Sybille Binder, Ernährungsberaterin

Text, Foto & Interview: Petra Müller

Auf Sybille Binder wurde ich aufmerksam gemacht, als das Food Movement erst in unseren Köpfen existierte. Beatrice Savoldi, Gründungsmitglied von Food Movement, hatte mir empfohlen, mit ihr Kontakt aufzunehmen. Was für ein guter Tipp! Sybille Binder war spontan bereit, sich mit mir für einen Gedankenaustausch zu treffen. Das gab mir die Gelegenheit, das Institut für integrative Naturheilkunde Nhk in Zürich zu besuchen, das in unmittelbarer Nähe der Langstrasse eingemietet ist, mitten im Multikulti-Quartier von Zürich.

Schon auf der Website und in den Räumen des Nhk merkt man, dass dieses Institut mit viel Liebe und Sorgfalt geführt wird. Ein ansprechendes Erscheinungsbild, freundliche Menschen, eine angenehme Atmosphäre. Sogar die Magazine in der Wartegegend sind ausgesucht und übertreffen das sonst in Kliniken und Praxen übliche Angebot. Kleine Dinge machen eben den Unterschied. Ich fühlte mich sofort wohl.

Das Gespräch mit Sybille Binder war inspirierend und unterstützend. Sie ist eine gute Zuhörerin und kommuniziert angenehm, konzentriert und ruhig, kann aber auch mit Bestimmtheit ihre Meinung äussern. Entsprechend gross war meine Freude, als Sybille Binder sich anschliessend an das Gespräch bereit erklärte, Food Movement ideell zu unterstützen.

Wir werden alle ideellen Unterstützerinnen und Unterstützer von Food Movement vorstellen. Sybille Binder macht hiermit den Anfang.

Liebe Sybille, du bist seit vielen Jahren als Ernährungsberaterin tätig. Kannst du kurz deinen beruflichen Weg beschreiben?
Nach der Ausbildung zur diplomierten Ernährungsberaterin in Zürich arbeitete ich 2 ½ jährige in einem Grossspital. Parallel machte ich Aus- und Weiterbildungen in naturheilkundlichen Ernährungsrichtungen und Psychologie im In- und Ausland (Vollwerternährung, 5 Elemente-, Anthroposophische Ernährung, Ayurveda, Orthomolekularmedizin). Dann folgte eine langjährige freiberufliche Tätigkeit und Dozentenauftrag an verschiedenen Fachschulen sowie Medientätigkeit. Später führte ich selbständig eine Praxis und machte Beratungen in verschiedenen Gruppenpraxen. Seit 2000 führe ich die Schule für angewandte Naturheilkunde, seit 2015 mit neuem Namen und Erscheinungsbild: Institut für integrative Naturheilkunde Zürich.

Was hat sich seit deiner Ausbildung in Sachen Ernährung verändert, und wo steht das Wissen um Ernährung, Gesundheit und Wohlbefinden heute?
Es hat sich in verschiedener Hinsicht viel verändert. Die Menschen sind viel offener geworden, was Ernährungsveränderung anbelangt und gleichzeitig viel verunsicherter, da die Informationsflut so gross ist. Die Krankhkeitsbilder werden auch immer komplexer und es wird immer deutlicher, wie eng die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krankheitsentstehung und –entwicklung wirklich sind.

Kannst du Beispiele von Beschwerden und Krankheiten von KlientInnen aufzählen, bei denen dank spezifischer Ernährung eine Linderung oder gar Heilung erreicht werden konnte?
Ja sicher, viele: Rheumatische Beschwerden und Krankheitsbilder, Multiple Sklerose, Allergien, Unveräglichkeiten, Verhaltensauffälligkeiten (ADHS, ADS), Reizdarm, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa.

Gibt es deiner Ansicht nach spezifische Ernährungs-„Regeln“, die du  als besonders wichtig und/oder wirksam empfindest?
Der Mensch ist zwar sehr individuell in und mit seinem Stoffwechsel, darum sollte die Ernährung auch so angegangen werden. Aber es gibt einige allgemeine Anregungen:

Möglichst Hunger- und Sättigung einhalten und nicht darüber hinaus essen. Qualitativ hochwertige Produkte verwenden, möglichst keine verarbeiteten Convenience Foodprodukte verwenden. Pausen von 4 bis 6 Stunden zwischen den einzelnen Mahlzeiten einhalten.
Mit Freude essen und  sich Zeit für die regelmässige Mahlzeiten nehmen. Nicht an guten Pflanzenölen, dafür mehr bei den Stärkeprodukten etwas sparen.

Hast du persönlich positive Erfahrungen mit einer bestimmten Ernährungsweise gemacht?
Ich habe selber viele Selbstversuche gemacht und ernähre mich ganz anders, als ich von zu Hause gelernt und auch in der Ausbildung als dipl. Ernährungsberaterin erfahren habe.

Ich ernähre mich schon seit einigen Jahren so, wie ich es vorher beschrieben habe. Gemüse, Kräuter und Gewürze bilden die Basis und ich lege viel Wert auf qualitativ hochwertige, wenn möglich biologische, Grundnahrungsmittel. Ich esse eher kleine Mengen und geniesse gerne auch Wein und Kaffee. Ich mag jedoch keinen Zucker.

Ich selber habe Krankheitsbilder so überwunden durch die Stoffwechselveränderungen.

Welche sonstigen Faktoren, abgesehen von der Ernährung, erachtest du als wichtig für Gesundheit und Wohlbefinden?
Genau so wichtig wie die Ernährung ist die Bewegung an der frischen Luft und eine positiv ausgerichtete Lebenshaltung. Wir sollten alle immer das halbvolle und nicht das halbeleere Glas erkennen und uns jeden Tag an allem freuen, das uns begegnet. Denn wir wissen, dass die Gedanken einen grossen Einfluss auf unseren Körper haben.

Was möchtest «Food Movement» auf den Weg mitgeben?
Dass alle mit diesem Projekt und damit verbundenen Personen und Institutionen Erfolg haben und es gelingt, immer mehr aufzuzeigen, wie wichtig die Ernährung für unsere Entwicklung  – nicht nur für unsere Gesundheit – ist. Denn mit der Ernährung tragen wir auch viel Verantwortung rund um das Thema Ökologie.

Verrätst du uns noch dein Lieblingsessen?
Das ist schwierig, ich habe kein klassisches Lieblingsessen. Doch eine wunderbare Gemüseplatte mit einem spannend gewürzten Fisch oder Fleisch und ein gutes Glas Wein dazu sind eine grosse Freude für mich.

Ganz herzlichen Dank, liebe Sybille, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast.

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