Schlagwort: Wissen

Einladung zur Mitgliederversammlung 2018

Mitgliederversammlung Verein FOOD MOVEMENT

Dienstag, 8. Mai 2018
18.00 – 20.00 Uhr

im NHK Institut für integrative Naturheilkunde
2. Stock, Raum Arnika

Militärstrasse 90, 8004 Zürich

schönerweise in Anwesenheit des gesamten FOOD MOVEMENT-Vorstands:
Beatrice Savoldi, Dr. med. Django Russo und Petra Müller

Traktanden
‒ Begrüssung
‒ Jahresrückblick durch Petra Müller
‒ Verabschiedung Jahresrechnung 2017 + Budget 2018
‒ Kurze Vorstellung des NHK durch Sybille Binder, Ernährungsberaterin + Geschäftsführerin NHK
‒ Einführung in die Welt der essbaren Algen durch Madlen Witzig, Ernährungsberaterin 5-Elemente sowie TCM, Inhaberin von simply seagreens
‒ Apéro mit Algen + Gedankenaustausch

Wir halten den formellen Teil wie immer kurz und freuen uns auf die Inputs von Madlen und Sybille sowie natürlich auf den anschliessenden Gedanken-, Ideen- und Erfahrungsaustausch!

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Wer spontan Mitglied bzw. Komplizin/Komplize von FOOD MOVEMENT werden möchte, kann sich hier anmelden.

HEALTHY FRIDAY // RELAX: 1-Minuten-Meditation

Text: Petra Müller, Gründerin FOOD MOVEMENT
Foto: Katharina Lütscher

Ich hätte nie gedacht, dass dieses dünne Büchlein meine Wahrnehmung so stark verändern würde: one moment meditation von Martin Boroson. Meistens notiere ich zuvorderst in einem Buch, wann ich es gekauft habe. Bei diesem Buch hätte ich mich verschätzt – ich hatte es schon länger, als ich geschätzt hätte. Es steht: Oktober 2013.

Seit über vier Jahren praktiziere ich also bereits die 1-Minuten-Meditation. Sie ist mir ein liebgewonnenes Ritual geworden. Und sie hat mich grundlegend verändert. Sie hat mich von einem sehr ungeduldigen Menschen in einen fast schon geduldigen und oft gelassenen Menschen verwandelt. Tag für Tag, ohne dass es mir richtig bewusst war.

Habt ihr euch auch schon mal vorgestellt, zu den Menschen zu gehören, die täglich 20 oder gar 30 Minuten meditieren? Ich war so jemand. Aus Studien weiss man, dass Meditation unsere Stimmung verbessern und Anspannungen lindern kann, dass sie den Blutdruck senkt und das Immunsystem stärkt. Wer will das nicht?

Ich habe das aber nicht geschafft bisher. Ich lebe seit sieben Jahren mit wandernden Schmerzen und seit fünf Jahren mit der Diagnose rheumatoide Arthritis. Mein Linderungsprogramm ist dicht: Antientzündliche Ernährung zubereiten (= zum Teil ein Zeitfresser, da ich praktisch nicht auswärts essen kann und immer alles zuhause vorbereiten muss), verschiedene Medikamente einnehmen (seit 2016 nur noch natürliche), möglichst täglich 30 Minuten Bewegung und Entspannungsübungen. Und dann noch 20 Minuten meditieren? Auch wenn ich dafür «einfach» etwas früher aufstehen könnte – ich schaffe es nicht.

Aber eine 1-Minuten-Meditation schaffe ich, oft sogar mehrmals täglich. Und diese einminütigen Pausen machen einen himmelweiten Unterschied. Ich habe die Übungen aus dem Buch genau so erlebt, wie Boroson sie beschreibt: Oft fokussieren wir darauf, friedlich (peaceful) zu WERDEN, anstatt friedlich zu SEIN. Er sagt, das sei, als ob man einen Ball vor sich herwerfen würde, um ihn anschliessend fangen zu wollen (und uns darüber zu beklagen, dass wir den Ball nie haben).

Ich habe durch dieses Buch gelernt, Momente im Leben aufmerksam wahrzunehmen, Momente zu geniessen und zu schätzen – denn im Moment steckt ein enormes Potential. In einem Moment können wichtige Dinge geschehen, gute wie schlechte: Ein Brief trifft ein, eine Freundin ruft an, eine Lawine stürzt ins Tal, ein Problem wird gelöst, man wird geküsst.

Meine Wahrnehmung hat sich grundlegend verändert. Es gelingt mir inzwischen oft, auch schwierige Momente anzunehmen, ohne sie zu bewerten. Ich bin sogar überzeugt, dass meine Resilienz dank dieser Wahrnehmung gestärkt wurde in den letzten Jahren. Die 1-Minuten-Meditation hat mich gelehrt, in kürzester Zeit zu mir zurückzufinden. Das Schöne ist, dass ich mich immer dabei habe. Die 1-Minuten-Meditation ist für mich ein Rettungsanker, ein Reset-Knopf, ein Auftanken und Refreshen zugeich.

Das zeigt sich so bei mir: Langes Warten in der Post? Kein Ärger mehr. Falsche Schlange in der Migros erwischt? Egal. Zug verpasst? Jänu. Etwas vergessen? Kein Weltuntergang. Einen Fehler gemacht? Erst recht kein Weltuntergang. Es ist wirklich so. Früher wurde ich fast ohnmächtig, wenn mir (oder jemand anderem!) ein Patzer passiert ist, inzwischen bin ich oft unglaublich gelassen mit mir und meinen Mitmenschen. Natürlich gelingt mir das nicht ganz immer, aber das unangenehme Gefühl bei einem Fehler/etwas Vergessen/Unerwartetem hat sich drastisch verringert. Und das fühlt sich sehr angenehm an.

Wie geht das denn nun mit dieser 1-Minuten-Meditation?

Man beginnt mit einer Basis-Minute. Man suche sich einen ruhigen Ort, wo man ungestört ist. Dort setze man sich hin (auf einen Stuhl, auf ein Kissen, auf den Boden – was einem am liebsten ist). Man sitzt aufrecht, mit entspannten Beinen und setze einen Alarm auf 1 Minute. Man lege die Hände entspannt z. B. auf die Oberschenkel und schliesse die Augen. Nun konzentriere man sich auf den Atem – und macht das, bis die Minute um ist.

Wenn man dies einige Tage geübt hat, kann man die Minute um ein «Warm Up» davor ergänzen: sich strecken, gähnen, hüpfen, die Hände waschen, eine Kerze anzünden – egal (ich strecke mich oder bewundere mein Geschirr, denn ich meditiere in der Küche). Und wenn man das einige Tage geübt hat, kann ein «Cool Down» hinzugefügt werden, wenn die Minute fertig ist: mit den Zehen wackeln, aus dem Fenster schauen, sich fragen: «War das angenehm?» (ich schaue aus dem Fenster und betrachte den Garten vis-à-vis).

Und dann kann man die Atemzüge zählen, die man während 1 Minute atmet. Nachdem man ungefähr weiss, wieviele tiefe Atemzüge eine Minute dauert, kann man sich vom Alarm befreien. Und dann kann man damit beginnen, die 1-Minuten-Meditation irgendwo zu machen, nicht bloss zuhause. Im Zug, beim Anstehen auf der Post, unter der Dusche, in der Bibliothek, oder im Bett vor dem Einschlafen.

Sobald man den Alarm nicht mehr braucht und bloss Atemzüge zu zählen braucht für eine Minute, kann man sie auch in verschiedenen Notfallsituationen einsetzen. Bei Panik, Frust, Ärger, Druck, Verwirrung oder Schock. Wenn immer die Situation es zulässt, dass man nicht sofort reagieren muss, kann man eine 1-Minuten-Meditation machen. Und wenn man sie wirklich regelmässig täglich macht, einmal oder mehrmals, dann fühlt man sich sofort «zuhause» in diesem Ritual, selbst in schwierigen Situationen.

Was Boroson erklärt und ich tatsächlich erlebe: Die 1-Minuten-Meditation geht mit positiven Nebeneffekten einher. Man erlebt Glück und Mitgefühl, manchmal ziemlich unerwartet. Irgendwann fühlte ich mich mehr verbunden mit mir wildfremden Menschen, ich spüre, dass wir überhaupt alle miteinander verbunden sind (auch mit Tieren und Pflanzen und allen Lebewesen). Ich stelle fest, dass ich nicht mehr so schnell urteile und mehr Verständnis aufbringe. Die 1-Minuten-Meditation macht mich friedlicher.

Es ist auch gut möglich, dass euer Umfeld merkt, dass ihr euch verändert habt, ruhiger seid, gelassener, friedlicher, geduldiger.

Man kann diese einminütige Meditation natürlich einfach mal so ausprobieren. Ich kann die Lektüre des Büchleins jedoch sehr empfehlen. Martin Boroson schreibt schön, lustig, poetisch und eloquent, es wäre schade, sich seine Gedanken entgehen zu lassen. Das Buch ist im englischen Original, aber auch auf Deutsch erhältlich.

Hier ein paar meiner Lieblingsstellen – allerdings auf Englisch, da ich es in der englischen Ausgabe besitze:

«The Basic Minute is not just about stopping doing, it’s about stopping youing

«If you practice the Minute regularly, you might find yourself thinking more positively and liking yourself more. You might find that you are indeed getting what you want – or at least liking what you have.»

«In fact, the Basic Minute isn’t anything at all. It’s just nothing. Just one whole minute of nothing. That’s why it’s such a relief».

Somatische Intelligenz: Der beste Ernährungsberater bist du selbst

Text: Graziella Anouchka Bättig, Speiseplan
Foto: Marco Sieber [Fotografie]

Der beste Ernährungsberater bist du selbst
An diesem Wintereinbuchsonntag habe ich mich wieder mal hinter die neuesten Dokumentation von Arte, 3Sat und Co. zum Thema Ernährung & Gesundheit gesetzt. Viel Altbekanntes, einige neue Bestätigungen und einen Input, den ich schon lange mal auf Pixel bringen wollte. Ich bin der festen Überzeugung, dass es nur eine Expertin gibt, die Dir sagen kann, was du essen sollst und was nicht: Du selbst.

Braucht es also gar keine Ernährungsberater? Mehr denn je. Denn die somatische Intelligenz – also das eigene Körpergefühl – haben wir weitgehend verloren bzw. wird es durch industriell verarbeitete Lebensmittel seit unserer Geburt getäuscht. Wenn man es genau nimmt, konnte unsere Generation die somatische Intelligenz gar nicht wirklich entwickeln. Ausser wir sind bei Hippie- oder Körnlipickereltern aufgewachsen. Der Weg zurück zu unserem Urkörpergefühl ist ein sehr langer, intensiver und vielschichtiger.

Bei mir besteht er aus jahrelangem Yoga, Achtsamkeitsübungen und einer ausgeprägten Beobachtungsgabe. Und doch habe ich nach über 10 Jahren auf diesem Weg meinen Körper noch nicht vollständig erreicht. Irgendwie beängstigend, wenn man das so formuliert. Daran, dass praktizieren, beobachten und achtsam sein nicht reicht – daran ist unsere Lebensmittelindustrie schuld. Und nein, hier geht es nicht um Verschwörung, Antikapitalismus und Schuldabschiebung. Ich bin ein Mensch, der Verantwortung übernimmt. Vor allem für mich selbst. Ich will anhand eines Beispieles versuchen zu erklären, warum die Lebensmittelindustrie es fast verunmöglicht, dass wir an die Wurzel unserer somatischen Intelligenz kommen und so ihr immenses Potential voll ausschöpfen können.

Beispiel: Glutamat
Aromat hat in einer gesunden Ernährung nichts verloren. Das ist inzwischen weitgehend bekannt. Doch wie sieht es mit Hefeextrakt aus? Geh doch mal zu deinem Vorratsschrank und schau dir deine Produkte an – ja, auch die Bio. Gefunden? Die Chance ist sehr gross. Das ist allerdings kein Grund zur Panik. Hefeextrakt ist tatsächlich oft natürlich hergestellt. Der bedeutendste Bestandteil ist allerdings die Glutaminsäure. Es hat eine stark geschmacksverstärkende Wirkung. Soweit so gut. Geschmacksverstärkung kann man auch natürlich haben. Ist übrigens der fünfte Geschmack: Umami (es würde den Rahmen jetzt sprengen, darauf auch noch näher einzugehen.)

Was hat die Verstärkung eines Geschmackes für eine Auswirkung auf unsere somatische Intelligenz?

Es verwirrt sie. Glutaminsäure an sich hat nichts Falsches. Sie kommt in natürlichen Lebensmitteln vor. Sie ist für unseren Körper nicht essentiell, schadet ihm grundsätzlich auch nicht. Die Verwirrung, wenn Glutaminsäuren Lebensmitteln zugesetzt wird, hat auf Dauer allerdings weitreichende Folgen. Die somatische Intelligenz bezeichnet die körpereigene Intelligenz zu wissen, wann man was braucht und was einem nicht gut tut.

Viellicht kennt Ihr die unbändige Lust auf irgendein Lebensmittel? Ich habe das zum Beispiel im Moment mit getrockneten Tomaten. Ich könnte darin baden und werde nervös, wenn sie an einem Samstagabend ausgehen. Einen Blick in mein schlaues Buch hat geklärt warum. Mein Vitamin A-Level ist zu tief. Das zeigt sich natürlich noch an anderen Symptomen und ist nicht im gefährlichen Bereich.

Mein Darm meldet also meinem Hirn „Wir brauchen Vitamin A.“ Mein Hirn sucht mein ganz individuell angelegtes Lexikon nach Lebensmitteln ab, die es kategorisiert hat mit einem hohen Vitamin A Gehalt. Und schon renne ich zum Biohändler des Vertrauens und besorge mit getrocknete Tomaten.

Ein weiteres Bespiel, welches den meisten betroffenen Frauen – und wohl auch den zuliefernden Männern – bekannt sein dürfte, ist die unbändige Lust auf Schokolade oder nach rotem Fleisch vor oder während der Menstruation. Nimmt das ein unvernünftiges Ausmass an, empfehle ich eine Prüfung des Eisengehaltes.

Wenn wir nah bei uns selbst sind, spüren wir, was unser Körper braucht. Je natürlicher die Gelüste, desto höher unsere Körperintelligenz. Man weiss heute noch nicht, wie oder mit welchem Organ unser Körper das ganz persönliche Nachschlagewerk anlegt. Es scheint mir allerdings logisch, dass die Geschmacksrichtungen und die Tastzellen auf der Zunge hier mitspielen. Und genau diese verwirren wir, wenn zum Beispiel Tofu mit Hefeextrakt angereichert ist und wird uns zum Verhängnis, bei Mangel an irgendetwas in unserem Organismus.

Ein abstrakter und stark vereinfachter Erklärungsversuch
Parmesan enthält viel natürliche Glutaminsäure, ist aber auch von Natur aus reich an Folsäure. Es ist also möglich, dass der Körper speichert: Glutaminsäure = folsäurehaltig. Wenn nun aber dieser Mensch wöchentlich Tofu isst, der mit Hefeextrakt angereichert ist und nur selten Parmesan, dann kann es sein, dass sein Körper bei einem Folsäureabfall* gelüste nach Tofu meldet – obwohl dieser gar keine Folsäure enthält. Natürlich sind diese Täuschungen schlimmer, je mehr hochverarbeitete Lebensmittel ein Mensch zu sich nimmt. Und man weiss heute noch nicht was es braucht, wie lange es dauert oder nach welchem Impuls unser Körper bereits gespeicherte Erfahrungen neu überschreibt.

Hochverarbeitete Lebensmittel sind oft auch mit künstlichen Vitaminen angereichert oder sie enthalten weitere, schädliche Zusatzstoffe. Damit unser Körper wieder seine ganz persönliche Intelligenz entwickeln kann, braucht es mehrere langjährige Komponenten.

1. Ein ausgeprägtes Körpergefühl
Yoga, Meditation oder autogenes Training sind einige Möglichkeiten

2. Entwöhnung
Der Körper muss erst wieder lernen, wie unverarbeitete Lebensmittel – frei von Geschmacksverstärkern, Zusatzstoffen und künstlichem Zucker -schmecken. Dazu ist Basenfasten ein gutes Werkzeug. Wobei einmal in den allermeisten Fällen nicht ausreicht.

3. Mundgesundheit
Der Mund, so unappetitlich das klingt, ist der Beginn des Darms und die Heimat von Tastzellen. Handelsübliche Zahncremes beinhalten oft sehr „scharfe“ Geschmacksstoffe, welche unsere Schleimhaut im negativen Sinn abhärten.

4. Anlegen eines persönlichen Lexikons
Der Konsum von naturbelassenen Lebensmitteln sollte die Regel sein. Keine Zusatzstoffe wie zum Beispiel Schwefel in getrockneten Früchten oder Lebensmittel, die mit künstlichem Zucker angereichert sind.

Das ist ein langer, steiniger Weg mit vielen Fallen und Rückschlägen. Hat man die somatische Intelligenz jedoch erstmal geschärft, erkennt man schnell selbst das unglaubliche Potential das in ihr steckt.

Weiterführende Informationen:

Doku von 3Sat „Gift aus dem Supermarkt“
Lesenswertes Buch von Thomas Frankenbach
Videobeitrag von Thomas Frankenbach

* in der Schweiz werden Lebensmittel aus gutem Grund mit Folsäure angereichert. https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/suche.html#Fols%C3%A4ure

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Graziella hat bereits einen interessanten Erfahrungsbericht für uns geschrieben – sie lebt mir der Diagnose Multiple Sklerose.

Wir erklären: Polyphenole

Text & Foto: Petra Müller, Initiantin von FOOD MOVEMENT

Wer sich ein wenig mit gesunder Ernährung auseinanderzusetzen beginnt, stösst schon bald auf neue Begriffe. Dank diesen begreift man, dass unser Essen uns nicht nur satt macht und Energie liefert, sondern dass es auch Information ist für unseren Körper. Auf Lebensmittelverpackungen findet man inzwischen überall Nährstoffangaben. Aber wie sieht es bei Gemüse, Kräutern und Früchten aus, die du auf dem Markt kaufst?

Man liest ja allerorten, dass es sinnvoll ist, möglichst bunt gemischte Gemüse, Kräuter und Früchte zu essen. In der Instagramsprache heisst das #eattherainbow. Das hat natürlich etwas mit dem schönen Anblick von farbigem Essen zu tun. Mehr noch hingegen zu tun hat es mit den Nährstoffen, die wir unserem Organismus dank einer abwechslungsreichen, mehrheitlich pflanzlichen Kost schenken.

Polyphenole sind sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe. Sie grenzen sich von primären Pflanzenstoffen dadurch ab, dass sie für die Pflanze nicht lebensnotwendig sind.

Sekundäre Pflanzenstoffe haben verschiedene wichtige Aufgaben für ihre Pflanze zu erfüllen. Sie wehren Schädlinge und Krankheiten ab, regulieren das Wachstum und bestimmen die Farbe(n) der Pflanze. Sie sorgen dafür, dass die Pflanze nicht nur überlebt, sondern auch, dass sie sich weitervermehren kann. Attraktive Farben locken Insekten an, die für die Bestäubung sorgen, oder aber die Pflanze will, dass ihre Früchte gefressen werden, damit sie verdaut woanders wieder ausgeschieden werden.

Viele sekundäre Pflanzenstoffe bekommen uns Menschen nicht gut und können gar giftig sein. Andere wiederum haben erwiesenermassen gesundheitsfördernde Eigenschaften für uns. Auch geschmacklich spielen viele Polyphenole eine Rolle. Sie lassen beispielsweise Rettich scharf und Senfkörner senfig schmecken.

Wir alle sind wohl schon kompliziert klingenden Namen von sekundären Pflanzenstoffen begegnet: Carotinoide (machen Karotten und Aprikosen orange und Tomaten rot), Glukosinolate (verleihen Kreuzblütlern wie Meerrettich und Kohl den typisch kohligen bzw. scharf-stechenden Geschmack), Saponine (kann man sich gut merken, weil sie schaumbildend sind, das sieht man beim Kochen von Linsen oder Quinoa), oder eben die Polyphenole, die als Farb-, Geschmack-, Bitter- und Gerbstoffe vorkommen.

Polyphenole werden unterteilt in Flavonoide, Phenolsäuren und Phytoöstrogene.

Gelbe Gemüse und Früchte sind gelb, weil Flavonole und Flavone sie gelb färben. Rote, blaue und violette Gemüse und Früchte sind so schön, weil sogenannte Anthocyane sie so färben. Phenolsäure kommt beispielsweise im Kaffee als Kaffeesäure vor.

Was für uns Menschen jedoch wichtig ist: Polyphenole können wir für unsere Gesundheit nutzen. Viele dieser Pflanzenstoffe wirken antioxidativ, antikanzerogen, antientzündlich und immunmodulierend. Zudem haben sie einen schützenden Effekt bezüglich Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wenn wir heutzutage von «gesunder Ernährung» sprechen, dann steht der Verzicht auf Zucker, Reduzierung von Weizen und Fleisch sowie die Beachtung von bester Qualität bei Milchprodukten an vorderster Stelle. Darin sind sich führende Ärzte und Ernährungsberaterinnen einig.

Uns allen fällt weglassen jedoch nicht so einfach. Wollen wir uns deshalb lieber ein paar Lebensmitteln widmen, die – eben, jetzt wisst ihr, wovon ich spreche – möglichst viele Polyphenole enthalten. Wegen der oben genannten positiven Eigenschaften für unsere Gesundheit.

Wissenschaftler haben in einer umfangreichen Datenbank den Gehalt von 500 verschiedenen Polyphenolen aus 400 verschiedenen Lebensmitteln erfasst und eine Rangliste bestimmt. So erfahren wir die 10 Lebensmittel mit dem höchsten Gehalt an Polyphenolen. (Das Verfahren wird so beschrieben, dass ich es knapp verstehe: «Total polyphenol content was calculated as the sum of the contents of all individual polyphenols. These content values were compared with the content of antioxidants estimated using the Folin assay method in the same foods. These values were also extracted from the same database. Amounts per serving were calculated using common serving sizes.»

Wer sind denn nun die Polyphenol-reichsten Lebensmittel, die du ab heute in deinen Speiseplan einbauen kannst? Les voilà:

1. Gewürznelken
2. Sternanis
3. Kakaopulver
4. Mexikanischer Oregano, getrocknet (hier geht bestimmt auch anderer Oregano…)
5. Selleriesamen (kannte ich gar nicht)
6. Aronia (Apfelbeere)
7. dunkle Schokolade
8. Leinsamen, gemahlen
9. Holunder
10. Kastanie (die grosse Überraschung für mich! Hildegard, was wusstest du nicht schon alles…)

Das heisst nun aber nicht, dass man NUR noch diese Lebensmittel essen soll. Aber ein paar Mal die Woche ab und zu und abwechselnd wäre wohl ideal.

Auf deine Gesundheit!

Quellen:
Burgerstein Handbuch Nährstoffe, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=identification+of+the+100+richest+dietary+sources+of+polyphenols, http://phenol-explorer.eu/

Epilepsie – gesünder durch viel Fett

Text: Julia Franke, Geschäftsführerin der Schweizerischen Epilepsie-Liga
Foto: iStockphoto

Fett ist zwar ein wichtiger Teil unserer Ernährung, aber vier Fünftel davon? Bei schweren Epilepsien kann das sinnvoll sein – doch nicht einfach auf eigene Faust.
Eine Mini-Quiche mit ein paar Röschen Broccoli und einem ordentlichen Klacks Sauce hollandaise, der Teig besteht aus zwei Esslöffeln eines speziellen fettreichen Pulvers, einem halben Ei, je einem Esslöffel Öl und Wasser sowie ein paar Körnchen Mehl. Richtig gesund tönt das nicht. „Bei der ketogenen Diät ist das Verhältnis von Fett zu allem anderen, das heisst Eiweiss und Kohlehydrate, 3 zu 1 oder sogar 4 zu 1“, sagt Dr. Judith Kröll, die an der Klinik Lengg in Zürich viel Erfahrung mit dieser Therapie gemacht hat. „Aufs Gramm genau“, fügt sie hinzu, „denn mindestens bei Kindern sollte der Eiweissanteil weder zu tief noch zu hoch sein“.

Wer tut sich oder seinem Kind das an? Bei Epilepsie gehört Fasten zu den ältesten Behandlungsmethoden. Heute gibt es Medikamente – doch bei einem Drittel aller Betroffenen helfen sie kaum.

Die ketogene Ernährung ahmt den Zustand des Fastens nach: In der Leber entstehen beim Abbau des vielen Fetts sogenannte Ketonkörper, denen die Diät ihren Namen verdankt. Diese liefern dem Gehirn Energie, wenn es nicht mit Zucker versorgt wird. Nebenprodukt ist ein süsslich-fauliger Mundgeruch. „Wir können riechen, wer seine Diät konsequent einhält“, erzählt Kröll.

Wirkung rätselhaft, doch erwiesen
Warum die Ketonkörper epileptische Anfälle verhindern, ist immer noch nicht restlos erforscht. Doch wissenschaftliche Studien beweisen, dass die Diät hilft: Rund zwei Drittel aller Betroffenen profitieren spürbar. „Gut zehn Prozent haben gar keine Anfälle mehr“, sagt Kröll, „etwa ein Drittel hat 90 Prozent weniger Anfälle“.

Judith Kröll ist Kinderärztin und hat sich auf Epilepsie spezialisiert. Die ketogene Diät ist auch für Erwachsene möglich – „sie müssen aber sehr motiviert und diszipliniert sein“, sagt Kröll. Meist weicht man in diesen Fällen auf die modifizierte Atkins-Diät aus, die „nur“ das Essen von Kohlehydraten begrenzt.

Auch bei Kindern ist das konsequente Durchhalten für beide Seiten nicht leicht. „Ausnahmen sind nicht erlaubt“, sagt Kröll. „Das fällt manchmal schwer, zum Beispiel wenn Kinder auf einen Geburtstag eingeladen sind.“ Trotzdem sind die meisten Eltern von schwer epilepsiebetroffenen Kindern dankbar für die Diät. „Endlich können sie selbst etwas machen, um ihrem Kind zu helfen.“

Aufwändige Vorbereitungen
Es ist keine Diät, bei der man einfach loslegt: Vor dem Beginn stehen etliche medizinische Untersuchungen. „Nicht jeder verträgt so viel Fett – man muss z. B. seltene Stoffwechselerkrankungen ausschliessen, bei denen die Leber das viele Fett nicht verarbeiten kann“, sagt Kröll. In der Einleitungsphase der Diät sollte regelmässig der Blutzucker kontrolliert werden, denn es kann zu einer Unterzuckerung kommen. Vitamine gibt es separat als Tabletten. Trotzdem muss etwa jeder zehnte die Diät aus medizinischen Gründen wieder abbrechen.

„Wir empfehlen für den Anfang einen stationären Aufenthalt“, sagt Kröll, „weil wir dann viel enger zusammenarbeiten und alles zeigen können.“ Zu den Nebenwirkungen gehören Erbrechen, aber auch ein verlangsamtes Wachstum bei Kindern. Spricht das Kind auf die Diät an, sollte man sie rund zwei Jahre durchhalten. „Im besten Fall hält der Effekt danach weiter an.“

Webcast mit Dr. Judith Kröll zum Thema:
https://portal.klewel.com/watch/webcast/neuigkeiten-zur-epilepsiebehandlung/talk/3

Informationsflyer „Ketogene Diäten“ der Epilepsie-Liga:
www.epi.ch/ketogen

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70‘000 – 80’000 Menschen leben in der Schweiz mit Epilepsie, 15‘000 – 20’000 davon sind Kinder.
Die Schweizerische Epilepsie-Liga ist eine gesamtschweizerisch tätige Fachorganisation und zugleich Schweizer Sektion der Internationalen Liga gegen Epilepsie (International League Against Epilepsy ILAE).

Die Epilepsie-Liga forscht, hilft und informiert. Ihr Ziel ist es, den Alltag von Epilepsie-Betroffenen und deren Situation in der Gesellschaft nachhaltig zu verbessern.
www.epi.ch

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Ganz herzlichen Dank für diesen spannenden und wertvollen Beitrag, liebe Frau Franke!

Auf unserem Radar #5

Text: Petra Müller, Geschäftsleitung FOOD MOVEMENT

In einer losen Serie zeigen wir unter RADAR, was uns in der letzten Zeit aufgefallen ist und uns interessant dünkt.

Anfang dieses Jahres ist das Buch Healing Arthritis von Dr. Susan Blum erschienen. Es ist das erste Buch, das ich spezifisch über Arthritis entdeckt habe. Schon nach der ersten Hälfte hat es mich jedoch in eine Krise gestürzt. Dank meiner resilienten Natur habe ich mich – spannenderweise ebenfalls dank diesem Buch – wieder aufgerappelt. Healing Arthritis ist insofern speziell und wertvoll, als dass die amerikanische Ärztin selbst rheumatoide Arthritis hatte. Susan Blum zeigt sehr detailliert auf, welche Schritte sich bei ihr selbst und zahlreichen Patienten bewährt haben, um Arthritis-Beschwerden zu lindern oder gar zum Verschwinden zu bringen. Sie empfiehlt 3 Schritte:

1. Eine spezielle Diät und der Einsatz von Kräutern und natürlichen Medikamenten, um einen leaky zu behandeln.

2. Eine zweimonatige Phase mit spezifischer Ernährung und ebenfalls natürlichen Medikamenten

3. Ein Ernährungsplan für den Rest des Lebens, bei dem laufend bisher ausgeschlossene Lebensmittel wieder eingeführt werden und deren Verträglichkeit beobachtet wird. Zudem legt Susan Blum grossen Wert auf den Einsatz von Entspannungs-Methoden, um Stress entgegenzuwirken und Traumata aus der Vergangenheit aufzuarbeiten. Das Buch bietet dafür eine ganze Palette an Möglichkeiten, sodass jede und jeder etwas finden sollte, was ihr/ihm behagt.

Mein Fazit:
Ich habe einiges an Neuem erfahren, und bei mir ist endlich (endlich!) der Groschen gefallen, dass jeder Weg einzigartig ist und dass es keine 08/15-Behandlung gibt. Und dass man bei vielen Ärzten und Therapeutinnen einzelne Puzzleteile aufdecken kann, um unter Umständen erst nach Jahren die ganz persönliche Aufarbeitung für diese Krankheit zu finden. Das Buch hat mich in meiner Erfahrung bestärkt, dass die Ernährung den Haupteinfluss auf entzündliche Erkrankungen hat. Genauso wichtig schätzt Susan Blum jedoch auch die sogenannte Mind-Body-Connection (Geist-Körper-Verbindung) ein, und deshalb liegt ein weiterer Schwerpunkt auf der Behandlung von Stress und Traumata.

Für alle, die lieber eine deutsche Version dieses Buches lesen möchten: Ich habe mich soeben beim Verlag erkundigt: Die Herausgabe auf deutsch ist per Mai 2018 geplant.

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Bleiben wir doch grad noch bei rheumatoider Arthrtitis. In diesem Fernsehbeitrag des NDR erklärt Die Ernährungsärztin Dr. Anne Fleck, was eine Patientin mit rheumatoider Arthritis konkret mit ihrer Ernährung unternehmen und ihre Schmerzen deutlich lindern kann.

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Wer einen Menschen mit Alzheimer in seiner Verwandtschaft hat, erlebt, wie schwierig sich solche Erkrankungen auswirken können. Die Angst ist dabei oft recht gross, selbst mal betroffen zu sein. Diesem Risikon kann entgegengewirkt werden. Neue Studien zeigen auf, dass insbesondere eine hohe Zufuhr an Kohlehydraten (Zucker, Backwaren, Pasta etc.) ungünstig sein kann. Hier ein englischer Artikel zu diesem Thema.

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Vielleicht habt ihr auch schon von dem Buch über Lektine von Dr. Gundry gehört? Ich habe das Buch gelesen und diese Art von lektinarmer Ernährung als Experiment für 8 Wochen ausprobiert.  Ich kann berichten, dass es bei mir nicht viel verändert hat. Ich habe allerdings herausgefunden, dass ich Cashews derzeit nicht gut vertrage (und die habe ich davor praktisch täglich gegessen) und dass es sich wirklich lohnt, Linsen und Bohnen über Nacht einzuweichen und im Dampfkochtopf zu kochen. Dabei wird nämlich ein grosser Teil der potentiell Entzündungen fördernden Lektine zerstört. Hier ergänzend die Replik des von mir geschätzten Dr. Frank Lipman und seine Empfehlungen in Sachen Lektine.

HEALTHY FRIDAY // FOOD: Tatar mit Meeresalgen

Foto & Rezept: Madlen Witzig, Ernährungsberaterin Integrative TCM-Ernährung und 5-Elemente-Ernährung von Cook & More und simply seagreens

Tatar mit Meeresalgen

Zutaten für 4 Personen
je 15 g Algen: Dillisk, Wakame, Nori
1 mittlere Zwiebel oder Schalotte
2 EL Kapern
2 mittlere Essiggurken
1 EL glatte Petersilie
1 Stück Knoblauchzehe
1 EL Apfelessig
nach Belieben Zitronenzeste
1 EL Zitronensaft
1 EL Tamari (Sojasauce)
2 – 3 EL Olivenöl
nach Belieben Pfeffer
1 TL weisser Sesam geröstet

Zubereitung
1. Algen in kleine Stücke schneiden und ca. 10 Minuten in kaltem Wasser einweichen. Gut abtropfen lassen, fein hacken und in eine Schüssel geben.
2. Zitronenzeste, Zwiebel, Kapern, Essiggurken, Petersilie und Knoblauch fein hacken und zu den Algen geben.
3. Mit Apfelessig, Zitronensaft, Pfeffer, Tamari und Olivenöl abschmecken und mischen.
4. Vor dem Servieren mit etwas weissem Sesam und frischer Petersilie garnieren.

Tipp
Das Tatar kann beliebig variert werden mit verschiedenen Kräutern, getrockneten Tomaten, gerösteten Kürbiskernen, Ingwer, Sesamöl, Limette oder Reisessig.

Das Tatar schmeckt auch als Brotaufstrich, zu Apéro-Crackern, zu Pasta oder mit Gemüsesticks.

Männer, Kommunikation & Krankheit

Text & Foto: Petra Müller, Initiantin von FOOD MOVEMENT

Wie man sich täuschen kann.

Früher dachte ich, dass ich ziemlich gut kommuniziere. Bis ich das Buch von Peter Modler gelesen habe: Das Arroganzprinzip (man möge sich vor dem Titel nicht abschrecken lassen).

Vor 10 Jahren war ich in einer beruflichen Situation, in der ich mit einem Arbeitskollegen regelmässig zermürbende verbale Zusammenstösse hatte. Zufällig entdeckte ich zu dieser Zeit in einer Frauenzeitschrift einen Artikel über das Buch von Peter Modler. In diesem Buch erklärt uns der Autor die unterschiedlichen Kommunikationsarten von Frau und Mann, und wie wir Frauen uns gegen das Revier- und Gorilla-Gehabe bestimmter Männer wehren können. Modler zeigt erprobte Vorschläge, wie Frauen ihre Kommunikation gegenüber Männern ändern können, damit sie besser zum (beruflichen) Ziel kommen.

Ich habe das Buch sofort gekauft und verschlungen. Und ich habe Modlers Tipps bei meinem Arbeitskollegen angewendet. Es klappte vorzüglich! Die anstrengenden Auseinandersetzungen waren Geschichte, und er frass mir praktisch aus der Hand (auch wenn sich diese Art von Kommunikation noch ganz neu und etwas unnatürlich für mich anfühlte).

Was ich nach der Lektüre dieses Buches nachhaltig gelernt habe: Wenn ich klarer kommuniziere, kommt meine Botschaft besser an, und ich kann ich mich – sofern nötig – besser durchsetzen. Ich habe erfahren, dass ich mich dabei besser nicht auf meine Intuition verlassen sollte.

Dass dieses neue Wissen innerhalb der Jahre weite Kreise in meinem Leben ziehen und ungeahnte Dimensionen annehmen würde, hätte ich allerdings nicht gedacht. Denn grundsätzlich geht es in Arroganzprinzip um die Kommunikation zwischen Frauen und Männern im Berufsleben. Diese Art von Kommunikation hat aber auch mein Privatleben verändert.

Wie man eine Fremdsprache erlernen kann, kann man auch lernen, anders mit Männern zu kommunizieren. Ich finde, dass sich das lohnt, denn: Erstens habe ich beruflich wie privat mit Männern zu tun, und zweitens lebe ich mit einem Mann zusammen.

Für Konfliktsituationen gibt Modler der Leserin ein hilfreiches Modell mit auf den Weg. Dieses Modell ist dreistufig und der Reihe nach anzuwenden.

Bei einem Konflikt mit einem Mann hilft als erstes non-verbale Kommunikation, also Veränderung der Haltung, des Blicks, einfache Gesten, Schweigen (!), Mimik, Veränderung der räumlichen Distanz.

Die zweite Stufe nennt Modler Small Talk: Persönliche, aber unsachliche Äusserungen, Auswalzen von Nebensächlichkeiten («schönes Wetter heute»).

Und erst die dritte Stufe ist der sogenannte High Talk: Argumente, Begründungen, sachliches Nachfragen und Diskussion, akademisches oder fachliches Niveau.

Nochmals: Das ist die Reihenfolge für Konfliktsituationen, nicht für den Alltag. Aber Hand aufs Herz: Wer von euch macht das genau umgekehrt? Quasi mit der Tür ins Haus, also zuerst begründen, argumentieren und diskutieren? Ich zumindest machte das. Modler erzählt zudem von spannenden Beispielen aus Workshops, die er mit Frauen und Männern durchgeführt hat. Einige davon sind mir auch nach 10 Jahren immer noch im Gedächtnis geblieben.

Was ich inzwischen weiss und erlebe: Männer schätzen kurze, wenige Sätze und vor allem Klartext. Viele Frauen können aber wunderbar stundenlang rumeiern und um den heissen Brei reden. Oder sie hoffen und wünschen sich, dass Männer, sei es beruflich oder privat, ihre Wünsche wahrnehmen, spüren oder, noch besser, von ihren Augen ablesen können. Forget it.

Interessant ist, dass ich klare, kurze und direkte Kommunikation inzwischen selber schätze. Zuallererst natürlich, weil ich schneller zum Ziel komme. Gleichzeitig habe ich mit den Jahren gelernt, dass ich möglichst genau wissen muss, was ich will (und was ich nicht will). Und dass ich das nicht nur kommunizieren sollte, sondern muss, wenn ich ein angenehmes Zusammenleben/-arbeiten mit meinen männlichen Mitmenschen schätze.

Das heisst natürlich nicht, dass man alles ungefiltert gerade heraus sagen soll. Für mich heisst das, dass ich mir Zeit nehmen sollte, mir zu überlegen, was ich mitteilen möchte. Erst denken, dann sprechen (klappt natürlich nicht immer).

Eingangs habe ich erwähnt, dass diese Art von Kommunikation Einzug gehalten hat in Dimensionen, die ich nicht erwartet hätte. Einen positiven Nebeneffekt hat dieses Buch nämlich sogar im Zusammenhang mit meiner Krankheit.

Mit einer chronischen Krankheit ist es manchmal wichtig, andere um Hilfe zu bitten. Ich sollte nicht warten, bis mein Mann merkt, wie sich meine Möglichkeiten und Bedürfnisse verändern. Oder dass mein Arbeitskollege wundersamerweise sofort erkennt, dass ich mich nicht vom Ausräumen der Büro-Geschirrspülmaschine drücke, sondern es schlicht nicht kann zurzeit.

Wenn ich Schmerzen habe, muss ich lernen klar mitzuteilen, welche Hilfe ich brauche. Sei es beim Tragen von schweren Gegenständen oder dass mir jemand die Pneus von meinem Velo pumpt. Ich muss mitteilen, dass ich nicht mehr so gut im Haushalt mithelfen kann wie früher und bis auf weiteres nicht staubsagen kann. Klartext ist für beide Seiten viel angenehmer als Wischiwaschi-Kommunikation oder unangenehme Erwartungshaltungen. Und wisst ihr, was ich erlebe, wenn ich um Hilfe bitte? Alle helfen sehr gerne!

Was ich mir seit der Lektüre von Arroganzprinzip zudem anzutrainieren versuche ist, manchmal auch einfach den Mund zu halten. Vor allem, wenn ich nicht richtig Bescheid weiss, mein Gegenüber Unangebrachtes sagt oder ich schlicht und einfach überlegen muss, ob und was ich zu sagen habe. Oft sagt mein Vis-à-vis nach einer Pause meinerseits Dinge, die weiterführen. Das mit dem Schweigen gelingt mir natürlich überhaupt nicht immer, aber immer öfter.

Hilfreich sind auch die sogenannten Kommunikationsmaximen. Die gehen so:

Kommuniziere genauso informativ, wie es für den Zweck nötig ist.
Gib nicht zu viel und nicht zu wenig Information.

Versuche zu sagen, was wahr ist.
Sage nichts, wofür du keine hinreichenden Anhaltspunkte hast.

Bleib beim Thema.
Sage nichts, was nicht zum Thema gehört.

Sei klar
Sei eindeutig
Sei prägnant (vermeide unnötige Weitschweifigkeit)
Sei geordnet

Auch bei meinen Gesprächen mit Ärzten hilft es mir, klar zu sagen, wenn ich etwas nicht verstehe. Zum Beispiel wenn es um ein neues Medikament, eine Therapieart, Blutfaktoren oder den weiteren Weg geht, den ein Arzt mir vorschlägt. Wenn wir zum Arzt gehen, beanspruchen wir eine Dienstleistung, die wir bezahlen. Wir haben das Recht, gut beraten zu werden. Ansonsten dürfen wir das freundlich und sachlich ansprechen.

Beim Gespräch mit Frauen mache ich oft die Erfahrung, dass viele nicht sagen können oder mögen, was sie wirklich wollen. Oft wissen sie es nicht einmal selbst. Das kann man aber lernen. Und das Buch von Modler hat dafür ein paar sehr gute Vorschläge.

Womöglich denkt jetzt die eine oder andere unter euch: Was jetzt? Weshalb soll ICH meine Kommunikation ändern? Der Mann kann ja auch überlegen, wie er was sagt. Das stimmt. Aber wenn ich so plausible Tipps bekomme, die mir die Kommunikation erleichtern, dann nehme ich in Kauf, dass ich diejenige bin, die meine Kommunikation überdenkt. Wir sollen ja bekanntlich das ändern, was in unserer Macht liegt.

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Hier geht es zum Buch:
http://www.drmodler.de/buecher/das-arroganz-prinzip/

HEALTHY FRIDAY // FOOD: 3 Ayurveda-Regeln & Risotto mit Kürbis und Salbei

Text, Rezept & Foto: Daniela Dörflinger Bruggemann von Ayurfood
Einführungstext: Petra Müller

Ohne die Unterstützung von etlichen Ernährungsberaterinnen, Coaches, Gesundheitsberaterinnen und versierten KöchInnen wäre es uns nicht möglich, euch jeden Freitag ein neues Rezept bzw. spannenden Beitrag zu Bewegung und Entspannung zu zeigen.

An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei allen aus der HEALTHY FRIDAY-Community bedanken!

Heute dürfen wir euch jemand neues aus der Welt des Ayurveda vorstellen: Daniela hat einen sehr spannenden Lebenslauf. Sie stammt aus einer österreichischen Gastronomiefamilie und hat ihre Koch-Grundkenntnisse vor vielen Jahren in einer Hotelfachschule gelernt. Sie war in den Bereichen Event-Marketing und PR u.a. bei Cirque du Soleil in Amsterdam beschäftigt. Daniela hat schon an vielen Orten gelebt: in Vorarlberg, Innsbruck, Wien, Amsterdam, Frankfurt, London und Zürich. Seit mehr als 10 Jahren lebt sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern im Grossraum Zürich.

Durch ihre langjährige Yoga-Praxis ist Daniela mit Ayurveda in Kontakt gekommen. 2012 folgte die Ausbildung als Ganzheitliche Ayurveda Ernährungs- und Gesundheitsberaterin bei der Europäischen Akademie für Ayurveda, anschliessend Weiterbildungen im In- und Ausland sowie eine Studienreise zum Tilak Ayurved College in Pune/Indien. 2016 hat Daniela zudem die Kundalini-Yoga-Lehrer Ausbildung nach KRI abgeschlossen.

Es freut uns sehr, dass Daniela uns heute drei wichtige Prinzipien aus dem Ayurveda sowie ein leckeres Rezept für einen Risotto mit Kürbis und Salbei vorstellt.

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Das sogenannte „comfort-food“ passt sehr gut in die kalte Jahreszeit, kraftvolle Suppen, herzhafte Eintöpfe, ein liebevoll-süsser Milchreis, oder eben solch ein sämiger Risotto.

In der kalten Jahreszeit brennt unser inneres Verdauungsfeuer/Agni etwas stärker und die meisten von uns vertragen dann auch eine etwas deftigere und schwerere Kost sehr gut. Diese bodenständige Nahrung ist eine Art Schutz vor der äussere Kälte und Trockenheit die uns im Winter umgibt, sie verleiht Stabilität und auch Standhaftigkeit.

Im Gegensatz zur klassischen Risotto-Variante wird in diesem Ayurveda-Rezept der Parmesan durch geröstete Pinienkerne ersetzt. Geht gar nicht, denken sich nun die Italiener, aber Käse wird in der Ayurvedaküche einfach nicht gerne gesehen. Er ist sehr schwer verdaubar und verunreinigt bzw. verschleimt die Transportkanäle im Körper. Vor allem lange gereifter, fetter Hart- aber auch Schimmelkäse ist davon betroffen.

Der klassische Schuss Wein im Risotto behalten wir jedoch bei, denn es steht schon in den alten Ayurveda-Schriften, dass der Winter die beste Jahreszeit ist, um gelegentlich ein Glas Rotwein zu geniessen. Salbei verleiht dem Risotto eine herbe Note, zudem fördert er die Verdauung und ist gut für die Atemwege.

Wie bringe ich Ayurveda in meinen Alltag?
Bereits kleine Veränderungen können Grosses bewirken.

Die folgenden drei Tipps sind allgemeingültige Prinzipien aus dem Ayurveda, die sich auch ohne vorherige Konstitutions-Analyse in den Alltag einbauen lassen. Du kannst dadurch dein Wohlbefinden steigern und alle drei Tipps wirken ausgleichend auf die Verdauung und den Energiehaushalt. Probier’s doch einfach selbst mal aus!

Prinzip 1 – Iss möglichst oft warm!
Denn der Körper kann eine warme und gekochte Mahlzeit leichter aufnehmen und verstoffwechseln. Wärme heizt das Verdauungsfeuer an und der Körper braucht weniger Energie, um die Nahrung zu verdauen – es ist eine Art von Energiesparmodell. Rohkost oder kalte Speisen sollten wir besser nur in kleinen Mengen und zur Mittagszeit essen, dann brennt unser Verdauungsfeuer/Agni am stärksten. Auch der weise Einsatz von Kräutern und Gewürzen kann deine Verdauung stärken und dein Wohlbefinden steigern.

Prinzip 2 – Verwende frische, saisonale & regionale Zutaten
Die wunderbaren Kräfte der Natur versorgen uns zu jeder Jahreszeit mit genau den Wirkstoffen, die wir genau zu diesem Zeitpunkt am meisten benötigen. So können wir z. B. im windigen und trockenen Herbst befeuchtende Trauben oder erdende Zutaten wie z. B. Kürbis oder Kastanien ernten. Ebenso passen kühlende Melonen perfekt in die warme Sommerzeit und bittere und grüne Gemüsesorten (Spargel, Rhabarber, Brennnessel, Löwenzahn…) zur entgiftenden und reinigenden Frühlingsenergie.

Prinzip 3 – Sorge für Pausen zwischen den Mahlzeiten
Du sollst nur dann essen, wenn du auch wirklich ein Hungergefühl verspürst, diese Weisheit kennt jeder. Doch warum sind diese Pausen so wichtig? Nachdem du den letzten Bissen einer Mahlzeit eingenommen hast, ist vielleicht dein Teller leer und dein Magen gefüllt, aber wir vergessen, dass nun unser Verdauungssystem auf Hochtouren läuft. Wenn wir im Ayurveda vom Verdauungssystem sprechen, dann geht es weniger um die einzelnen Organe und deren Funktionen, vielmehr ist die Verdauung ein komplexes System von Transformationsprozessen, die auf unterschiedlichen Ebenen laufen. Durch die Feuerenergie von Agni werden Nährstoffe verarbeitet, in Körperzellen transportiert und Abfallprodukte werden ausgeschieden. Dieses ausgetüftelte und perfekte System von Gewebsumwandlung und -aufbau will nicht gestört werden. Wenn aber die Verdauung bereits geschwächt ist oder wenn wir ständig snacken und immer wieder neue Nahrung hinzufügen, dann können Nährstoffe nicht optimal verarbeitet und Abfallstoffe nicht vollständig entsorgt werden. Zurück im Körper bleibt sozusagen Halbverdautes oder Unreifes. Im Ayurveda nennen wir diese klebrigen Rückstoffe Ama. Auf längere Dauer kann Ama das körperliche Gleichgewicht beeinträchtigen und zu diversen Krankheiten oder Schwachstellen führen. Rheumatische Erkrankungen sind z. B. ein typisches Zeichen einer Ama-Belastung. Und jede Ayurveda-Therapie wird sich zuerst auf die Ausleitung von Ama konzentrieren.

Weitere ayurvedisch-inspirierte Rezepte und Gesundheitstipps findest du in meinem Blog: www.ayurfood.ch.

Risotto mit Kürbis und Salbei
Zutaten für ca. 2 Portionen:

Für den Kürbis
250 – 300 g Kürbis
3 – 4 EL Olivenöl
3 Gewürznelken
½ Anisstern
½ Zimtstange
1 EL Soja-Sauce
½ Zitrone, Saft
2 EL Ahornsirup
½ TL Ingwerpulver
Cayennepfeffer
2 – 3 Salbeiblätter (Alternative: Rosmarin)

Für den Risotto
200 g Risotto-Reis
1 EL Ghee
1 Zwiebel, fein hacken
1 Zehe Knoblauch, fein gehackt
100 – 200 ml trockener Weisswein
ca. 500 ml warme Gemüsebouillon
1 Prise Safran
1 EL Crème fraîche
1 Handvoll Pinienkerne, geröstet
2 – 3 Salbeiblätter

Zubereitung:

Den Ofen auf 170 Grad vorheizen.

Kürbis (wenn nötig schälen) in ca. 2 cm grosse Würfel schneiden, in eine Ofenschale geben. Aus den restlichen Zutaten eine Marinade anrühren und mit den Kürbisstücken vermengen. Für ca. 20 Minuten im Ofen garen, bis der Kürbis weich ist, gelegentlich umrühren.

Für den Risotto verwendet man am besten einen schweren Topf. Darin die Zwiebel und den Knoblauch auf mittlerer Hitze in Ghee andünsten, bis sie glasig sind. Den Reis hinzufügen und unter Rühren ebenfalls kurz andünsten.

Nun mit dem Weisswein aufgiessen und die Flüssigkeit unter regelmässigem Rühren einköcheln lassen. Die Hitze so drosseln, dass der Reis ständig leicht kocht. Portionsweise mit der Gemüsebouillon aufgiessen und regelmässig umrühren, damit der Reis nicht austrocknet und schön sämig wird. Während der Kochzeit mit Safran würzen.

Nach ca. 18 – 20 Minuten den Topf von der Herdplatte nehmen und einen Esslöffel Creme fraîche unterrühren. Die gegarten Kürbisstücke mitsamt der Marinade unter den Risotto heben und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Mit gerösteten Pinienkernen und gehackten Salbeiblättern anrichten.

 

Selbstgespräch: Eine Krise

Text & Foto: Petra Müller, Initiantin von FOOD MOVEMENT

(auf dem Foto: Mein geliebtes Totenköpfli, das mich täglich an die Endlichkeit meines Daseins auf diesem Planeten erinnert, und das Herz, das für die Liebe steht und immer hilft)

Letzte Woche habe ich endlich das neue Buch der amerikanischen Ärztin Dr. Susan Blum in der Post gehabt. Der Titel: Healing Arthritis. HEALING! Nicht: lindern. Man muss wissen, dass rheumatoide Arthritis in der Schulmedizin als unheilbar gilt. Solche Titel lösen natürlich hoffnungsvolle Gefühle in mir aus, insbesondere, wenn es sich bei der Autorin um eine erfahrene Ärztin handelt, die selbst an Arthritis erkrankt und inzwischen geheilt ist.

Allerdings ist solche Hoffnung immer auch gepaart mit unangenehmeren Gefühlen: Jetzt mache ich seit 5 Jahren so vieles für meine Gesundung, und ich habe immer noch Beschwerden, nachweisliche Entzündungen an einzelnen Gelenken. Immer noch habe ich ab und zu Schmerzen, wenn ich etwas «Falsches» gegessen habe, mich ärgere oder freue (ja, ganz fies, dem Körper ist es egal, wenn der «Stress» positiver Natur ist).

Als ich letzte Woche also mit der Lektüre dieses Buches angefangen habe, stürzte mich das erstmal fadengerade in eine Krise. Ich kenne diese Krisen inzwischen gut. Sie kommen, wenn mir glasklar bewusst wird, dass ich nicht darum herum komme, meine eigenen Entscheidungen treffen zu müssen. Denn: Der Rheumatologe ist einer Meinung, der ganzheitlich praktizierende Arzt und die Ernährungsberaterin einer anderen Meinung – und alle diese Meinungen haben ihre Berechtigung. Aber wer steht dazwischen? Ich. Wer muss entscheiden? Ich.

Auch wenn der Rheumatologe glücklicherweise sagt, dass er zurzeit keinen dringenden Handlungsbedarf sieht, Rheuma-Medikamente einzusetzen. Aber eine freundliche Empfehlung habe ich dennoch, sofern die Entzüngswerte sich bis Mitte 2018 nicht wesentlich bessern.

Heute habe ich einen Termin bei meinem ganzheitlich praktizierenden Arzt. Ich werde ihn fragen, was er vom Einsatz der vom Rheumatologen spezifisch vorgesehenen Medikamenten hält. Und was er sonst noch für Möglichkeiten für mich sieht. Und was er von den Methoden von Dr. Susan Blum hält (ich werde ihm kurz und knapp ihre Empfehlungen erklären).

Was ich jedoch Inzwischen gelernt habe: Jeder Verlauf einer rheumatoiden Arthritis ist anders. Jede Patientin hat ihre eigene Geschichte, sie verhält sich anders, wird anders beraten, trifft andere Entscheidungen, lebt ihr Leben anders. Und was erwarte ich? Eine massgeschneiderte Behandlung.

Was parallel zu meiner Krise geführt hat ist die erneute Erkenntnis, dass ich täglich versuche, stark zu sein. Nicht jedes Mal zu jammern, wenn ein Gelenk schmerzt, wenn ich eine Bewegung nicht machen kann. Nicht zu klagen, dass es mir seit 8 Jahren nicht mehr gut geht. Dass ich seit über vier Jahren zwei Tage die Woche an meinem Arbeitsplatz im Museum erscheine, ohne die anderen merken zu lassen, wenn ich mal keinen guten Tag habe, ich schon mit schmerzenden Gelenken aufgestanden bin, oder – noch schlimmer – nachts Schmerzen hatte und kaum schlafen konnte. Stark zu bleiben, wenn ein Team-Essen ansteht, und ich einmal mehr mit der Köchin abklären muss, ob sie bereit ist, etwas Spezielles für mich zu kochen, dass ich überhaupt an diesem sozialen Anlass teilnehmen kann.

Dass ich vor drei Jahren beschlossen habe, mich mit meinem Blog Freakfood so stark zu exponieren, macht es auch nicht einfacher. Ich möchte mit meinen Erfahrungen und Erkenntnissen vor allem andere kranke Menschen inspirieren, ihnen Mut machen, ein Vorbild sein. Und dies gelingt nun mal besser, wenn ich optimistisch formuliere, buntes, leckeres und gesundes Essen vorstelle, Vorschläge für positive Veränderungen machen kann.

Am Ende jedoch bin auch ich nur ein Mensch. Und erst noch ein chronisch kranker. Ich bin mehr als dankbar, dass ich durch diesen Krankheits- bzw. Gesundungsprozess neue Seiten an mir kennenlerne, mein Leben neu betrachten kann, mehr «zu mir finde», lerne, grosszügig mit mir zu sein und anzunehmen, was ist. Bedingungslos. Unschönes und Wunderbares.

Und solange ich auch nur eine positive Rückmeldung von jemandem von euch bekomme und nur eine Person inspirieren kann, sich selbst zu helfen, dann werde ich diesen Weg gestärkt und motiviert weitergehen. Eure Worte helfen mir, mit solchen Krisen umzugehen. Und sie helfen mir, Freakfood weitherhin zu betreiben und zwei Tage die Woche für FOOD MOVEMENT zu arbeiten, zum grössten Teil immer noch ehrenamtlich.

Es gibt noch so lange zu tun, bis wir Patientinnen unseren Ärzten vertrauen wir sicher sein können, dass neue Erkenntnisse wie eine kluge Ernährung und Lebensführung in den Gesundungsweg miteinbezogen werden. Das ist für mich sinnvolle Arbeit. Und die hilft in der Krise.