre war. Aber erst, als noch schlimme Gelenkschmerzen dazu kamen, wurde mein Darm gespiegelt und es war ziemlich schnell klar, dass ich Morbus Crohn habe.

Welche Beschwerden hattest du in deiner Jugend, und wann wurde dir Morbus Crohn diagnostiziert?
Ich hatte ständig Bauchkrämpfe und Durchfall, vor allem in Stresssituationen und war oft müde und lustlos. Bei der Diagnose war ich knappe 20 Jahre alt.

Was haben dir die Ärzte verschrieben und was für Empfehlungen hast du erhalten? Hat auch jemand deine Ernährung angesprochen?
Die Assistenz-Ärztin kam nach der ersten Darmspiegelung zu mir ans Bett und sagte, dass ich Morbus Crohn hätte, das sei aber überhaupt kein Grund, sich Sorgen zu machen, ich könne damit ganz normal weiterleben. Ich bräuchte einfach mein Cortison, genauso wie ein Diabetiker sein Insulin brauchen würde.

Das war erstmal eine grosse Erleichterung für mich, ich dachte tatsächlich, ich hätte einfach sowas wie einen Cortison-Mangel! Etwas später hat mir mein Gastro-Enterologe dann die ersten Ernährungsempfehlungen gegeben: Möglichst viel Fleisch wegen dem Eisen, möglichst viel Fett und Zucker damit ich wieder zunehme und Energie bekomme und ich solle mich von Gemüse, Salat und Obst fernhalten, da seien zu viele Ballaststoffe drin, das würde meinen Darm unnötig belasten, ansonsten hätte die Ernährung keinen Einfluss auf Krankheiten und ich könne essen, was ich wolle.

Ich muss dazu noch sagen, dass ich sehr schulmedizinisch geprägt aufgewachsen und selber ausgebildete Pharma-Assistentin bin. Deshalb habe ich diese Sachen nicht hinterfragt sondern mich natürlich daran gehalten. Schräg gegenüber der Apotheke, in der ich arbeitete, war eine Bäckerei und so ging ich in jeder Pause rüber und kaufte mir etwas Süsses damit ich möglichst schnell wieder zunehmen und gesund werden würde.

Der Schuss ging natürlich nach hinten los und nach wenigen Wochen landete ich im Krankenhaus und musste das erste Mal künstlich ernährt werden. Da aber auch diese Form der Ernährung vor allem aus Fetten und Zuckerarten besteht und ich das alles nicht vertrug, ging es mir immer schlechter, mein Gewicht sank weiterhin, auch das Cortison vertrug ich überhaupt nicht und ich konnte nicht aufhören, mich zu übergeben. Auch den Durchfall kriegten wir mit Medikamenten nicht in den Griff und nach weiteren 6 Wochen verabschiedete sich mein Arzt in die Ferien und fragte mich, ob ich im Spital bleiben wolle zum Sterben oder lieber nach Hause wolle, er sehe keine Hoffnung mehr für mich, da ich weder Medikamente noch die künstliche Ernährung vertrug und von monatelangem starkem Durchfall und Erbrechen völlig ausgemergelt war.

Diesen Schock musste ich erst verdauen und wollte so schnell wie möglich nach Hause. Das war an einem Freitagnachmittag und dieses Wochenende hätte ich tatsächlich beinahe nicht überlebt. Meine Mutter hielt mich mit einer Banane und Tee am Leben, bis wir am Montag eine neue Lösung gefunden hatten.

Zu einem späteren Zeitpunkt wurden auch diverse Immunsuppressiva eingesetzt, wie Imurek, Remicade und Co. Leider sprach ich darauf überhaupt nicht an. Zudem gefiel mir der Gedanke nicht, dass die gesamte, ziemlich starke Medikation auf einer blossen Vermutung aufbaute, nämlich der, dass Morbus Crohn eine Autoimmunkrankheit sei, doch dafür gibt es bis heute keinerlei Beweise, die Forschung tappt völlig im Dunkeln. Ebenso wenig Sinn machte mir, dass mein Körper sich selber angreifen sollte. Eine kleine Schnittwunde heilte von selber, warum sollte das beim Rest des Körpers anders sein? Die Antwort sollte ich erst Jahre später bekommen. Mein Schmerzmittelverbrauch war in all den Jahren sehr hoch und ich habe manchen Morphium-Entzug hinter mir.

Du hast etliche Krankenhaus-Aufenthalte hinter dir. Magst du kurz erzählen, wie oft und wofür?
Das kann ich beim besten Willen nicht mehr zählen, ich fürchte, da kommen ein paar Jahre zusammen, ich schätze so ungefähr 4 – 5 Jahre Krankenhausaufenthalte insgesamt. Ich war oft monatelang in Spitälern im In- und Ausland. Ich war bei Spezialisten von Basel über Lausanne bis St. Gallen. Mein Bruder wohnte damals in den USA und Kanada, deshalb war ich auch dort ein paar Mal hospitalisiert und hoffte auf neue Erkenntnisse, leider vergebens.

Ich hatte sehr oft sehr starke Schmerzen, war über Jahre stark untergewichtig, bis auf 24 kg abgemagert, konnte nichts essen, weil ich sofort starke Schmerzen bekam und mich übergeben musste. Die Medikamente vertrug ich nicht, ich hatte über 60 Operationen, jede einzelne mit Komplikationen und zig Folgeoperationen.

Oft standen die Ärzte kopfschüttelnd an meinem Bett und sagten, so etwas hätten sie noch nie gesehen und eigentlich könne das gar nicht sein, dass ich jetzt diese oder jene Komplikation hätte. Ich bekam z.B. von einem schlecht gesetzten ZVK (zentralen Venenkatheter für die künstliche Ernährung) eine Thrombose in der Halsvene, so dass ein Stück davon entfernt werden musste in einer NotOP, dann hatte ich einen Porth-à-cath, dessen Schlauch normalerweise vor dem Herzen sitzt. Meiner hatte sich gelöst und war durch das Herz durchgewandert. Nur zufällig hat man das entdeckt, auch hier sofortige NotOP mit staunenden Ärzten.

Einmal erwachte ich aus der Narkose und hatte aus unerklärlichen Gründen einen Pneumothorax, die Ärzte hatten wohl, ohne es zu merken, meine Lunge verletzt. Andere Male hatte ich Darmdurchbrüche, wo die Ärzte weder im Blut noch im Ultraschall etwas davon sahen und ich wurde morgens um 2.00 Uhr aus der Notaufnahme gejagt, ich solle mich nicht so anstellen, ich habe nichts und ich sei doch nur scharf aufs Morphium. Da ich vor Schmerzen schrie, fuhren wir verzweifelt in die nächste Notaufnahme, wo dann erstmal auch nichts Auffälliges gefunden wurde. Wenigstens wurde ich ernst genommen und ins CT geschickt, daraufhin wieder sofortige NotOP, da mein Darm total zerfetzt war, der ganze Bauchraum voller Stuhl und bereits entzündet.

Alles, was es nicht gab, hatte ich; ich war die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Ich hatte immer ganz tolle Blutwerte, ohne erhöhte Entzündungswerte. Deshalb nahmen viele Ärzte meine Beschwerden nicht ernst. Ein hochangesehener Professor hat mich dann irgendwann als körperlich gesund eingestuft, da meine Laborwerte immer bestens waren und meinte aufgrund meines Gewichtes, ich hätte einfach eine Magersucht.

Daraufhin wurde ich vor die Wahl gestellt: Entweder ich verlasse die Klinik sofort (ohne Infusion hätte ich keine 3 Tage in dem Zustand überlebt) oder ich stimme einer Therapie durch eine spezialisierte Psychologin für Magersüchtige zu. Was blieb mir anderes übrig, als widerwillig zuzustimmen? Also wurde ich total isoliert, niemand durfte mehr zu mir oder mich anrufen, ich musste Tagebuch führen und wurde durch diese Frau „therapiert“.

Sie machte mir gleich zu Anfang deutlich klar, dass sie schon viele Magersüchtige in meinem Zustand gesehen hätte und Keine davon hätte überlebt. Eines Tages kam sie aus einem Word-Kurs mit einem Dokument, das sie mir wortlos mit einem breiten Grinsen überreichte. Sie hatte die Geschichte des Suppenkaspers aufgeschrieben und überall statt „Suppenkasper“ meinen Namen eingesetzt. So lautete der letzte Abschnitt folgendermassen: „Am dritten Tag, o weh und ach! Wie ist die Mirjam dünn und schwach! Doch als die Suppe kam herein, Gleich fing sie wieder an zu schrei’n: Ich esse keine Suppe! Nein! Ich esse meine Suppe nicht! Nein, meine Suppe ess‘ ich nicht! Am vierten Tage endlich gar die Mirjam wie ein Fädchen war. Sie wog vielleicht ein halbes Lot – Und war am fünften Tage tot.“

Es waren Monate des Horrors! Aber ich musste ihr Spiel mitspielen, damit ich nicht aus dem Spital flog. Dort hiess es immer wieder, ich wolle nicht gesund werden, weil ich immer wissen wollte, was an Medikamenten mir gegeben wurde und auch beim Essen wollte ich mitreden. Ich wusste, dass mir Blattsalate und Gemüse sehr gut taten, aber mit einer Darmerkrankung hat man im Spital schlechte Karten auf Wunschkost. Da gibt’s einfach das, was die Ernährungsberatung und der Arzt bestimmen, Platz für Diskussionen gibt es leider meist keinen und für Gemüse und Salate schon gar nicht. Zum Glück brachte meine Mutter mir ab und zu etwas zu essen mit, was ich besser vertrug als die Schonkost im Spital!

Mir wurden immer wieder Stücke vom Darm und Abszesse im Bauchraum entfernt. Inzwischen habe ich keinen Dickdarm mehr und nur noch Teile des Dünndarms, zudem fehlen mir Rektum, Scheide, Gebärmutter und ein Eierstock. All das haben die Entzündungen, Fisteln und Verwachsungen regelrecht zerfressen. Seit über 20 Jahren habe ich deshalb ein Ileostoma (künstlicher Dünndarmausgang). Seit 2003 lebe ich nach der letzten grossen, verpfuschten OP mit einer tiefen, eiternden Wundhöhle im kleinen Becken und mehreren offenen, entzündeten Geschwüren, bei denen ich mein eigenes Fleisch und freiliegende Nervenstränge sehen konnte, so tief waren sie. Auch diese Wunden zogen mehrere OPs nach sich und reagierten langfristig auf keinerlei Medikamente oder Behandlungen. Ich musste mich damit arrangieren, was über Jahre nur mit Fentanyl ging.

Irgendwann kam der Punkt, wo auch die Schulmedizin mit deiner Krankheit überfordert war. Du hast mir erzählt, dass du dann notfallmässig in eine ganzheitlich praktizierende Klinik gehen konntest. Was geschah dann?
Ja, genau, das war, nachdem mein Arzt mich gefragt hatte, wo ich sterben möchte und ich dann nach Hause gegangen war. Damals gab es die Aeskulap-Klinik in Brunnen, in der Ärzte und Naturheilpraktiker Hand in Hand therapierten. Ich war nicht sehr begeistert, da ich damals der festen Überzeugung war, ich müsse zu einem „richtigen“ Arzt und nicht zu einem „Chrütlidokter“. Ich hatte jedoch keine Wahl und als ich dort aufs Zimmer kam und man mich fragte, was ich zum Znacht wolle, stockte mir der Atem: Die hatten nur vegane Vollwertkost mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und keinen Zucker! Also das pure Gegenteil, von dem, was mir mein Arzt damals geraten hatte.

Ich war in einem derart schlechten Zustand, dass ich dachte, diese Art der Ernährung würde mich umbringen. Ich sass stundenlang vor einer Vollkorn-Gemüsewähe und traute mich nicht, diese zu essen! Im Nachhinein muss ich sagen, dass diese Ernährungsumstellung mein Leben gerettet hat. Ab diesem Zeitpunkt war meine Faszination über Ernährung und ihren Einfluss auf die Gesundheit endgültig geweckt.

Welche persönlichen Strategien haben dir geholfen, das alles auszuhalten und nicht aufzugeben?
Phuu, das ist schwierig zu sagen. Auf jeden Fall eine grosse Portion Galgenhumor! Und ich habe gelernt, aus jeder Situation das Beste zu machen, nicht zu hadern und immer Lösungen zu finden.

Ich habe aber auch gelernt, mich auf mein Gefühl zu verlassen, auch wenn das bedeutet, mich erst mal zurückzunehmen. Im Laufe der Jahre musste ich mir viele Beschimpfungen von Ärzten und Pflegepersonal anhören, weil ich mir das Recht rausnahm, auch mal Medikamente zu hinterfragen, von denen ich aus der Vergangenheit wusste, dass sie mir entweder nicht gut taten oder nicht halfen. Als Pharma-Assistentin hatte ich zudem auch etwas Ahnung und schlug manchmal auch Alternativen vor, was gar nicht gern gesehen war.

Ich war da wirklich ein kleiner Rebell und spürte aber ziemlich genau, was gut für mich war und was nicht. Wenn die Ärzte nicht mit sich verhandeln liessen, dann konnte ich auch mal Medikamente in Vasen (sorry liebe Blumen!) und im Abfall verstecken um sie nicht nehmen zu müssen. Heute bin ich überzeugt, dass all dies dazu beigetragen hat, dass ich heute noch hier bin. Ich wurde in den 20 Jahren, in denen ich immer wieder im Spital war, selber zur Expertin und habe in der Zeit auch sehr viele Fachbücher gelesen zum Thema Darm, Ernährung und Therapien.

Es war vor allem aber eine Kopfsache. Es gab natürlich auch viele Tage, an denen ich nicht mehr leben wollte und mich die Kräfte verliessen, doch ich sagte mir immer wieder: „an Morbus Crohn stirbt man nicht, das ist keine tödliche Krankheit!“ Diese Überzeugung hat mir sicher sehr geholfen, dies Alles irgendwie zu überstehen.

Was mir sicher im Nachhinein auch geholfen hat, war die ganze Aufarbeitung. Ich habe so viel Unglaubliches und Verstörendes erlebt, dass ich es manchmal fast selber nicht fassen konnte. Also habe ich mir irgendwann bei allen Ärzten und Krankenhäusern meine Krankenakten abgeholt.

Ich musste das alles nochmals nachlesen, ob ich mir das nicht nur eingebildet hatte. Mein erster Gastroenterologe, der mich damals gefragt hatte, wo ich lieber sterben wollte, zuhause oder im Spital, überreichte mir die Unterlagen höchstpersönlich, sah mich dabei herausfordernd an und fragte: „Und? Wollen Sie mich jetzt verklagen?“ Ich war derart perplex, dass ich erstmal keine Antwort darauf wusste. Mir ging es hier nicht um Gerechtigkeit, sondern ums Verstehen, Verarbeiten und Begreifen, um schlussendlich irgendwann verzeihen zu können. Ich sah die Frage aber später dann als eine Art Schuldeingeständnis, offenbar war ihm schon bewusst, dass da etwas nicht so gut gelaufen war. Das half mir, ihm zu vergeben und meinen Seelenfrieden zu finden. Auch Ärzte machen Fehler, sie sind auch nur Menschen. Jedoch fände ich es schön, wenn sie auch dazu stehen würden.

Ein anderer Arzt hat mir im Nachhinein bestätigt, dass bei mir sehr vieles schief gelaufen war und viele Fehler passiert seien. Im gleichen Satz betonte er aber, dass das kein Arzt so vor Gericht bestätigen würde, er auch nicht. Ich fand und finde das immer noch eine sehr heftige Aussage. Ich glaube, ich hätte das Ganze um einiges einfacher verarbeiten können, wenn Ärzte zu ihren Fehlern gestanden und sich bei mir dafür entschuldigt hätten.

Ein Chirurg hat mich einmal nach einer Bauchoperation nicht richtig zugenäht, weil er dachte, ich überlebe es sowieso nicht. Es gab eine Rieseninfektion und ich hatte monatelang einen offenen Bauch deswegen. Der gleiche Chirurg hatte meine Beschwerden nie ernst genommen und mich als Morphium-Junkie abgetan. Bei einer der nächsten Operationen sagte er danach zu meiner Mutter: „Kein Wunder, hatte das Mädchen solche Schmerzen, das sah ja schrecklich aus!“ Das ist das einzige und am nächsten an einer Entschuldigung dran, was ich je von einem Arzt gehört habe.

Keiner meiner damaligen Ärzte hielt es für nötig, mir das persönlich zu sagen oder sich für Fehler zu entschuldigen. Ich brauchte viele Jahre, bis ich soweit war, ihnen allen zu vergeben und die ganzen unschönen Geschichten hinter mir zu lassen. Ich tat es meinetwegen, damit ich meinen Weg weiter gehen konnte. Wenn ich heute zurückdenke, ist da immer noch viel Unverständnis und Bedauern, aber es belastet mich nicht mehr. Als Abschluss dieses Kapitels habe ich dann irgendwann fast alle meine Krankenakten vernichtet in einem grossen Feuer im Garten. Ich war jetzt bereit, diesen ganzen Scheiss (tschuldigung!) hinter mir zu lassen.

Wie geht es dir heute?
Wie sieht deine Ernährung aus? Spielt die Ernährung eine wichtige Rolle für dein Wohlbefinden?
Es geht mir viel besser, ich war jetzt fast 5 Jahre nicht mehr im Spital, ein super Rekord für mich! Die Ernährung ist für mich heute noch immer sehr zentral. Für mich ist heute auch klar, dass wenn ich eine Darmkrankheit habe, die Linderung vor allem über die Ernährung passiert.

Ich habe vor bald 10 Jahren meine Ausbildung zur Naturheilpraktikerin TEN abgeschlossen und mir auch hier viel Wissen aneignen dürfen. Für mich das allergrösste Geschenk ist es, jetzt sozusagen auf der anderen Seite zu stehen und Menschen auf ihrem Weg zur Gesundheit begleiten zu dürfen. Ich kenne ihre Sorgen und Ängste wie kein Zweiter und weiss, was sie gerade durchmachen und kenne auch ihre Ohnmacht und Hilflosigkeit.

Im Februar 2018 bin ich auf das Wissen von Anthony William gestossen, der eine geradezu revolutionäre neue Sichtweise auf sogenannte Autoimmunerkrankungen aufzeigt. Er nennt sich „Medidal Medium“ und beschreibt in seinen Büchern sehr detailliert und völlig neu die Entstehungsweise von Krankheiten und wie man sie wieder loswird. Er räumt mit Gesundheitsmythen auf und bestätigt, dass die Theorie der Autoimmunerkrankungen so nicht stimmt. Es bleibt eine Theorie, denn Beweise konnte bisher nicht mal die Wissenschaft bringen. Die Idee ist daraus entstanden, weil Forscher damals einen Antikörper fanden, den sie nicht zuordnen konnten, also kam einer mit der Idee, dass der Körper sich wahrscheinlich selber angreife.

Diese Vermutung wurde übernommen und seit Jahrzehnten nicht hinterfragt, im Gegenteil basiert immer noch die gesamte Therapie von Autoimmunerkrankungen auf dieser einen, falschen Vermutung. Die logischere Erklärung wäre gewesen, dass dieser Antikörper zu einem Virus gehört, das damals schlicht noch nicht entdeckt worden war. Genau diesen Weg zeigt Anthony William auf und erklärt in seinen Büchern die Entwicklung dieser Viren und wie sie zu den Übeltätern von zig heutigen Krankheiten werden konnten. Er gibt vor allem Ernährungstipps, die jeder umsetzen kann und die funktionieren. Er arbeitet bereits seit über 40 Jahren mit kranken Menschen und hat in dieser Zeit vielen tausend Menschen helfen können. Er ist übrigens auch der Begründer des Selleriesaftes, der jetzt langsam überall in der Presse erwähnt wird.

Meine Ernährung ist heute genau das Gegenteil dessen, was mein Arzt mir damals geraten hat: Ich ernähre mich vorwiegend pflanzlich, fettreduziert, um die Leber zu entlasten und mit einem hohen Anteil an Rohkost und Früchten. Zudem verzichte ich auf die sogenannten „no foods“, die laut Anthony William dazu beitragen, dass Viren und Bakterien gefüttert werden, welche zu Krankheiten führen können: Mais, Soja, Rapsöl, Gluten, Milchprodukte, Fisch aus Aquakultur, Schweinefleisch, Glutamat, Aromastoffe, Eier, Rapsöl, Zitronensäure als Konservierungsmittel, Süssstoffe und Zucker.

Viele mögen jetzt denken: „Jesses, das könnte ich nie, da müsste ich auf zu viel verzichten!“ Ich jedoch verzichte lieber auf Schmerzen, Entzündungen, Geschwüre und geniesse dafür die Vielfalt meiner Ernährung. Der Gewinn an Lebensqualität durch bessere Gesundheit ist so viel mehr wert als den 7-minüten Genuss eines Stücks Pizza oder Quarktorte!

Der morgendliche Selleriesaft und der Smoothie zum Ausleiten von Schwermetallen gehören inzwischen zur Tagesordnung. Diese Art der Ernährung praktiziere ich jetzt seit bald 16 Monaten und es geht mir bedeutend besser. Mein Gewicht hat sich stabilisiert, offene Wunden, die ich seit der verpfuschten OP 2003 hatte, sind endlich am heilen, Entzündungen sind massiv zurückgegangen, ich fühle mich insgesamt nicht mehr so schlapp, meine Depressionen sind praktisch weg und ich habe das erste Mal wieder Hoffnung auf weitere Besserungen. Ich habe sicher noch einen langen Weg vor mir, aber er wird jetzt immer leichter statt schwerer wie früher.

Du hast vor ein paar Jahren eine Ausbildung zur Naturheilpraktikerin TEN absolviert. Was würdest einer Klientin/einem Klienten raten, die/der mit Morbus Crohn zu dir in die Praxis kommt?
Ich muss dazu sagen, dass ich im Lauf des letzten Jahres auch meine Praxis ziemlich umstrukturiert habe. Mein ganzes Wissen über die Schulmedizin, Naturheilkunde und Ernährung musste ich revidieren, da dies bei mir selber und vielen Patienten nicht wirklich durchschlagende, anhaltende Erfolge gebracht hat. Also habe ich mehr und mehr auch die Erkenntnisse und Empfehlungen von Anthony William in meine Praxistätigkeit einfliessen lassen und inzwischen habe ich mich ganz darauf spezialisiert. Warum nicht meinen Patienten etwas weiterempfehlen, was bei mir und so vielen anderen auch funktioniert?

Die Ernährung und Optimierung des Stoffwechsels war schon immer ein zentraler Teil meiner Therapien und das ist auch weiterhin so. Ich bringe also einem Klienten mit Morbus Crohn die Erkenntnisse von Anthony William nahe und zeige ihm die Ursachen seiner Beschwerden auf. Gemeinsam erarbeiten wir dann einen Plan, der einen sanften Einstieg ermöglicht.

Es ist nicht nötig, etwaige Medikamente abzusetzen und es ist mir wichtig, die Menschen dort abzuholen, wo sie sind. Bei vielen ist der Leidensdruck so hoch, dass sie fast alles ausprobieren würden. Trotzdem tun sich einige schwer damit, weil ihnen eben Ärzte und Ernährungsberater oft etwas anderes empfehlen, als ich es tue. Das ist für viele anfangs verständlicherweise verwirrend.

Ich erkläre Ihnen dann, dass wenn etwas nicht funktioniert, wir frei sind, etwas Neues auszuprobieren. Das ist oft auch mit Ängsten verbunden. Wir dürfen alle lernen, umzudenken und alte Denkmuster loszulassen. Wer Veränderung möchte in seinem Leben, kann nicht auf alten Pfaden weitergehen. Nur auf neuen Wegen kommen wir zu neuen Zielen. Heute freue ich mich ganz besonders, wenn ich Menschen mit einer CED begleiten darf, damit sie nicht dasselbe Schicksal erleiden müssen wie ich damals.

Man könnte jetzt meinen, ich sei aufgrund meiner vielen schlechten Erfahrungen gegen die Schulmedizin, das ist aber ganz und gar nicht so. Auch sie hat ihre Berechtigung und ihren Platz. Wo die Schulmedizin an ihre Grenzen stösst, kommt die Komplementärmedizin zum Zug. Komplementär heisst ja nicht umsonst „das Andere ergänzend“.

Hätte mir aber jemand vor 2 Jahren erzählt, was ich heute mache, ich hätte ihm schlicht den Vogel gezeigt! Wieso sollte ich mein ganzes Leben umkrempeln wegen eines Autors? Das tönt auch sehr extremistisch und wer mag das schon. Aber mal ehrlich, wenn du selber etwas findest, was deine Beschwerden massiv reduziert oder sogar ganz zum Verschwinden bringt, würdest du es dann nicht mit anderen teilen wollen? Ich schon, wobei ich jeden respektiere, der sich für einen anderen Weg entscheidet. Es tönt ja auch für mich noch immer etwas abwegig und würde ich nicht am eigenen Leib die Besserungen erfahren, ich hätte das wahrscheinlich als Scharlatanerie abgetan. Ich war tatsächlich der Überzeugung, alles Wichtige über Ernährung und Entgiftung bereits gelernt zu haben. Zum Glück lag ich falsch und liess mich eines Besseren belehren!

Was sind deine wichtigsten Erkenntnisse, wenn du dein Leben Revue passieren lässt?
Es gibt immer einen Weg, sein Ziel zu erreichen, manchmal sind aber Umwege nötig und wichtig. Sei nie zu stolz oder zu stur, etwas Neues auszuprobieren. Aufgeben ist keine Option. Familie und Freunde sind unverzichtbar! Und, zu guter Letzt: Jeder Körper hat die angeborene Fähigkeit, gesund zu werden auch deiner! Die Kunst ist, ihn dementsprechend dahingehend und mit viel Mitgefühl, Liebe und Geduld zu unterstützen, es braucht nur etwas Mut!

Hier geht es zur Website von Mirjam.

Kochbuch: ESSEN GENIESSEN GESUND BLEIBEN von Laura Koch

Text & Foto des Buchcovers: Petra Müller, Initiantin von FOOD MOVEMENT

Ernährung als Medizin

Gleich vorneweg: Das ist wohl eines der zugänglichsten Kochbücher über gesunde Ernährung, das mir in den letzten Jahren in die Finger geraten ist. Das kleine Wunder dabei: Es kommt aus der Schweiz! Darum wundert es mich auch nicht, dass mir Menschen aus meinem Bekanntenkreis begeistert von diesem Buch erzählen, die sich bisher nur am Rande um gesunde Ernährung gekümmert haben.

Dieses Kochbuch ist ein Glücksfall.
Und zwar gleich aus mehreren Gründen:

Es ist zugänglich
Wer mag, «darf» weiterhin Milchprodukte, Eier, Fisch und Fleisch essen. Wie überall kommt es auf die Qualität und die Menge an. Weit verbreitet ist nämlich die Annahme, dass gesunde Ernährung langweilig und extrem einschränkend ist. Dabei können bereits kleine Veränderungen eine grosse Wirkung haben.

Es erklärt über den Tellerrand hinaus
Wir leben seit Jahrzehnten nicht mehr artgerecht. Wer für eine artgerechte Haltung von Tieren ist, sollte auch seinen eigenen Lebensstil kritisch betrachten: Wie bewege ich mich, wie schlafe ich, aber auch: wann und was esse ich?

Der zirkadiane Rhythmus hat seit der Entstehung des Lebens auf unserer Erde einen sehr grossen Einfluss auf alle Lebewesen. Dieser Rhythmus entspricht den ungefähr 24 Stunden, die die Erde braucht, um sich einmal um die eigene Achse zu drehen. In dieser Zeit verändern sich die Licht- und Temperaturverhältnisse, und bis vor ein paar Hundert Jahren auch die Verfügbarkeit auf Nahrung.

Über Millionen von Jahren hat sich unser Organismus entwickelt, und entsprechend tickt auch unsere Verdauungs- und Regenerationsuhr immer noch nach diesen alten Mustern. Es spielt zwar eine grosse Rolle, WAS wir essen, aber genau so wichtig ist auch, WANN wir essen.  Dabei kann und soll auf die individuellen Bedürfnisse Rücksicht genommen werden. Wer sich zum Beispiel wenig bewegt und morgens oder abends keinen Hunger verspürt, kann das Frühstück respektive Abendessen auch mal weglassen. Wichtig dabei ist, dass dafür die restlichen Mahlzeiten vollwertig sind.

Kurz und bündig wird in diesem Buch erklärt, welche fünf Effekte auf die Gene und den Stoffwechsel zu berücksichtigen sind und weshalb Ess-Pausen so wertvoll für uns sind. Unter dem Strich kann gesagt werden, dass gezielte und längere Pausen zwischen den Mahlzeiten helfen können, sogenannten Zivilisationskrankheiten vorzubeugen. Unser Organismus verhält sich auch heute noch grösstenteils wie in der Steinzeit – er konnte sich längst nicht an unser modernes Leben mit permanenter Nahrungsmittelzufuhr und zumeist wenig Bewegung anpassen.

Es zeigt, dass gesunde Ernährung einfach (und lecker) ist
Gesunde Ernährung geht ganz einfach:
– genügend trinken (vorzugsweise Wasser und ungesüssten Tee)
– 2 – 3 Portionen (möglichst saisonales) Gemüse täglich
– täglich etwas Früchte und Beeren
– täglich gesunde Fette wie Nüsse, Samen, Olivenöl, Ghee, Bio-Kokosöl, Hanföl etc.
– täglich Eiweiss wie Fisch, Poulet, Eier, Schafskäse, Bohnen sowie eiweissreiche Nüsse
– täglich eine Stärkebeilage wie Amarant, Dinkel, Hafer, Hirse, Marroni oder Süsskartoffeln

Es erklärt die Wirkung von Kräutern & Gewürze
Es ist ein wenig in Vergessenheit geraten, dass Kräuter und Gewürze unsere Mahlzeiten nicht nur schmackhafter machen, sondern dass sie auch eine heilende Wirkung haben. Von Galgant über Ingwer, Muskatnuss bis Zimt erfahren wir die gesundheitsfördernde Wirkung und können unseren Blick auf die vielen aromatischen Samen, Knospen und Wurzeln positiv verändern. Auch ordinäre Küchenkräuter wie Basilikum, Oregano und Schnittlauch sollten grosszügig verwendet werden. Wusstest du, dass Rosmarin nicht nur gut für die Verdauung ist, sondern sich auch positiv auf den Herz-Kreislauf und die Durchblutung auswirkt und die Nerven beruhigen kann?

Es ist übersichtlich
Der Theorieteil beschränkt sich auf übersichtliche und gut verständliche 30 Seiten. Was folgt, sind über 150 Seiten mit Rezepten, schön bebildert, sodass man sich gar nicht entscheiden kann, ob man mit den Amarant Hafer Pancakes, dem Karotten Ingwer Aufstrich, dem Nussbraten oder mit den salzigen Muffins beginnen soll. Nicht-Vegetarier/-Veganer finden aber auch gefüllte Trutenschnitzel oder Ofenfisch mit Spargel. Ich bin mir sicher, dass jede und jeder mehrere neue Lieblingsrezepte in diesem Kochbuch finden wird, die erst noch einfach in den Alltag einzubauen sind.

Wer seine Angst vor «Ernährung als Medizin» abbauen oder sich zumindest an eine solche herantasten möchte:

Wir verlosen 3 Exemplare von ESSEN GENIESSEN GESUND BLEIBEN.

Schicke uns bis am Montag, den 20. Mai 2019 eine Mail mit deinem Namen und deiner Postadresse an welcome@food-movement.ch, und du nimmst an der Verlosung teil (beschränkt auf in der Schweiz lebende Personen).

Update 21. Mai 2019:
Die Buchverlosung wurde durchgeführt.
Die glücklichen Gewinnerinnen heissen Ramona Schürch, Nicole Huber und Ulrike Mitter – sie wurden bereits über ihr Glück informiert.
Herzlichen Dank an alle, die mitgemacht haben!


ESSEN GENIESSEN GESUND BLEIBEN ist übrigens in Zusammenarbeit mit dem NHK Institut für integrative Naturheilkunde im AT Verlag erschienen, beide gehören zu den ideellen Unterstützern von FOOD MOVEMENT.

Und zum gluschtig machen hier noch zwei Bilder aus dem Buch:

Fotografie © Veronika Studer, AT Verlag / www.at-verlag.ch

Haferburger aus Haferflocken, Leinsamen, Eiern und Gemüse
Karotten Ingwer Aufstrich aus Karotten, Sauerrahm, Walnüssen, Ingwer und Gewürzen

Neuer Partner: Hüsler Nest

Text: Petra Müller, Initiantin von FOOD MOVEMENT

Wir haben neue Unterstützung bekommen: Hüsler Nest

Ernährung, Bewegung und Entspannung sind wichtige Pfeiler für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Entspannung können wir aktiv betreiben, indem wir Methoden wie Meditation, autogenes Training anwenden oder Spaziergänge und Pausen in unseren Alltag einbauen. Absolut unabdingbar ist es jedoch, dem Körper täglich genügend Schlaf zu schenken – so, wie es seit Millionen von Jahren naturgemäss für alle Lebewesen vorgesehen ist.

Je bequemer unsere Schlafstätte ist, desto erholter erwachen wir morgens. Es freut uns sehr, dass Hüsler Nest FOOD MOVEMENT neu unterstützt. Die Schweizer Firma ist spezialisiert auf Betten, auf die man sich jeden Abend freut. Bereits 1982 hat Balthasar Hüsler wegen seiner Rückenschmerzen über das ideale Bett und die wichtige Rolle von Schlaf nachgedacht. Die Firma wird inzwischen in zweiter Generation von Adrian Hüsler geführt.

Die Partnerschaft mit Hüsler Nest hat eine persönliche Vorgeschichte. Vor gut einem Jahr musste ich mir wegen meiner in die Jahre gekommenen Matratze endlich Gedanken über ein neues Bett machen. Als erstes fragte ich in meinem Bekanntenkreis, wer mit welchen Matratzen und Betteinlagen zufrieden ist. Etliche meiner Freundinnen und Bekannten berichteten, dass sie seit Jahren glücklich seien mit ihrem Hüsler Nest.

Nach einer Recherche nach Matratzen und Lattenrosten (Naturmaterialien war die oberste Priorität) stellte ich fest, dass es gar nicht so viele Anbieter gab, deren Produkte mich überzeugten. Der relativ hohe Preis eines Hüsler Nestes schreckte mich zugegebenermassen zuerst ab, aber ich sah ein, dass ich täglich um die 8 Stunden in meinem Bett verbringe – und dass diese Stunden dann auch für erholsamen Schlaf sorgen sollten.

Also auf zum lokalen Hüsler Nest-Händler in Thun. Jasmin Rupp erklärte mir den beweglichen Lattenrost, die unterschiedlichen Matratzen sowie Auflagen. Ich durfte natürlich auf allen Varianten probeliegen – und es war um mich geschehen.

Begeistert erzählte ich zuhause von meinem Liegeerlebnis und meiner Hoffnung, nach Nächten in einem Hüsler Nest hoffentlich keine Kreuzschmerzen zu haben. Der Geschichte kurzer Sinn: Wir schlafen seit Frühling 2018 glücklich in einem Hüsler Nest, und die ersten paar Wochen war ich abends jeweils vor lauter Vorfreude auf dieses Wohlgefühl ganz aufgeregt.

Kurz nach unserer glücklichen Bettanschaffung habe ich auf der Website der Rheumaliga entdeckt, dass Hüsler Nest diese unterstützt. Interessant! Da mussten wir unser Glück doch auch versuchen. Ich setzte mich sofort an den Computer und formulierte ein Unterstützungsgesuch. Ein Mail, ein Telefongespräch und ein Treffen später stand fest: Wir passen zusammen und treten für ähnliche Werte ein. Wir freuen uns sehr über diese neue Partnerschaft, und unsere Beiträge werden schon bald um Schlaf-Themen bereichert werden.

HEALTHY FRIDAY // FOOD: Linsen-Dhal mit Basmatireis

Rezept: Stefanie Reeb, wellcuisine
Foto: Thomas Leininger


Zutaten für 2 Personen:

Für den Reis:

150 g Basmatireis
300 ml Wasser
1/3 TL Salz
1 EL Rosinen (optional)

Für das Dhal:

100 g rote Linsen
1 EL natives Kokosöl
2 TL Currypulver
1 TL Kreuzkümmelpulver
1 TL Korianderpulver
1 kleine rote Zwiebel, geschält und fein gehackt
1 Knoblauchzehe, geschält und fein gehackt
1 EL fein geschnittener frischer Ingwer
300 g Tomaten, gewürfelt
400 ml Kokosmilch
200 Wasser plus mehr nach Bedarf
abgeriebene Schale von 1 unbehandelten Zitrone
2 EL Zitronensaft
1 EL Tomatenmark
1/2 EL Ahornsirup
1 TL Salz plus mehr zum Abschmecken
50 g Blattspinat
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
frische Korianderblätter zum Servieren (optional)

Zuallererst die roten Linsen für das Dhal in eine Schüssel geben und mit kaltem Wasser übergießen und einweichen lassen, bis alle Zutaten für das Dhal zubereitet und geschnitten sind. So werden die Linsen besser verträglich. Wenn Du rechtzeitig daran denkst, ist es noch besser, wenn du die Linsen einige Stunden oder über Nacht einweichen lässt.

Den Basmatireis in einem Sieb waschen, in einen Topf mit passendem Deckel geben und Wasser, Rosinen und Salz hinzufügen. Das Ganze bei geschlossenem Deckel zum Kochen bringen. Sobald das Wasser kocht, die Hitze auf die niedrigste Temperatur einstellen und den Reis ca. 15 Minuten ziehen lassen, bis er gar ist. Die Herdplatte gegebenenfalls ganz ausschalten, damit nichts anbrennt. Den Reis bei geschlossenem Deckel
warm halten, bis das Dhal fertig ist.

Die eingeweichten Linsen in ein Sieb geben und abwaschen.

In einer großen und tiefen Pfanne oder in einem Topf Kokosöl erhitzen und Currypulver, Kreuzkümmel und Koriander kurz unter Rühren anbraten. Rote Zwiebel und Knoblauch hinzufügen und unter Rühren ca. 2 Minuten leicht anbraten. Ingwer, Tomaten und Linsen dazugeben und mit Kokosmilch und Wasser ablöschen. Zitronenschale, Zitronensaft, Tomatenmark, Ahornsirup und Salz hinzufügen und bei mittlerer Hitze und bei geschlossenem Deckel ca. 15–20 Minuten köcheln lassen, bis die Linsen weich sind. Gegebenenfalls nach und nach noch mehr Wasser hinzufügen, wenn die Konsistenz des Dhals zu trocken wird. Es sollte am Ende eine geschmeidige Konsistenz wie ein Curry haben.

Das Dhal vom Herd nehmen und den Spinat untermischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Mit Reis und frisch gehackten Korianderblättern servieren.

Zeitaufwand:
ca. 45 Minuten

Auf unserem Radar #8: MS-Patient Sven Böttcher

Text: Petra Müller, Initiantin FOOD MOVEMENT

Letzte Woche wurde ich auf Sven Böttcher aufmerksam. Er bekam 2005 die Diagnose Multiple Sklerose. Böttcher ist aber glücklicherweise ein skeptischer Mensch und Patient. In einem Mut machenden Interview (Link unten) erzählt er, wie er sich aus der schulmedizinischen Behandlung befreite und Alternativen suchte. Sein Mut wurde belohnt. Sein Körper erholte sich, und inzwischen lebt Sven Böttcher beschwerdefrei.

Hier geht es zum Filmbeitrag des SWR1: Sehr sehens- und vor allem hörenswerte 30 Minuten. Interessant und inspirierend nicht nur für Menschen mit einer chronischen Erkrankung, sondern auch für Angehörige und Gesunde.

Wichtig scheint mir vor allem: Selbstbestimmte Patienten wie Sven Böttcher machen uns gemäss Schulmedizin chronisch Kranken Mut, unseren eigenen Weg zu gehen – und uns inspirieren zu lassen.

Ergänzend geht es hier zur Website von Sven Böttcher sowie zu der von ihm egründeten Plattform Lifestyle & MS.

„Der Arzt behandelt – die Natur heilt

Lifestyle & MS versteht sich nicht als Ersatz für einen Besuch beim Neurologen Ihres Vertrauens, sondern als Ergänzung zur schulmedizinischen Therapieansicht, MS sei generell unheilbar und der MS-Verlauf primär mit chemischen Mitteln zu beeinflussen. Wir betrachten diese Ansicht als irreführend und zeigen daher detailliert auf, weshalb Änderungen des Lebensstils bei vielen MS-Spielarten verblüffend positive Verlaufsänderungen herbeiführen können. Wo Studien dies belegen, verweisen wir darauf; wo Angaben zu Studien fehlen, beziehen wir uns notgedrungen auf den gesunden Menschenverstand sowie auf Erfahrungsberichte von Therapeuten und Betroffenen.“


Neuer ideeller Partner: Der AT Verlag (+ Rabatt für Mitglieder)

Text & Foto: Petra Müller, Initiantin von FOOD MOVEMENT

Das Netzwerk von FOOD MOVEMENT erweitert sich erneut. Es freut uns sehr, den AT Verlag in den Kreis unserer ideellen Unterstützer*innen aufnehmen zu dürfen.

Vor allem den Schweizerinnen und Schweizern ist der AT Verlag mit grosser Wahrscheinlichkeit bekannt. Der Verlag wurde 1978 als Buchverlag der Aargauer Tagblatt AG gegründet – daher auch die Initialen AT. Seit 1996 ist er Teil des Medienkonzerns CH Media AG mit Sitz in Aarau in der Schweiz. Seit 2002 gibt es zusätzlich ein Verlagsbüro in München.

Das Programm des AT Verlags umfasst Themenbereiche, die wunderbar zum ganzheitlichen Ansatz von FOOD MOVEMENT passen: Kochen, Heilkunde, Naturerfahrung/Pflanzen, Gestalten mit der Natur/Werken sowie Schweiz/Wandern/Reisen.

Wir haben bereits das Buch Essbare Stadt von Maurice Maggi vorgestellt, und demnächst folgt die Buchbesprechung von „Essen, Geniessen, Gesund bleiben“ von Laura Koch – dem passenden Buch zu FOOD MOVEMENT schlechthin.

Alle, die ihre Mitgliedschaft bei FOOD MOVEMENT erneuern oder uns neu mit einer Mitgliedschaft unterstützen möchten, profitieren vom 22. Februar bis 22. März 2019 von einem Rabatt von 20 %.

Sobald die Anmeldung bei uns eintrifft, erhalten neue Mitglieder einen Code, der zum Einkauf des gesamten Sortiments auf der Website des AT-Verlages mit Rabatt berechtigt.

Am besten geht ihr schon mal stöbern!

Interview mit Antonius Conte von NaturKraftWerke

Text & Interview: Petra Müller, Geschäftsleitung FOOD MOVEMENT
Foto: Camille Pivac


Irgendwann letztes Jahr habe ich aus Neugier mit Antonius Conte Kontakt aufgenommen. Ich kannte die Produkte seiner Firma NaturKraftWerke schon lange, zu der Zeit war ich grad wild auf seinen Löwenzahnwurzel- und Chicorée Kaffee. Durch meine Tätigkeiten mit FOOD MOVEMENT und Freakfood wollte ich den Mann hinter dieser Firma und dem leckeren Kaffee endlich mal kennenlernen.

Schon nach wenigen Minuten unseeres Telefongespräches merkte ich: Das wird spannend. Antonius ist ein alter Hase, was spezielle, biologische Nahrungsmittel und den Handel mit Lebensmitteln angeht. Er machte schon „Superfoods“, als es den Begriff noch gar nicht gab. Schon 1979 hat er sich ohne tierische Produkte ernährt – ziemlich ungewöhnlich!

Aber ich möchte hier lieber Antonius das Wort übergeben. Klar ist, dass wir sicher weiterhin in Kontakt bleiben werden, und das nicht bloss, weil er FOOD MOVEMENT mit seiner Firma als Mitglied unterstützt.

Und jetzt wünschen wir viel Vergnügen und – wer weiss, vielleicht sogar neue Einsichten – mit diesem spannenden Interview.

Lieber Antonius, vor vielen Jahren hast du eine Ausbildung zum Heilpraktiker absolviert. Was hat dich damals dazu bewogen, diesen Weg einzuschlagen?
1979 beschloss ich von heute auf morgen, keine tierischen Produkte mehr zu konsumieren. Ich war damals von Zen Buddhismus fasziniert und wollte spirituell vorwärtskommen. Dabei entdeckte ich ganz nebenbei die medizinische Kraft der Lebensmittel. Wobei ich ja nicht körperlich krank, sondern von kulturellen Motiven bewegt war. Aber ich hatte seit Jahren Angst, Existenzangst, Platzangst, Panik, anfallsartig und chronisch. Kurz nach der Ernährungsumstellung war dieser ganze Spuk weg. 1982 landete ich nach einem Trip über Amerika in Berlin und blieb dort 15 Jahre. Am Ende dieser Zeit, nach viel Trial and Error, Irrungen und Wirrungen, machte ich da den deutschen Heilpraktiker. Für mich war es eine Antwort auf das ermüdende Grossstadtleben und eine Rückbesinnung auf die anfänglichen Erfahrungen mit Ernährung.

Was hat sich seit deiner Ausbildung in Sachen Ernährung verändert, und wo stehst du in Sachen Ernährung, Gesundheit und Wohlbefinden heute?
Ich fahre einen kontroversen und paradoxen Kurs. Nach über 25 Jahren veganer und vegetarischer Ernährung bin ich heute genussorientierter und kreativer Flexitarier mit reduziertem Anteil tierischer Produkte und wenig bis null Zucker. Manchmal esse ich tagelang vegan. Aber ich probiere gerne alles Mögliche aus. Essen ist auch Kulturgeschichte und das fasziniert mich.

Ich habe Phasen und Epochen, wo etwas in den Vordergrund kommt und dann wieder verschwindet. Es ist wie eine Entdeckungsreise, unterhaltsam und unbeschwert mit wundersamen Offenbarungen, aber auch Ernüchterungen und Enttäuschungen. Orientiert bin ich durch Instinkt in Kombination mit Wissen und Vorlieben. Wenn ich in einen grossen Laden gehe, weiss ich gleich, was ich will und was nicht. Manchmal werde ich auch zu etwas verführt und mache eine Dummheit. Wichtig ist mir, mich frei zu fühlen, ohne Diktat einer Ernährungslehre oder eines Glaubens über Richtig und Falsch oder dass am Ende als Lohn Gesundheit, gar Erlösung und ewiges Leben winkt.

Meine Ausbildung hat in erster Linie das Staunen vergrössert über unser Leben. Und es waren vor allem die Naturwissenschaften und die Medizingeschichte, die mich inspirierten. Ich bin dadurch von Schwurbel und Leichtgläubigkeit freigekommen, denen man leider in naturheilkundlich orientierten Szenen oft begegnet. Essenziell ist für mich, mich von etwas Lebendigem zu ernähren. Zum Beispiel kann ein tierisches Produkt sehr lebendig sein und ein veganes Produkt sehr tot. Ich vermeide starre oder religionsartige Konzepte und ich vermeide schluckfertige Nahrung.

Kennst du Menschen, bei denen dank spezifischer Ernährung eine Linderung erreicht werden konnte?
Ich habe 10 Jahre als Heilpraktiker praktiziert. Mein Ziel war immer, nach einer symptomorientierten Behandlung, die den Krankheitsdruck abmildern sollte, mit Ernährung an die Basis zu kommen. Das ist zu etwa 50 % gelungen, d. h. viele Klienten konnten ihre Gesundheit neu aufbauen und erhalten. Aber zu 50 % hat es nicht geklappt. Ernährung ist intimer als Sex. Da lassen sich viele einfach nicht ein. Und Gewohnheiten zu ändern oder Süchte zu überwinden ist die eigentliche Krux. Wenn man das schafft, muss man auch nicht zum Arzt, auch nicht zum Heilpraktiker. Souveränität und volle Selbstverantwortung ist das Ziel und ich glaube der wichtigste Teil unserer Gesundheit. Gesundheit ist nicht konsumierbar, sie setzt Kreativität voraus.

Gibt es deiner Ansicht nach spezifische Ernährungs-„Regeln“, die du als besonders wichtig und/oder wirksam empfindest?
Abwechslung, Vielfalt, Bio, frisch, jahreszeitengerecht, selbergemacht, keine Massen- und Convenienceprodukte, nicht knabbern/snacken, nicht zu viel essen, langsam essen, geniessen, auf die Verdauung achten und alles, was nicht funktioniert, weglassen.

Für mich gibt es 5 Punkte: Durchblutung/Gefässe, Knochen/ Bewegungsapparat, Entzündungen, Stimmung/Psyche, Gedächtnis. Wenn da etwas nicht stimmt, sollte man aktiv werden. Diese Regelkreise erreicht man alle mit Ernährung. Natürlich gibt es noch viel mehr, aber diese 5 Themen erscheinen mir als wirkmächtig, fast alles andere folgt daraus. Ich würde übrigens ni,e jemandem sagen mach das oder dies. Gesundheit hat auch etwas mit Bildung und – wie gesagt – Kreativität zu tun. Man muss selber Bücher lesen, aber nicht nur oberflächliche Ratgeberliteratur, mit denen viele Verlage einen Haufen Geld verdienen, sondern möglichst Originalliteratur. Man muss sich in einer gewissen Tiefe auseinandersetzen und dadurch selber Herr der Lage sein. Es ist wichtig, sich kontrovers zu informieren und den Stoff selber zu sortieren und eine eigene Kompetenz aufzubauen. Nicht einfach etwas glauben!

Was auch unterschätzt wird: Hypochondrie ist eine dauernde Selbsthypnose. Lieber dem Körper vertrauen! Nicht ständig über Gesundheit nachdenken. Gesundheit ist wie Geld, gib es aus und es kommt zurück. Gesundheit sollte nicht gespart, sondern für etwas eingesetzt werden.

Hast du persönlich positive Erfahrungen mit einer bestimmten Ernährungsweise gemacht?
Mit Makrobiotik habe ich sehr befreiende Erfahrungen gemacht, wegen der Reduziertheit, obwohl das System paternalistisch und kulturell überheblich ist. Ayurveda mag ich auch. In der traditionellen italienischen Küche sind ebenso viele Schätze versteckt. Damit meine ich nicht die weltweite Ultradominanz von Pizza und Pasta. Aber über Parmesan könnte man sich schon mal Gedanken machen oder über die italienische Gemüseküche oder die herrlichen Kräuter wie Thymian, Oregano, Basilikum, Salbei, Rosmarin, die in vielen Gerichten vorkommen. Ich habe vor ein paar Jahren die Weltküche (www.weltkueche.bio) gegründet. Die Idee dahinter ist, die genialen und bewährten Praktiken verschiedener Landes- und Volksküchen wertschätzend zu kombinieren. Die Weltküche ist eine charmante Opposition gegen Kampf und Krieg der Kulturen, Religionen, Ideologien. Ich lebe von der Idee, dass sich eines Tages alle Menschen und alle Lebensarten auf gleicher Augenhöhe begegnen und viele Menschen öfters mal was zusammen kochen.

Welche sonstigen Faktoren, abgesehen von der Ernährung, erachtest du als wichtig für Gesundheit und Wohlbefinden?
Herausfinden, was man wirklich will und es tun.

Du hast bereits 1996 die Firma NaturKraftWerke gegründet. Was war damals deine Vision, und wie sieht sie heute aus?
Durch das Do-it-your-self Prinzip für Haus und Bau, das Mitte der 70iger Jahre aufkam, schwebte mir schon lange eine Art Do-it-your-self -Konzept für die Gesundheit und Körperpflege, eine moderne Art von Hausapotheke, vor. Ein Sortiment an Basisprodukten, mit denen man effektiv Einfluss nehmen kann auf das Wohlbefinden. Unser erster Claim war etwas mit «Volksgesundheit» und «Ethnomedizin». Ich wollte einen Bausatz kreieren mit hilfreichen Mitteln aus aller Welt. Da bekam ich aber schnell Ärger mit den Behörden. Alternative Pharmazie hat mich lange fasziniert, aber es wurde mir rechtlich zu kompliziert und ich wollte nicht subversiv arbeiten. Ich ruderte zurück auf Lebensmittel. Lebensmittel haben ein pharmazeutisches Potenzial. Man darf bei uns nur keine Werbung darüber machen.

Was möchtest du FOOD MOVEMENT auf den Weg mitgeben?
Unsere Geschichte nicht vergessen: Christen ermordeten mehr Christen als seinerzeit die Römer oder später die Osmanen. Das Bedürfnis zu einer überlegenen Elite zu gehören, kann man am Calvinismus ablesen. Es macht mich traurig und enttäuscht, dass viele Menschen immer noch so konditioniert sind und meinen, dass sie etwas Besseres sind, wenn sie sich in ein vielversprechendes Regelkonzept einordnen. Das ist wohl eine Art negatives mentales Erbe. Bei Calvin war es vorbestimmt, ob man zu den Erwählten oder den Verworfenen gehört. Dementsprechend haben sich viele Menschen verhalten und erzeugten die entsprechenden äusserlichen Anzeichen, dazu gehörte Reichtum und Wohlstand. Nach dem Soziologen Max Weber soll das eine der wesentlichen Grundlagen des Kapitalismus und des Gewinnstrebens sein. Wenn Leute heutzutage predigen und glauben, dass Rohkost, Paläo, Keto, Veganismus oder weiss was das einzig Wahre ist, kommen mir die Glaubenskonflikte der Vergangenheit in den Sinn. Der Toleranzerlass, bzw. die Religionsfreiheit wurde zuerst in England realisiert, weil sich dort die evangelikalen Sekten dauernd die Köpfe einschlugen. Bei der Weltküche laden wir bewusst alle Ernährungsstile ein und stiften Pluralismus und Toleranz.

Verrätst du uns noch dein Lieblingsessen?
Das ist jetzt sentimental und keine Gesundheitsempfehlung, obwohl dieses Essen in gewisser Weise psychoaktiv ist und damit Wohlbefinden erzeugen kann. Ich hatte eine italienische Grossmutter, meine geliebte Nonna. Momentan ist mein Lieblingsessen eine klassische, gut gemachte Bolognese mit Spaghetti.

Ganz herzlichen Dank für dieses Interview, lieber Antonius!




HEALTHY FRIDAY // FOOD: Weihnächtliches Sauerteigbrot mit Nüssen & Trockenfrüchten

Text, Rezept & Fotos: Madlen Witzig, cook & more

Obwohl ich in der TCM-Ernährungsberatung den meisten KlientInnen von zuviel Brot eher abrate, geht zwischendurch doch nichts über ein leckeres Stück selbst gebackenes Brot. Und wenn möglich natürlich mit einem Sauerteig – ja, ich geb’s zu, beim Bäcker ein Brot zu holen geht schneller – aber zwischendurch den (kleinen) Aufwand auf sich zu nehmen und ein Brot selbst zu backen lohnt sich auf jeden Fall!

Warum Sauerteig?
Die im Mehl enthaltenen Vitalstoffe lassen sich mit einer Sauerteigkultur, d. h. mit hauseigenen Hefe- und Milchsäurebakterien, am besten verwerten. Vor allem in der Schale des Getreidekorns sind zahlreiche Mineralien wie Eisen, Magnesium und Phosphor an Phytinsäure gebunden. Durch die Aktivierung des Enzyms Phytase wird die Phytinsäure für uns aufgespalten und macht die wichtigen Nährstoffe für uns besser verfügbar.

Auch sind Sauerteigbrote viel länger haltbar, da die Milchsäurebakterien die Bildung von Schimmelpilzen verlangsamen. Nebst Milchsäure wird bei einer Sauerteigführung auch Essigsäure gebildet. Damit der Sauerteig nicht zu sauer wird, d. h. zuviel Essigsäure bildet, ist eine Teigführung bei ca. 24 – 28 Grad notwendig. Kühlere Gärtemperaturen lassen den Teig saurer werden, was uns häufig nicht sehr gut schmeckt.

Brot & TCM
In der TCM wird vom häufigen Genuss von Brot und Brotmahlzeiten meist abgeraten, da viele von uns sowieso viel und regelmässig Brot essen. Gemäss der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) erzeugt Brot pathogene Feuchtigkeit im Körper. Das bedeutet, Brot ist schwer zu verdauen und bleibt dadurch länger im Körper liegen, was zu Feuchtigkeit führen kann.

Wenn du dich nach dem Genuss von Brot unwohl fühlst, lass das Vollkornbrot weg und geniesse ein Stück Urdinkel- oder Ruchbrot. Oder – wie du oben schon gelesen hast – ein Stück Sauerteig-Brot, das durch die Fermentierung besser bekömmlich wird.

Wenn du Brot isst, empfehle ich dir, das frische Brot – ich weiss, es schmeckt himmlisch knusprig und fluffig – 2 bis 3 Tage liegen zu lassen, das Brot zu toasten und anstelle von Käse und Aufschnitt einen Hummus von Linsen oder (Kicher-)Erbsen dazu zu geniessen. Ich empfehle dir jedoch grundsätzlich, auf häufige und regelmässige Brotmahlzeiten (Sandwich-Lunch oder Café Complet) zu verzichten und besser eine Suppe oder einen Eintopf zuzubereiten und ein Stück Brot als Beilage zu geniessen.

Ein warmes Frühstück mit Rührei, Omelett oder Porridge anstelle von Anke-Schnitteli versteht sich von selbst;-) …. auch die schmecken zwischendurch lecker und mit einer selbstgemachen Konfitüre erst recht!

Nun aber zurück zum Brot und meinem Rezept für dich.

Zur Vorweihnachtszeit passt gut ein Sauerteigbrot mit Trockenfrüchten und Nüssen und einer Prise Zimt und Kardamom für das würzige Extra! Das Brot schmeckt herrlich zum Apéro mit etwas (Ziegen-)käse oder einem Hauch Butter. Ein Sauerteig-Brot lässt sich wie folgt zubereiten – wichtigste Zutat: Geduld!

Sauerteig-Starter
100 g Roggenmehl (frisch gemahlen)
100 g Roggenschrot (frisch gemahlen)
250 ml Wasser

Alle Zutaten zu einem Brei verrühren, in ein Konfiglas füllen und mit lose aufgelegtem Deckel bei Zimmertemperatur 3 – 5 Tage stehen lassen. Sobald sich Bläschen bilden, beginnen die guten Bakterien zu «arbeiten» und der Starter ist zur weiteren Verarbeitung bereit.

Sauerteig-Vorteig
500 g Roggenmehl (frisch gemahlen)
1 – 2 Tassen Sauerteig-Starter
ca ½ l Wasser

Die Zutaten zu einem klebrigen Brei verrühren und bei Zimmertemperatur mind. 12 Stunden gehen lassen. Dem Vorteig gleichviel «Starter» entnehmen, wie anfangs beigefügt wurde. Der Vorteig ist in einem Glas verschlossen und im Kühlschrank aufbewahrt 2-3 Wochen haltbar. Zwischendurch umrühren und mit etwas Roggenmehl «füttern». Wenn Du zuviel Vorteig hast, den Rest einfach kompostieren, auch Dein Garten freut sich!

Sauerteig-Brot
500 g Mehl (z. B. Roggen, Dinkel, Buchweizen-Mischung – frisch gemahlen)
1 – 2 TL Meersalz
ca. ¼ l Wasser
Nach Belieben: Getrocknete Datteln, Feigen, Aprikosen, Rosinen, Cranberries, Baumnüsse, Haselnüsse, Sonnenblumen- oder Kürbiskerne, je eine Prise Zimt und gemahlener Kardamom

Das Mehl, Wasser und Salz mit dem Vorteig mischen und nochmals mindestens 1 Std. bei Zimmertemperatur gehen lassen. Trockenfrüchte und Nüsse beigeben, den Teig in 3 Stücke teilen, Mehl auf die Arbeitsfläche geben und Brote formen. Nochmals ca. ½ Std gehen lassen.

Ofen auf 180 Grad vorheizen (Umluft). Brote ca. 15 Min. auf der zweituntersten Rille backen. Temperatur auf 160 Grad reduzieren und nochmals ca. 10 Min. fertig backen.

Gutes Gelingen und eine genussvolle Vorweihnachtszeit!

Sachbuch: HOW NOT TO DIE von Dr. Michael Greger

Text & Foto: Petra Müller, Initiantin von FOOD MOVEMENT

Heute möchten wir euch ein nicht ganz neues, aber sehr besonderes Buch vorstellen. Es trägt einen Titel, der augenzwinkernd zu verstehen ist: HOW NOT TO DIE (deutsch: wie nicht sterben). Der Autor, Dr. Michael Greger, ist manchen von euch vielleicht bereits bekannt durch seine Website nutritionfacts.org, wo er kurze Videos zu einzelnen Lebensmitteln oder Gesundheitsthemen veröffentlicht. Immer basierend auf Studien deckt Greger Mythen auf, erklärt Zusammenhänge, er erstellt Ranglisten gesunder oder weniger gesunder Lebensmittel und ist leidenschaftlicher Vertreter der Philosophie, dass Nahrung Medizin sein kann.

Der Untertitel von HOW TO DIE erklärt perfekt dessen Inhalt und Intention: «Entdecken Sie Nahrungsmittel, die Ihr Leben verlängern und bewiesenermassen Krankheiten vorbeugen und heilen.»

Dan Buettner, der Gründer der Blue Zones (an welchen Orten der Welt die gesündesten/ältesten Menschen leben), meint auf dem Buchumschlag: «Mit Abstand das beste Buch, dass ich je über Ernährung und Diäten gelesen habe.»

Hintergrund dieses passionierten Tuns ist wie so oft eine persönliche Erfahrung. Als Greger noch ein Kind war, erlebte er, wie die Ärzte die Hoffnung für seine 65-jährige Grossmutter aufgegeben hatten. Sie wurde nach mehreren Herzoperationen als Patientin von «Herzerkrankung im Endstadium» im Rollstuhl nach Hause geschickt, weil sie keinen weiteren Eingriff mehr machen konnten. Sie wurde aufgegeben.

Das Glück wollte es, dass die Grossmutter zuhause eine Fernsehsendung über Nathan Pritikin sah, ein Pionier der sogenannten Lifestyle Medicine. Pritikin hatte soeben ein Zentrum in Kalifornien eröffnet. Im Fokus standen eine pflanzenbasierte Diät und regelmässiges Training. Die verzweifelte Grossmutter von Greger wollte das ausprobieren. Man schob sie im Rollstuhl in das Zentrum, und wenige Wochen lief sie eigenfüssig aus dem Zentrum heraus.

Michael Greger wollte nicht Arzt werden, weil er sah, wie krank seine Grossmutter wurde, sondern weil er mitbeobachten durfte, wie sie wieder gesünder wurde.

HOW NOT TO DIE behandelt die wichtigsten Erkrankungen der westlichen Welt, und so sind auch die Kapitel aufgeteilt – immer mit dem Zusatz «überlisten» (also wie wir diese Krankheiten überlisten können):

– Herzerkrankungen
– Lungenkrankheiten
– Hirnkrankheiten
– Krebsarten des Verdauungssystems
– Infektionen, Diabetes
– Bluthochdruck
– Nierenerkrankungen
– Brustkrebs
– Suizidale Depressionen
– Prostatakrebs
– Parkinson
– Iatrogene Krankheiten (oder nicht an Ärzten sterben)

Greger schafft es, uns von den positiven Möglichkeiten einer pflanzlichen Ernährungsweise zu berichten, ohne dass er als ein Hardcore-Veganer dasteht. Obwohl er sich selbst pflanzlich, also vegan, ernährt. Er erklärt es unter anderem so: «Über Millionen Jahre hinweg war unsere Ernährung hauptsächlich vom Verzehr von Grünzeug geprägt, sprich Wildpflanzen einschliesslich dunkelgrüner Blattgemüse, also hat sich der menschliche Körper vermutlich so entwickelt, dass er Mahlzeiten mit Gemüse gleichsetzt. Wenn Gemüse in unser Verdauungssystem gelangt, wirkt dies wie ein Signal, das Immunsystem zu stärken. Wenn wir keine Pflanzen mit jeder Mahlzeit essen, arbeiten wir wahrscheinlich der Strategie unseres Körpers entgegen, die darauf abzielt, uns zu schützen.»

Für jede dieser erwähnten Krankheitsarten erfahren wir Tipps, wie wir dem Risiko mit pflanzlichen Lebensmitteln entgegenwirken können. Wir lernen viel über die Wirkung von Ballaststoffen, wie Safran bei Alzheimer helfen kann, weshalb Kurkuma bei Darmkrebs relevant sein kann, welche Lebensmittel vor hohem Blutdruck schützen (z.B. gemahlene Leinsamen), und was grünes Gemüse mit Krebs zu tun hat.

Picken wir eine dieser Krankheiten heraus: Brustkrebs. Wie können wir diesen gemäss Greger überlisten?

Hierfür hat das American Institute for Cancer Research Empfehlungen erarbeitet:
«Ernährungsweisen, die auf vollwertigen pflanzlichen Lebensmitteln basieren – Gemüse, Vollkorngetreide, Obst und Bohnen – senken das Risiko, an vielen verschiedenen Krebsarten und weiteren anderen Krankheiten zu erkranken.»

Eine Studie mit 30’000 Frauen nach der Menopause über sieben Jahre hat ergeben, dass drei Faktoren wesentlich sind, das Brustkrebsrisiko zu mindern (nämlich um 62 %): eingeschränkter Alkoholkonsum, der Verzehr von hauptsächlich pflanzlichen Lebensmitteln sowie das Beibehalten eines normalen Körpergewichts.

Wir erfahren zudem im Detail, wie Ballaststoffe, grünes Gemüse, Leinsamen, Soja und Pilze das Brustkrebsrisiko mindern können – nebst Bewegung.

In einem zweiten Teil des Buches präsentiert Michael Greger sein «Tägliches Dutzend»: Die 12 Lebensmittel, deren Verzehr er täglich empfiehlt – und weshalb:

– Bohnen
– Beeren
– Obst
– Kreuzblütlergemüse (Blumenkohl, Broccoli, Grünkohl, Brunnenkresse, Rosenkohl, Rotkohl etc.)
– Grünes Blattgemüse
– anderes Gemüse
– Leinsamen
– Nüsse und Samen
– Kräuter und Gewürze
– Vollkorn
– Getränke
– Bewegung (dies der einzige Punkt, den wir nicht essen können)

Immer wieder lesen wir kleine Exkurse: Über die gesundheitlichen Vorteile von Essig, von Pilzen, Zwiebeln und Knoblauch, aber auch ideale Zubereitungsarten und Strategien, wie man Kindern vielleicht dazu bringen kann, mehr Gemüse zu essen.

Ergänzend ist zwischenzeitlich auch ein Kochbuch von Dr. Greger erschienen. Wer seinen Konsum des täglich empfohlenen Dutzend spielerisch überprüfen mag, dem sei die kostenlose App empfohlen. Wer täglich einen Grossteil oder gar alle dieser Lebensmittel auf dem Teller hat, hat mit grosser Wahrscheinlichkeit gar keinen Platz mehr für Ungesundes.

App Dr. Greger’s Daily Dozen für Android 

App Dr. Greger’s Daily Dozen für Apple

Das Buch liest sich gut, Greger pflegt einen süffigen und auch unterhaltsamen Stil. Meines Erachtens müsste es zur Pfichtlektüre für jeden Arzt werden. Wenn in deiner Familie eine oder mehrere dieser Krankheiten die Runde macht, würde ich nicht zögern, wenigstens die dich betreffenden Kapitel im Sinne von wertvoller und Lebensqualität steigernder Gesundheitsvorsorge zu lesen.