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Somatische Intelligenz: Der beste Ernährungsberater bist du selbst

Text: Graziella Anouchka Bättig, Speiseplan
Foto: Marco Sieber [Fotografie]

Der beste Ernährungsberater bist du selbst
An diesem Wintereinbuchsonntag habe ich mich wieder mal hinter die neuesten Dokumentation von Arte, 3Sat und Co. zum Thema Ernährung & Gesundheit gesetzt. Viel Altbekanntes, einige neue Bestätigungen und einen Input, den ich schon lange mal auf Pixel bringen wollte. Ich bin der festen Überzeugung, dass es nur eine Expertin gibt, die Dir sagen kann, was du essen sollst und was nicht: Du selbst.

Braucht es also gar keine Ernährungsberater? Mehr denn je. Denn die somatische Intelligenz – also das eigene Körpergefühl – haben wir weitgehend verloren bzw. wird es durch industriell verarbeitete Lebensmittel seit unserer Geburt getäuscht. Wenn man es genau nimmt, konnte unsere Generation die somatische Intelligenz gar nicht wirklich entwickeln. Ausser wir sind bei Hippie- oder Körnlipickereltern aufgewachsen. Der Weg zurück zu unserem Urkörpergefühl ist ein sehr langer, intensiver und vielschichtiger.

Bei mir besteht er aus jahrelangem Yoga, Achtsamkeitsübungen und einer ausgeprägten Beobachtungsgabe. Und doch habe ich nach über 10 Jahren auf diesem Weg meinen Körper noch nicht vollständig erreicht. Irgendwie beängstigend, wenn man das so formuliert. Daran, dass praktizieren, beobachten und achtsam sein nicht reicht – daran ist unsere Lebensmittelindustrie schuld. Und nein, hier geht es nicht um Verschwörung, Antikapitalismus und Schuldabschiebung. Ich bin ein Mensch, der Verantwortung übernimmt. Vor allem für mich selbst. Ich will anhand eines Beispieles versuchen zu erklären, warum die Lebensmittelindustrie es fast verunmöglicht, dass wir an die Wurzel unserer somatischen Intelligenz kommen und so ihr immenses Potential voll ausschöpfen können.

Beispiel: Glutamat
Aromat hat in einer gesunden Ernährung nichts verloren. Das ist inzwischen weitgehend bekannt. Doch wie sieht es mit Hefeextrakt aus? Geh doch mal zu deinem Vorratsschrank und schau dir deine Produkte an – ja, auch die Bio. Gefunden? Die Chance ist sehr gross. Das ist allerdings kein Grund zur Panik. Hefeextrakt ist tatsächlich oft natürlich hergestellt. Der bedeutendste Bestandteil ist allerdings die Glutaminsäure. Es hat eine stark geschmacksverstärkende Wirkung. Soweit so gut. Geschmacksverstärkung kann man auch natürlich haben. Ist übrigens der fünfte Geschmack: Umami (es würde den Rahmen jetzt sprengen, darauf auch noch näher einzugehen.)

Was hat die Verstärkung eines Geschmackes für eine Auswirkung auf unsere somatische Intelligenz?

Es verwirrt sie. Glutaminsäure an sich hat nichts Falsches. Sie kommt in natürlichen Lebensmitteln vor. Sie ist für unseren Körper nicht essentiell, schadet ihm grundsätzlich auch nicht. Die Verwirrung, wenn Glutaminsäuren Lebensmitteln zugesetzt wird, hat auf Dauer allerdings weitreichende Folgen. Die somatische Intelligenz bezeichnet die körpereigene Intelligenz zu wissen, wann man was braucht und was einem nicht gut tut.

Viellicht kennt Ihr die unbändige Lust auf irgendein Lebensmittel? Ich habe das zum Beispiel im Moment mit getrockneten Tomaten. Ich könnte darin baden und werde nervös, wenn sie an einem Samstagabend ausgehen. Einen Blick in mein schlaues Buch hat geklärt warum. Mein Vitamin A-Level ist zu tief. Das zeigt sich natürlich noch an anderen Symptomen und ist nicht im gefährlichen Bereich.

Mein Darm meldet also meinem Hirn „Wir brauchen Vitamin A.“ Mein Hirn sucht mein ganz individuell angelegtes Lexikon nach Lebensmitteln ab, die es kategorisiert hat mit einem hohen Vitamin A Gehalt. Und schon renne ich zum Biohändler des Vertrauens und besorge mit getrocknete Tomaten.

Ein weiteres Bespiel, welches den meisten betroffenen Frauen – und wohl auch den zuliefernden Männern – bekannt sein dürfte, ist die unbändige Lust auf Schokolade oder nach rotem Fleisch vor oder während der Menstruation. Nimmt das ein unvernünftiges Ausmass an, empfehle ich eine Prüfung des Eisengehaltes.

Wenn wir nah bei uns selbst sind, spüren wir, was unser Körper braucht. Je natürlicher die Gelüste, desto höher unsere Körperintelligenz. Man weiss heute noch nicht, wie oder mit welchem Organ unser Körper das ganz persönliche Nachschlagewerk anlegt. Es scheint mir allerdings logisch, dass die Geschmacksrichtungen und die Tastzellen auf der Zunge hier mitspielen. Und genau diese verwirren wir, wenn zum Beispiel Tofu mit Hefeextrakt angereichert ist und wird uns zum Verhängnis, bei Mangel an irgendetwas in unserem Organismus.

Ein abstrakter und stark vereinfachter Erklärungsversuch
Parmesan enthält viel natürliche Glutaminsäure, ist aber auch von Natur aus reich an Folsäure. Es ist also möglich, dass der Körper speichert: Glutaminsäure = folsäurehaltig. Wenn nun aber dieser Mensch wöchentlich Tofu isst, der mit Hefeextrakt angereichert ist und nur selten Parmesan, dann kann es sein, dass sein Körper bei einem Folsäureabfall* gelüste nach Tofu meldet – obwohl dieser gar keine Folsäure enthält. Natürlich sind diese Täuschungen schlimmer, je mehr hochverarbeitete Lebensmittel ein Mensch zu sich nimmt. Und man weiss heute noch nicht was es braucht, wie lange es dauert oder nach welchem Impuls unser Körper bereits gespeicherte Erfahrungen neu überschreibt.

Hochverarbeitete Lebensmittel sind oft auch mit künstlichen Vitaminen angereichert oder sie enthalten weitere, schädliche Zusatzstoffe. Damit unser Körper wieder seine ganz persönliche Intelligenz entwickeln kann, braucht es mehrere langjährige Komponenten.

1. Ein ausgeprägtes Körpergefühl
Yoga, Meditation oder autogenes Training sind einige Möglichkeiten

2. Entwöhnung
Der Körper muss erst wieder lernen, wie unverarbeitete Lebensmittel – frei von Geschmacksverstärkern, Zusatzstoffen und künstlichem Zucker -schmecken. Dazu ist Basenfasten ein gutes Werkzeug. Wobei einmal in den allermeisten Fällen nicht ausreicht.

3. Mundgesundheit
Der Mund, so unappetitlich das klingt, ist der Beginn des Darms und die Heimat von Tastzellen. Handelsübliche Zahncremes beinhalten oft sehr „scharfe“ Geschmacksstoffe, welche unsere Schleimhaut im negativen Sinn abhärten.

4. Anlegen eines persönlichen Lexikons
Der Konsum von naturbelassenen Lebensmitteln sollte die Regel sein. Keine Zusatzstoffe wie zum Beispiel Schwefel in getrockneten Früchten oder Lebensmittel, die mit künstlichem Zucker angereichert sind.

Das ist ein langer, steiniger Weg mit vielen Fallen und Rückschlägen. Hat man die somatische Intelligenz jedoch erstmal geschärft, erkennt man schnell selbst das unglaubliche Potential das in ihr steckt.

Weiterführende Informationen:

Doku von 3Sat „Gift aus dem Supermarkt“
Lesenswertes Buch von Thomas Frankenbach
Videobeitrag von Thomas Frankenbach

* in der Schweiz werden Lebensmittel aus gutem Grund mit Folsäure angereichert. https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/suche.html#Fols%C3%A4ure

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Graziella hat bereits einen interessanten Erfahrungsbericht für uns geschrieben – sie lebt mir der Diagnose Multiple Sklerose.

Sachbuch: Multiple Sklerose erfolgreich behandeln

Text & Foto: Petra Müller

Seit den ersten Symptomen meiner rheumatoiden Arthritis vor etwas mehr als sechs Jahren habe ich manches Buch über Gesundheit, Ernährung, Bewegung und Entspannung gelesen.

Eines davon ist jedoch ganz besonders wertvoll für mich, weil es von einer Ärztin geschrieben wurde, die an Multipler Sklerose leidet (MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems).

Auch wenn ich selbst nicht Multiple Sklerose habe, so fühle ich mich mit einer Autoimmunkrankheit dennoch angesprochen. Dieses Buch ist für mich ein beeindruckendes Exemplar, da es von einer Schulmedizinerin gechrieben wurde, die selbst an die Grenzen der Schulmedizin gestossen ist und mit ihrem Vorgehen Vorbildcharakter hat. Weiterlesen