Anna Baumgartner: Mein Leben mit Harry Shmoto, aka Hashimoto

Einführungstext: Petra Müller
Erfahrungsbericht & Foto: Anna Baumgartner, Inhaberin & Director of Possibilities bei Biomazing

Anna war einer der ersten Menschen, der sich sofort bei mir gemeldet hat, als wir FOOD MOVEMENT gründeten. Sie war so begeistert, dass mir klar war: Hier kommt Verstärkung. Und die können wir brauchen. Gesundheit und Ernährung sind grundsätzlich weder sexy noch einfache Themen. Die allermeisten Menschen gehen lieber zum Arzt, lassen sich irgend ein Medikament verschreiben für ihre Krankheiten und Beschwerden, und damit hat es sich. Das ist natürlich total okay und deren Sache – aber wir finden, es ist allerhöchste Zeit, dass möglichst viele Menschen erfahren, dass es (auch parallel zu schulmedizinischen Interventionen und Therapien) zusätzliche Möglichkeiten für den Genesungsweg gibt.

Verzicht auf geliebte Lebensmittel fällt uns jedoch schwer. Sehr schwer. Was ich von kranken Menschen oft höre ist: „Wo es mir doch schon so schlecht geht, warum soll ich auch noch auf meinen geliebten Kuchen verzichten? Mein Arzt sagt, die Ernährung habe keinen Einfluss.“ Da stehen mir natürlich die Haare zu Berge. Ich habe am eigenen Leib erfahren, wie es ist, mit einer unheilbaren Autoimmunkrankheit zu leben, welche Nebenwirkungen die Medikamente haben können und wie sich eine kluge Ernährung auf den Organismus auswirkt.

Umso mehr freut es mich, dass wir heute wieder einen Erfahrungsbericht zeigen dürfen. Ich weiss, wieviel Mut es braucht, sich mit der eigenen Erkrankung zu exponieren. Umso mehr bewundere ich Anna, dass sie von ihrem Umgang mit ihrer Schilddrüsenerkrankung Hashimoto spricht. Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung, die zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse führt.

Anna ist aber auch lebendiger Beweis, dass man trotz so einer Erkrankung ein spannendes Leben führen kann. Wenn man an die Inhaberin eines Naturkosmetik-Unternehmens denkt, könnte man meinen, dass man es mit einer hübschen (stimmt), aber vielleicht etwas oberflächlichen (no way!) Person zu tun hat. Weit gefehlt. Anna hat Jus und Violine studiert. Als dann weder die musische noch die sachlich-intellektuelle Welt die richtige zu sein schien, hat Anna Biomazing gegründet. Zum Glück, kann ich inzwischen sagen. Der Zufall wollte es, dass ich Biomazing als Kundin kennengelernt habe, denn dort kaufe ich seit Jahren meine geschätzte Deo-Creme von Soapwalla.

Als ich dann Freakfood gründete und in die Social Media-Welt eintauchte, kreuzten sich Annas und meine digitalen Wege immer öfter. Inzwischen kenne ich Anna persönlich und schätze sie sehr. Uns verbinden viele Werte, wie wir unser Leben leben möchten, ausserdem ist auch sie eine Macherin und möchte Positives bewirken. Ganz herzlichen Dank, liebe Anna, dass du uns von deinen Erfahrungen berichtest. Auf dass du viele Menschen – mit oder ohne Hashimoto – inspirierst!

/ / /

Mein Leben mit Harry Shmoto, aka Hashimoto

Wer auf das Thema „Schilddrüse“ sensibilisiert ist, stolpert täglich darüber: Statistiken, Foren von und für Betroffene, Tipps und Tricks auf unzähligen Lifestyle-Websites, nebenbei erwähnt in Magazinen und sogar als Werbeargument für Produkte. Trauriges Fakt aber ist: Im Schnitt dauert es fünf Jahre, bis ein Schilddrüsenproblem erkannt, diagnostiziert und behandelt wird. Das grosse Manko dabei: Oft fühlen sich die Betroffenen trotz der Medikamente zwar besser, aber nicht „gesund“ und haben die Launen des Schmetterlingsorgans nicht unter Kontrolle.

Was das bedeutet, weiss ich persönlich gut: Jahrelang tingelte ich von Facharzt zu Facharzt („Das bilden Sie sich ein, es ist alles normal“), konnte über Monate nur unter Schmerzen kauen („Probieren Sie es mit Rücken-Fit-Übungen, Ihre Zähne sind absolut gesund!“) und kämpfte neben den üblichen Nebenwirkungen mit Entzündungen im ganzen Körper und mit schmerzhafter Akne. Man würde meinen, dass Hautprobleme das kleinste Übel sind, doch als „Gesicht“ eines Naturkosmetikunternehmens ist es nicht einfach, den Kunden die klärende Wirkung von Produkt X ans Herz zu legen oder gar Termine aufgrund des Hautbildes abzusagen.

Hashimoto kann lebensbestimmend sein. Es gibt unzählige Hashimoto-Betroffene, deren Krankheitsweg von viel gravierenderen, lähmenden Nebenwirkungen geprägt ist: Depression, körperliche Überlastung bis zur Arbeitsunfähigkeit und das Zerbrechen des sozialen Umfelds als häufige Konsequenz. Diese Realität habe ich persönlich nie angenommen: Mein Leben bestimme ich, und nicht eines meiner Organe. Aber ich muss auch viel dafür tun.

Über die Jahre habe ich ein Arsenal an Helferchen entdeckt, dank derer ich mit meinem Hausgast Harry Shmoto gut leben kann. Zugegeben: Ich bin diejenige, die in Restaurants verstohlen komische Pülverchen und Essig in ihre Tasse kippt und Freunden und Bekannten Tröpfchen und zerriebene Pilze aufdrängt, in dem Willen, ihnen etwas Gutes zu tun. Ich möchte hier keine medizinischen Empfehlungen oder Erklärungen teilen, sondern jene Tipps und Kniffe, die ich über die Jahre gefunden, erlernt und als für mein Zusammenleben mit Harry wirksam befunden habe:

— Die grösste, schwerste und mit Abstand wichtigste Regel: Kein Zucker und nichts, das sich im Körper wie Zucker verhält. Es ist hart, es ist ungerecht, und es ist das Beste, das man tun kann. Kein Zucker bedeutet auch: So wenig Kohlenhydrate als möglich, kein Getreide, kaum Pseudogetreide, sowie anfangs keines, danach nur sehr wenig Obst. Nach vielen Monaten, in denen ich mich streng daran gehalten habe, kann ich nun sogar hin und wieder eine kleine Sünde einbauen, ohne sofort an meinen Körper erinnert zu werden. Den wissenschaftlichen Hintergrund dazu kann man bei verschiedenen Quellen nachlesen, und nach und nach ziehen auch immer mehr Ärzte und Wissenschaftler nach. Im Wesentlichen handelt es sich hier um die Freakfood-Ernährung von Petra, mit einer zusätzlichen Reduktion der Kohlenhydrate.

Viel, viel gutes Fett. Avocados, Nüsse, kaltgepresste Bio-Öle, Lachs, Ghee und Kakobutterchips stehen täglich auf meinem Speiseplan. Gute Fette spenden die Energie, die wir brauchen und sind damit unsere besten Freunde. Und nein, gute Fette machen nicht dick – nachzulesen u. a. hier.

Fermentiertes. Kimchi, Sauerkraut, Kefir (auf Wasser- oder Kokosnussbasis anstelle von Milch), Umeboshi und Bio-Apfelessig sind meine Darm-Freunde. Sie feuern auch die Verdauung an und wirken entzündungshemmend, was ideal ist bei typischen Hashimoto-Anzeichen wie geschwollenen Lymphknoten, entzündendetem Zahnfleisch, Entzündungen im Körper und nicht zu guter Letzt auch der entzündeten Schilddrüse.

Adaptogene und Vitalpilze. Diese Hippie-artig anmutenden Kräuter und Pilze sind der Mittelpunkt meiner Helferchen und Teil meines täglichen Lebens: Ashwaghanda wirkt stark entzündungshemmend und wird in östlichen Traditionen seit je eingesetzt. Besonders empfehlenswert (da nicht sehr schmackhaft) sind die Kapseln von Pure Encapsulation. Reishi (z.B. in Form des Spirit Dust) beruhigt eine sich bereits aufbäumende Schilddrüse und wirkt Wunder bei Erschöpfung. Tagsüber, wenn es im Hals zu drücken beginnt, ist meine Powerwaffe eine Kombination aus Spirit- und Power Dust. Cordyceps ist ebenfalls ein grosser Unterstützer und Helfer für bessere Leistungsfähigkeit und wenn die Müdigkeit zunimmt. Diese Kräuter und Pilze zu finden war eine enorm schwere Aufgabe und ist der Grund, warum wir eine kleine Auswahl auf Biomazing anbieten: Jeder sollte Zugang zu diesen Wunderkräutern haben!

Kaffee nur, wenn gefolgt von Tee. Klingt eigenartig, wirkt aber: Kaffee ist für viele mit Schilddrüsenproblemen ein Trigger, so auch für mich. Das L-Theanin in Grün- und Schwarztee wirkt der Kortisol-steigernden Wirkung von Kaffee entgegen.

Xylitol ist der Zucker für alle, die zuckerfrei leben. Xylitol, auch Birkengold genannt, ist süss, hat keinen Beigeschmack, verhält sich im Körper nicht wie Zucker und wird selbst von Skeptikern in Speisen nicht als Xylitol identifiziert. You are welcome!

— Und noch zwei Tipps, die nicht mit Ernährung zusammenhängen: Das Pure Energy Elixir von Lotus Wei ist mein Energie-Retter: Wenn die Glieder so schwer werden, dass man keinen Finger mehr rühren kann oder wenn es bereits im Hals drückt, geben mir die Radiant Energy Tropfen körperliche Energie und Kraft, und das sogar sehr schnell. Aus meiner täglichen Praxis nicht mehr wegzudenken ist meine Yoga-Praixs. Yoga macht mich körperlich und mental stärker, spendet mir die körperliche Energie, die ich brauche und macht mich stark für alles, was das Leben bringt. Mit Yoga fühle ich mich ruhiger, widerstandsfähiger, gelassener und kräftiger.

So teilen Harry und ich unser Leben. Harry kann ein wenig anstrengend sein, aber er gehört zur Familie, motiviert und belohnt einen gesunden Lebensstil und trägt auch Positives bei – Hauptsache, man füttert ihn richtig.

Das könnte dich auch interessieren:

4 Kommentare

    • Petra Müller

      Liebe Aylin
      Ich habe Anna deine Frage weitergeleitet, hier schon ihre Antwort:

      Nein, ich nehme (noch) Euthyrox. Allerdings in bereits viel reduzierterer Dosis als verschrieben. Wenn es mir richtig gut geht, brauch ich fast garnichts, aber immer etwas, da meine Schilddrüse sich schon zur Hälfte aufgelöst hat. Der Plan ist long term auf bioidente Hormone umzustellen.

      Herzlich
      Petra

  1. Hallo 🙂 kannst du zu dem Thema gute Blogs oder sehr gerne auch Bücher empfehlen? Bei mir wurde vor ca zwei Jahren Hashimoto diagnostiziert und ich muss sagen, ich blicke bei der Vielfalt an Infos nicht richtig durch! Wie hast du denn gemerkt, dass kohlehydratarme Ernährung das richtige ist?
    Lg Tina

    • Petra Müller

      Liebe Tina
      Ich habe Anna gefragt, ob sie deine Fragen beantworten kann – hier schon ihre Antworten für dich:

      – Gute Blogs nur zu Hashimoto kann ich nicht empfehlen (davon hab ich mich immer bewusst ferngehalten!) aber wer ganz toll ist und jetzt auch ein Buch zur SD herausgegeben hat:
      http://www.avivaromm.com
      Buch: https://www.amazon.de/Adrenal-Thyroid-Revolution-Metabolism-Hormones/dp/0062476343/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1488214930&sr=8-1&keywords=aviva+romm
      – wer gut über Ihre Erfahrungen schreibt und auch Bücher zum Leben ohne Zucker geschrieben hat ist: http://www.sarahwilson.com
      Es ist leider wirklich schwer dazu gesammelt gute/sinnvolle Literatur zu finden!

      Ich habe ganz klare Anzeichen, wenn ich mich nicht low carb ernähre: Zahnschmerzen, Entzündungen im Körper, Erschöpfungsgefühl, das Gieren nach Zucker setzt sofort wieder ein, schlechte Haut. Dazu muss ich aber sagen, dass es über ein Jahr gedauert hat, dass ich überhaupt erst wieder gespürt habe, wie gut ich mich fühlen kann, um es jetzt zu erkennen, wann/weshalb es mir aufgrund z.B. eines Stück Brotes schlechter geht. Ich denke aber, dass jeder das anders fühlen kann!

      Liebe Grüsse & alles Gute
      Petra

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.