Interview mit Erica Bänziger, Ernährungsberaterin

Interview: Petra Müller, Geschäftsleitung FOOD MOVEMENT

Liebe Frau Bänziger, Sie sind seit vielen Jahren als Ernährungsberaterin und Kochbuchautorin tätig. Können Sie uns kurz Ihren beruflichen Weg beschreiben?
Ich habe im Jahr 1980 in Berlin an der Klinik Charlottenburg meine Ausbildung als Diätassistentin angefangen, die zur Universität gehört. Nach zwei Jahren hatte ich dann das Diplom zur Diätassistentin, die Ausbildung ist in Deutschland zur Hälfte Theorie und die andere Hälfte Praxis.
Man muss dann die ersten Jahre im Beruf noch einiges lernen, aber dafür ist die Berufspraxis sehr sinnvoll.

Ich hatte in meiner Ausbildung Bücher von Dr. Bruker gelesen und er hat meinen Weg stark geprägt. Die Vollwertkost geht ja auf ihn zurück und ich habe daraufhin vieles in Frage gestellt in der klassischen Ernährungslehre: Weissmehl, raffinierter Zucker und raffinierte Öle waren von da an Tabu oder ein rotes Tuch für mich. So entschied ich mich dann, nach der Lehre zu Bircher Benner nach Zürich zu gehen. Dort bekam ich als Schweizerin die Stelle in dem Sanatorium. Ich blieb nur ein Jahr dort, denn ich hatte etwas Mühe mit meiner Chefin. Dann kamen zwei Jahre in Engelberg in einer Kurklinik für Ganzheitsmedizin. Dort hatte ich die Küchenleitung inne und die Betreuung der Kurgäste in Sachen Ernährung. Ausserdem war ich zuständig für den Garten und ich absolvierte noch den Wirtekurs für das Haus.

Später dann ging ich ins Ticino, zur Vita Sana, damals eines der ganz wenigen Häuser für Naturheilverfahren und Vollwertkost. Dort leitete ich die Küche und die Ernährungsberatung mit meinem Freund, der dort Küchenchef war. Auch Praktikantinnen von der Schule für Ernährungsberatung konnte ich dort ausbilden.

Nach den vier Jahren dort machte ich mich selbständig, da ich meinen eigenen Weg gehen wollte. Ich begann mit dem Erteilen von Kochkursen, Vorträgen und dem Schreiben der ersten Kochbücher. Inzwischen bin ich seit 27 Jahren selbstständig als Kursleiterin, Autorin und Referentin.

Dazu kommt die Aufgabe als Mutter von zwei Söhnen, inzwischen 13 und 17 Jahre alt. Aber als alleinerziehende Mutter seit 13 Jahren ist das nicht immer einfach.

Was hat sich seit Ihrer Ausbildung in Sachen Ernährung verändert, und wo steht das Wissen um Ernährung, Gesundheit und Wohlbefinden heute?
Meine Ausbildung ist immer noch im Gange, denn die Ernährung ist sich immer am Verändern. Es gibt immer neues, sozusagen darum bin ich ständig am wieder oder erneuten Lernen!
Die Vollwertkost ist aber im Gegensatz zu damals heute sicher besser etabliert, aber auch neue Trends wie Blutgruppe, Ernährung wie in der Steinzeit oder die vegane Richtung sind derzeit trendig, aber das ändert sich wie gesagt immer im Laufe der Jahre! Ernährung folgt Trends, und das ist immer wieder spannend. Aber die Grundsätze einer gesunden Ernährung bleiben sicher fast immer gleich. Sicher ist die Ernährung heute etwas individueller als noch früher.
Auch der ganze Markt um Superfood und Nahrungsergänzung ist heute sicher grösser als früher.
Aber das Thema Ernährung ist nach wie vor spannend und es wird mir nie langweilig. Auch nach 27 Jahren nicht.

Gibt es Ihrer Ansicht nach spezifische Ernährungs-„Regeln“, die Sie als besonders wichtig und/oder wirksam empfinden?
Ich spreche von Empfehlungen und weniger von Regeln, denn das ist so starr. Ich mag keine sturen  und starren Regeln, ich möchte auch keine Schläge in Form von Ratschlägen erteilen, sondern vernünftige Empfehlungen, einen Weg aufzeigen.

Aber ich denke, etwas vom wichtigsten ist aus meiner Sicht, dass man  gute Produkte als Basis verwenden sollte, zudem wenn möglich eher Bio zu bevorzugen und dann auch klar Fette und Öle kaltgepresst und unraffiniert, unraffiniertes Getreide und keinen Zucker, das hat sich von damals bis heute bewährt.  Ich ergänze auch gerne mit Wildkräutern, und die vegane Richtung ist auch zu begrüssen. Aber ich weiss aus Erfahrung, dads z.B. genügend Omega 3-Fette sehr wichtig sind, und so empfehle ich auch immer, dass man seinen Fettsäure-Spiegel überprüft, neben dem Homocystein und dem Vitamin D. Das sind Themen, die mich seit Jahren beschäftigen und die ich auch sehr stark in der Beratung beachte, wenn ich mit Kunden zu tun habe.
Einen anderen Punkt, den ich mir seit Jahren zu Herzen nehme, ist eine gute Versorgung mit Vitalstoffen.
Bevorzugt mit feinen Wildkräutern, aber im Bedarfsfall auch als hochwertige Nahrungsergänzung.

Können Sie Beispiele von Beschwerden und Krankheiten von KlientInnen nennen, bei denen dank spezifischer Ernährung eine Linderung oder gar Heilung erreicht werden konnte?
Oh ja! Wo anfangen und wo aufhören? Prinzipiell kann man mit einer bedarfsgerechten Kost und einer eher veganen, basenbetonten Kost viele Beschwerden lindern. Sei das Arthrose, Übergewicht, Diabetes und auch Gicht und Rheuma bessern sich immer. Aber auch bei MS und Colitis Ulcerosa und Crohn hat man mit einer guten Ernährung viel Potential, etwas zu verbessern.
Das A und O ist sicher auch eine gute Versorgung mit Vitalstoffen, damit kann der Stoffwechsel wieder gut arbeiten. Und nicht zu vergessen: genug Wasser. Vor allem lebendiges, energetisch gutes Wasser. Das hat schon der Iraner Arzt gesehen: «Sie sind nicht krank, sondern durstig», das erlebe ich auch sehr oft, dass Wasser wahre Wunder bewirken kann.

Haben Sie persönlich positive Erfahrungen mit einer bestimmten Ernährungsweise gemacht?
Ja, ich probiere gerne aus und ich lebe heute immer noch am ehesten nach der Mittelmeerkost und immer die Basis ausgerichtet auf Bio und wenig Getreide, eher Paleo mit fast keinem Weizen und guten Fetten und ÖLEN. Auch Trennkost und Blutgruppe sind für mich durchaus als Orientierung akzeptabel. Aber die Mittelmeerkost mit Fisch, wenig Fleisch und viel Gemüse und dem geliebten Olivenöl, die haben es mir immer noch angetan.  Denn erstens ist es genug und zweitens schmeckt es nach Ferien und Meer, und es kommt nicht so asketisch daher.

Bei Ihrem neuesten Buch befassen Sie sich mit dem spannenden Thema Ernährung und Demenz. Was sind die wichtigsten Faktoren für die Prävention von Demenz?
Ja das ist ein wahrhaftig spannendes Thema. Einige Dinge die sehr wichtig. Eines davon ist, dass man genug Vitamin D im Blut hat, dann die richtigen Fettsäuren, also genug Omega 3 und  nicht zu viel entzündungsfördernde Omega 6 Fettsäuren, und dann eine eher vegane Kost mit mässig Fisch und wenig  Kohlenhydraten und nicht zu vielen oder besser keine Milchprodukte.
Im Prinzip eine vegane Mittelmeerkost mit Fettem Meerfisch oder veganes Algenöl oder auch mal Fischöl, in einer guten Qualität für die Versorgung mit Omega 3 Fettsäuren und genug Wasser für die Entgiftung, Und ein paar Tässchen Grüntee. Wichtig ist auch noch, dass man den Homocystein-Spiegel im Auge behält, ist der zu hoch, dann sollte man diesen mit B Vitaminen reduzieren.

Wenn die Nahrung mit Knoblauch, Kurkuma und gutem Olivenöl und Kokosfett zubereitet wird, dann hat die Demenz kaum eine Chance.

Demenz vorbeugen ist eigentlich recht einfach und schmeckt auch noch gut.

Bringt es auch etwas, erst mit 60 die Ernährung umzustellen, wenn man befürchtet, dement zu werden und in der Familie ein Thema ist?
Ja auf jeden Fall, je früher man beginnt, desto besser aber ich würde es jedem empfehlen.

Kann Demenz mit einer bestimmten Ernährungsweise gelindert oder wieder rückgängig gemacht werden?
Es sieht so aus, dass man im Anfangsstadium mit der Ernährung noch etwas verändern kann, aber sobald die Demenz zu stark ist, kann man leider sagen, ist der Zug abgefahren. Also mal wieder gilt das Motto: Vorbeugen ist besser als Heilen. Aber das ist ja schon alt!

Verraten Sie uns noch Ihr Lieblingsessen?
Oh, das ist gar nicht so einfach! Ich muss sagen ich liebe nach wie vor Pastagerichte in allen Varianten, als Fast-Italiener im Tessin ist das kein grosses Wunder. Aber auch roher Fisch ist eine Leibspeise von mir, leider sehr selten auf dem Teller wegen der Ökologie, aber sonst würde ich mich von Fisch und Gemüse und Wildkräutern ernähren können.

Im Prinzip bin ich ein vielseitiger Esser, denn als Autorin ist das der Job, der das mit sich bringt. Es ist auch spannend, immer neues auszuprobieren und auch mal mit Freude bei Freunden zum Essen eingeladen zu sein. Das gibt es selten, denn viele meinen, als Ernährungsberaterin sei man stur. Aber das bin ich nicht. Was ich nicht besonders mag ist Süsses. Damit kann man mich nicht wirklich ködern.

Das ist mein klarer Liebling:
Spaghetti mit geräucherten Forellen, Knoblauch und viel Petersilie und klar mit gutem Extra vergine Olivenöl oder dann die vegane Variante Spaghetti aglio, olio e peperoncino und dazu ein Glas feinen Bio Rotwein, gut auch gegen Demenz. Oder ein feines Pesto zu Pasta, da braucht es nicht mehr viel, um mich glücklich zu machen. Das wichtigste für mich ist feines Olivenöl und auch Knoblauch liebe ich sehr, nicht immer zur Freunde meiner Mitmenschen.

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Erica Bänzigers neuestes Buch „Demenz vorbeugen“ kommt diese Tage im Fona Verlag heraus.
ISBN 978-3-03780-619-7

Der Klappentext:
Erica Bänziger fühlt sich in warmen Gefilden zu Hause und ist dort auch fest verwurzelt. Ihr Wohnsitz im Tessin entspringt dem Wunsch, eng mit dem mediterranen Raum verbunden zu sein. Die ehemalige Diätassistentin mit Zusatzausbildung als Ernährungs- und Gesundheitsberaterin ist mehr als eine Rezept-Autorin. Mittelpunkt ihrer Arbeit ist stets das Produkt, das Lebensmittel, das sie zuerst ganzheitlich beleuchtet und in einem zweiten Schritt in eine gesunde, ehrliche Küche integriert. Hier entwickelt sie auf Basis von überlieferten Rezepten neue und interessante Gerichte, welche die traditionelle Küche ergänzen und bereichern.

Dr. med. Volker Schmiedel ist Chefarzt der Inneren Abteilung der Habichtswald-Klinik in Kassel. Er behandelt und forscht seit Jahrzehnten zum Thema erhöhtes Cholesterin, Diabetes, die Auswirkungen von Ernährung auf typische Wohlstandskrankheiten. Er schreibt regelmäßig in der Zeitschrift ‚Der Naturarzt‘ und ist erfolgreicher Fach- und Sachbuchautor. Seine zahlreichen Vorträge vor Fach- und Laienpublikum finden bei Interessierten und Betroffenen begeisterte Aufnahme.

PD. Dr. med. Michael Nehls ist Arzt und Molekulargenetiker. Nach der Aufklärung verschiedenster erblicher Erkrankungen in akademischen Forschungseinrichtungen der USA und in Deutschland wurde er leitender Genomforscher einer US-Biotechnologie-Firma. Von 2000 – 2007 war er Vorstandsvorsitzender eines biopharmazeutischen Unternehmens in München. Heute schreibt Michael Nehls Sachbücher, produziert Filmdokus und hält Vorträge über Strategie und Gesundheit. Er lebt mit seiner Familie bei Freiburg im Breisgau.

Hier geht es zu Erica Bänzigers Website.

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